“ETFs im Detail” – Interview mit Arne Scheehl von comstage

In meiner neuen Podcast-Folge spreche ich mit Arne Scheehl. Arne arbeitet bei der Commerzbank für das Comstage ETF Sales and Product Management und daraus ergeben sich viele interessante Themen, über die wir heute sprechen werden: Worauf muss beim Zusammenstellen von ETFs geachtet werden? Warum wurden die comstage ETFs auf ausschüttend umgestellt? Und sind die Swapper wirklich viel gefährlicher als die Replizierer?

Interview mit Arne Scheehl von comstage

Ich habe Arne auf dem Finanzbarcamp persönlich kennengelernt und seine Fortgeschrittenen-Session zu den ETFs besucht. Er hielt die Fortführung der Session von Sara Zinnecker und ging noch etwas mehr in die Tiefe. So wurde die Idee für das Interview geboren und ich hoffe, dass Du ebenfalls aus Arnes Aussagen noch eine Menge mitnehmen kannst.

Eine ausführliche Zusammenfassung findest Du weiter unten.

Shownotes

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Zusammenfassung des Interviews

Über Arne:

  • Arne lebt in Frankfurt, arbeitet bei der Commerzbank und betreut die Comstage-ETFs zum Thema Produktmanagement sowie einige institutionelle Kunden.

Mitte der neunziger Jahre hast Du eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert und parallel an der Frankfurt School of Finance & Management ein BWL-Studium absolviert. Woher kam Deine Vorliebe für Wirtschaftsthemen?

  • Das ist während der Schulzeit gewachsen. Ich habe damals festgestellt, dass Wirtschaft einen selbst und alles um einen herum beeinflusst. Die Zusammenhänge und was hinter den Kulissen passiert fand ich sehr spannend. Ich habe eine Bankausbildung in Hamburg abgeschlossen und bin dann nach Frankfurt zum Studieren gegangen, um das Ganze auf fundiertere Beine zu stellen.

Nach dem Studium bist Du 2003 in die Konzeption und den Handel strukturierter Aktien- und Rohstoffprodukte gewechselt. Was kann ich mir genau darunter vorstellen??

  • Zertifikate, Optionsscheine, allerdings weniger die spekulativen Produkte sondern zu 95% die Anlageprodukte. Also Bonuszertifikate, Diskontzertifikate, das was man im Moment unter Expresszertifikate kennt. Sowas berechnen, konzipieren und schlussendlich auch vertreiben.

Damals war das Thema ETFs noch nicht so groß. Wann fing der Markt an, auch für Comstage interessant zu werden?

  • Das Thema ETFs wächst ständig. Es hat angefangen mit institutionellen Kunden, und die Privatkunden sind in den letzten drei bis vier Jahren verstärkt dazugekommen.

Den richtigen Privatanlegerteil habt ihr also erst ab 2012/2013 abgedeckt?

  • Naja, es waren auch schon 2008, als wir angefangen haben, sehr viele Privatanleger an Bord. Ich würde sagen, Stiftung Finanztest als sehr unabhängige Organisation, aber auch die Presse und Bücher haben dazu beigetragen, dass ETFs in Deutschland bekannter werden. In den USA ist das Thema schon lange auch bei Privatanlegern in der langfristigen Altersvorsorge unterwegs.

Heute bist Du Betreuer institutioneller Kunden im Asset Management bei comstage. Was machst Du genau?

  • Das ist ein Teil meines Jobs. Der andere Teil ist das Produktmanagement, das momentan überwiegt. Das bedeutet Auflegen von Fonds, Verändern von bestehenden Fonds, Anpassungen an regulatorische oder steuerliche Änderungen, und ganz selten auch mal Schließen eines Fonds.
  • Der zweite Teil, also die Betreuung institutioneller Kunden, bedeutet mit Versicherungen, Dachfondsmanagern, Vermögensverwaltern, Pensionskassen, diesen Kundentypen sich zu unterhalten, Fragen zu beantworten und Produkte vorzustellen.

Dann baust du die ETFs auch zusammen?

  • Ja, das ist auch Teil meines Jobs. Von der Idee bis zum Listing, alles was so dazwischengehört, einmal die komplette Wertschaffungskette.

Wie gehst du dabei vor?

  • ETFs sind Langfristprodukte. Unsere Produktphilosophie ist, dass wir ETFs auflegen wollen, die für eine seriöse, langfristige Geldanlage sinnvoll sind, ohne uns in irgendwelchen Nischen zu verzetteln.
  • Der zweite Schritt ist dann: Wie kann man das Thema abbilden? Sind die Aktien handelbar? Ich nehme gerne Schwellenmärkte als Beispiel. Da ist es teilweise supereinfach, einen Index zu berechnen, aber die Handelbarkeit und das Volumen dahinter sind eine ganz andere Frage. Liquidität ist also ein ganz wichtiges Kriterium, und oft scheitert es daran.
  • Drittens muss man die Regulatorik beachten: Fonds und ETFs unterliegen in der EU der gleichen Regulatorik. Gewisse Kriterien bezüglich Diversifizierung müssen eingehalten werden.
  • Dann muss man sich anschauen, wie das Produkt in den Markt passt und für welche Kunden es geeignet ist,… Das sind so die ersten Schritte.

Wie viele ETFs setzen sich denn letztlich durch?

  • Sehr gute Frage. Aus meiner Erfahrung muss man einem Produkt drei Jahre Zeit lassen. Trends und irgendwelche Nischensachen haben heute gar keine drei Jahre Zeit. Ich würde schätzen, dass sich 90-95% der Produkte durchsetzen, wenn man vorsichtig ist bei der Auflage.
  • Natürlich kann man Versuchsballons starten, das tun wir auch. Das würden wir aber nicht im großen Stile tun, nur vereinzelt.
  • Du hast Märkte, da gibt es Währungskontrollen, du hast Märkte ohne den sogenannten Free Float, wo Aktiengesellschaften gar nicht frei handelbar sind. Dann darf man auch nicht vergessen, dass es für einen deutschen Fonds viel teurer ist eine papuaneuguinesische Aktie zu handeln als eine niederländische oder belgische.

Was steckt hinter den “Creation & Redemption”-Prozessen?

  • Das ist der Prozess, wo sich die Market Maker die Stücke vom Fonds beschaffen bzw. wieder zurückgeben. Im Gegensatz zu einem aktiven Fonds ist es so, dass nicht jeder Anleger direkt gegen den Fonds handelt, sondern 99,9% der Geschäfte über diese Market Maker laufen. Das hat den Vorteil, dass es sehr wenige Geschäfte gegen den Fonds gibt und wenn es sie gibt, sind sie sehr groß. Creation ist der Prozess, wo neue Fondsanteile kreiert werden. Redemption ist der Rückgabeprozess, wo die großen Blöcke an ETFs wieder an den Fonds zurückgegeben werden.

Wo liegen die Unterschiede zwischen einem physischen ETF, unterschieden in vollreplizierend und gesampelt, und einem Swap-ETF auf der anderen Seite?

  • Wir haben uns angeschaut, für welchen Index sich welche Methode am besten eignet. Da sieht man dann auch relativ schnell, wo die Vorteile der jeweiligen Methode sind. Der physisch replizierende ETF ist tendenziell der ETF, wo die Anzahl der Aktien, oder der sonstigen Indexkomponenten wie Anleihen, überschaubar ist, also bis in die 500/600er-Anzahl. Alles, was darüber hinausgeht, würde bedeuten, dass man bei einem physischen ETF sehr sehr viele Einzelaktien im Fondsvermögen halten müsste. Der MSCI World ist ein Paradebeispiel, wenn man die 1.600 Aktien aus 23 Ländern alle in einem Fonds halten und bei jeder Dividendenzahlung die Dividende richtig verbuchen wollte, da käme man technisch schnell an die Grenzen. Da macht zum Beispiel die swap-basierte, oder auch indirekte oder synthetisch repliziert genannte Methode sehr viel mehr Sinn. Dazwischen gibt es noch die Methode Sampling, die verwenden wir nicht. Da nimmt man, wenn man einen komplexen Index hat und den physisch abbilden möchte, nur eine Auswahl der Aktien aus dem Index, z.B. 800 statt 1.600 im MSCI World. Damit hat man Komplexität und Kosten des Produkts besser im Griff, es wird aber ungenauer.
  • Ich sehe es übrigens nicht so, dass synthetische ETFs gefährlicher sind. Erstens sind auch synthetische ETFs, wie alle anderen ETFs und Fonds auch, durch die europäische Fondsrichtlinie UCITS reguliert, das heißt man kann und darf kein Schindluder damit treiben. Und auch in einem swap-basierten Fonds wirst du Wertpapiere im Fondsvermögen finden. Das sind nicht die Wertpapiere aus dem Index, den du eigentlich abbilden möchtest, aber es sind Wertpapiere drin, der Fonds ist also bei weitem nicht luftleer. Die Wertentwicklung wird über ein Tauschgeschäft – einen Swap – in den Fonds reingeswappt. Als Swap-Gegenpartei muss man auch Sicherheiten stellen, das ist bei uns Cash. Wir veröffentlichen übrigens für jeden Fonds einzeln, was da an Wertgegenständen drin ist, bei uns nur Aktien und Cash.

Wenn jetzt der Tauschpartner pleite gehen sollte, wie viel Verlust würde ich bei einem swap-basierten ETF machen?

  • Die Insolvenz deines Tauschpartners hat erstmal überhaupt keinen Einfluss auf die Wertpapiere, die in deinem Fonds liegen. Die sind weiterhin da. Hast du eine Forderung gegenüber deinem Tauschpartner, ist diese Forderung zu 100% mit Bargeld abgesichert. Du wirst in so einer Situation mit einer gewissen Starre des Fonds rechnen müssen für ein paar Tage, bis die Sicherheiten aufgelöst werden und zum Fondsvermögen zurückkommen. Der Verlust sollte sich äußerst in Grenzen halten, wenn dann nur aus einer zeitlichen Verzögerung – dass dir also Wertentwicklung entgeht – aber Geld aus dem Fondsvermögen geht dir auf keinen Fall verloren.

Wenn ich an die Vorteile von Swap-ETFs denke, fallen mir zum Einen die Kosten ein, und das Andere ist das Thema Tracking Error und die Differenz zum Kursverlauf des Index. Fallen dir noch weitere Vorteile ein?

  • Die zwei sind absolut richtig, es gibt darüber hinaus drittens einige Themen, die du nur über einen swap-basierten ETF überhaupt abbilden kannst, zum Beispiel einen Short-DAX*. Es ist dir als Fonds unmöglich, die Aktien des DAX short zu gehen. Das kannst du nur über einen swap-basierten ETF darstellen.

*Ein sogenannter „Short“ setzt auf fallende Kurse.

  • Anderes Beispiel, was bei Vermögensverwaltungen und einigen Privatkunden bei uns sehr gefragt ist, ist Bund Future Short, also auf deutsche Staatsanleihen Zinssätze. Das kannst du als Short und Bund Future gar nicht über eine physische Replikation abbilden, sondern da musst du in die synthetische Abbildung gehen.

Wie kann ich mir das bei einem gesampelten ETF vorstellen? Da sind dann 500-600 Aktien physisch drin und der Rest wird ähnlich wie bei den Swappern abgebildet oder wie?

  • Nein, der Rest wird einfach weggelassen. Du reduzierst die Komplexität des Fonds, indem du weniger Aktien physisch hältst. Du musst dich dann nur irgendwie dafür entscheiden, welche 800 Aktien es denn sind. Sind es die 800 größten? Oder sind es historisch die 800, mit denen man am ehesten die Entwicklung des Index getroffen hätte? Die anderen lässt du dann weg. Das produziert die Abbildungsungenauigkeit.

Vollreplizierer machen also nur bis zu einer Größe von 500-600 Einzelwerten Sinn?

  • Ich würde sagen, das ist so die Schallgrenze, ja. Das Ganze gepaart mit Länder- und Währungskomplexität. Wenn deine 500-600 Aktien aus sehr vielen verschiedenen und exotischen Ländern mit irgendwelchen Währungsrestriktionen in der Handelbarkeit bestehen, dann wirst du die 600 Aktien sicherlich nicht als Vollreplizierer machen wollen, sondern dich für eine synthetische Replikation entscheiden. Wenn das jetzt 600 Aktien aus dem Euroraum sind oder Stoxx Europe 600, dann klappt das wunderbar.

In den letzten Wochen haben alle comstage-ETF-Anleger Post bekommen. Von allen Seiten wurde ich gefragt, was das denn zu bedeuten hat. Was ändert sich denn am 12.03.2018 konkret bei den ETFs von comstage?

  • Das Wichtigste ist, dass alle die Fonds, die im Moment noch thesaurierend sind, auf ausschüttend umgestellt werden.
  • Das Zweite ist, dass wir zukünftig in der Lage sein werden, auch Substanz auszuschütten aus den Fonds. Warum wollen wir das tun? Weil wenn man einen ausschüttenden Fonds hat und wenn man, was wir planen, immer die Vorabpauschale nach dem neuen Investmentsteuergesetz ausschüttet, kann es sein, dass der Fonds gar nicht ausreichend Zuflüsse hat. Und wenn ein Fonds nicht ausreichend Zuflüsse hat, und man trotzdem diese Vorabpauschale ausschütten möchte, muss man an die Substanz gehen. Das durften wir bisher nicht. Im Spätsommer diesen Jahres wird es dann die ersten Ausschüttungen geben. Und wenn es dann nicht genug ordentliche Erträge – so nennt sich das – in dem Fonds gab, dürfen wir mit dieser Prospektänderung auch die Substanz angreifen. Das ist nichts dramatisches oder böses, man muss es einfach nur regeln, dass dies möglich ist.
  • Was wir außerdem für alle swap-basierten Fonds eingeführt haben, ist dass wir das Swap-Geschäft nicht nur mit der Commerzbank machen, sondern dass wir das Swap-Geschäft regelmäßig ausschreiben – derjenige, der den besten Preis macht für den Swap, bekommt den Zuschlag. Über diese Swaps können wir Zusatzerträge generieren, über die Wertentwicklung hinaus. Von diesen Zusatzerträgen werden 70% dem Fonds zukommen und 30% werden wir für den Mehraufwand in der Administration für die Fondsgesellschaft vereinnahmen.

Werden die ETFs jetzt teurer?

  • Die ETFs werden dadurch eine bessere Performance kriegen. Wertpapierleihe ist ein Thema, mit dem man leichte Zusatzerträge für Fonds generieren kann, es ist aber sehr situationsbedingt. Es ist also nicht so, dass man große Teile des Fondsvolumens verleihen würde. Und auch das ist gesichert.

Viele meiner Leser und Hörer waren von dem Schreiben überfordert. Was kann man denn zukünftig tun, um das in leichter verständliches Deutsch zu übersetzen so wie du das jetzt eben gemacht hast?

  • Wir hätten supergerne einen Erklärungstext beigelegt. Darf man nicht. Wir hätten gerne ein Anschreiben dazugelegt. Geht leider nicht, weil das Anschreiben macht deine depotführende Bank, wo du dein Konto hast. Wir haben den Text schon drei, vier Runden bei uns verändert. Ist er schön? Nein, er ist definitiv nicht schön, er ist eben ein Rechtstext. Ich habe keine Lösung gefunden, einen schöneren Text zu schreiben, da kommt man in den Konflikt, dass der Prospekt den gleichen Text enthalten muss wie die schöne Marketing-Prosa.
  • Ich gebe dir Recht, so ein rechtliches Schreiben zu kriegen, ist nicht schön. Wir haben immerhin in dieses Schreiben geschrieben, dass Leute sich mit Fragen telefonisch an uns wenden können. Das tun Investoren auch, das ist ihr Recht und das ist super. Also gerne anrufen oder eine kurze Email schreiben – innerhalb von ein, zwei Tagen kriegt man eine konkrete und persönliche Antwort.

Warum die Umstellung von thesaurierend auf ausschüttend?

  • Investmentsteuerreformgesetz ist das Stichwort. Es gab zum Jahreswechsel eine Umstellung in der steuerlichen Behandlung von Investmentfonds in Deutschland. Ab diesem Jahr wird die sogenannte Vorabpauschale auftauchen, die alle thesaurierenden Fonds betrifft. Die wird am ersten Geschäftstag in 2019 zum ersten Mal belastet. Das ist nicht wie bei einer Ausschüttung, die um die Steuer gemindert wird. Bei der Vorabpauschale muss man für jeden Fonds, den man besitzt, einzahlen. Das ist für eine große Anzahl unserer Kunden eine sehr administrative und unangenehme Aktion. Die Kunden müssen Geld auf dem Gegenkonto zu ihrem Depot haben, von dort wird die depotführende Bank das Geld einziehen und an den Fiskus abführen. Wenn da kein Geld drauf ist, was insbesondere bei den Abwicklungskonten der Direktbanken sehr häufig der Fall ist, dann gibt es eine Meldung zum Inkasso direkt an das Finanzamt. Um unseren Kunden diesen Stress zu ersparen, stellen wir auf ausschüttend um, weil dann von der Ausschüttung die Steuer bezahlt wird und man den verbleibenden Betrag auf dem Konto gutgeschrieben bekommt, aber man muss nicht für ein bestehendes Investment auch noch Geld, also Steuer, einzahlen.

Warum wurden die comstage-ETFs aus dem kostenlosen Sparplan-Angebot von comdirect und Consorsbank entfernt??

  • Wir haben das jetzt drei, vier Jahre lang gemacht, um einer breiten Investorenschicht ETFs und die Funktion von Sparplänen näherzubringen. Das war eine Marketingaktion und die kann man nicht unendlich lange aufrecht erhalten.

Zusammensetzung Vermögensstrategie ETF: Warum habt ihr einen solchen ETF im Angebot und worauf habt ihr geachtet?

  • Wir haben festgestellt, dass es Investoren gibt, die entweder keinen Spaß, keine Zeit oder kein Wissen haben, sich ihr eigenes ETF-Portfolio zusammenzustellen. So sind wir auf die Idee gekommen, diesen weit gestreuten Dach-ETF aufzulegen als fertiges Paket für die Zielgruppe Einsteiger Aktieninvestments/ETFs. Das Produkt ist bei den Privatkunden supergut angekommen. Wir werden noch zwei weitere dazu auflegen, weil die Zusammenstellung nicht jedem gefällt. Wir stellen deswegen noch eine konservativere und eine offensivere Zusammenstellung daneben. (Alle Infos dazu gibt es hier. Die ETFs sind schon auf dem Markt)

Wie siehst du die Konkurrenz durch die Robo Advisor, die das quasi in einer teuren Variante anbieten?

  • Die Robo Advisor sind aus meiner Sicht sehr nah dran, aber eben teurer. Aber natürlich auch individueller. Wer also den Vermögensstrategie ETF zu standardisiert findet, der findet bei den meisten Robos eine individuellere Variante des Ganzen.

Wie legst du denn selber an?

  • Das mit dem Anlegen hat sich ein bisschen erledigt seit wir ein Haus gekauft haben. Jetzt lege ich eher in Kredit an. Vorher hatte ich ETFs und ein paar Einzelaktien, von denen ich glaubte, das ich ein Gespür für die Firma habe. Aber das ist natürlich sehr subjektiv. Ich habe für Einzelaktieninvestments nicht die Zeit und nicht den Überblick. Da ist so ein Index mit breiter Streuung doch erheblich einfacher.

Woraus setzt sich dein Alltag zusammen? Was sind die häufigsten Tätigkeiten, die du als ETF-Bauer machen musst?

  • Vermutlich im Datensystem Bloomberg irgendwas nachschauen. Ob es jetzt eine Indexzusammensetzung ist oder eine Schlüsselung von einem unserer Fonds, da bin ich häufig unterwegs, aber aus den unterschiedlichsten Gründen. Mein Arbeitsplatz ist sehr abwechslungsreich. Persönliche Kontakte habe ich vielleicht fünfmal pro Woche, aber Email und Telefon natürlich ständig.

Gehst du mit der Entwicklung der Bankenwelt und der Fintechszene mit, also zahlst z.B. kontaktlos, oder interessiert dich so was gar nicht?

  • Oh doch, was man da so tun kann, da bin ich absolut dabei. Nur hochriskante Sachen mit größeren Geldsummen, da halte ich mich eher zurück.

Welche Rolle wird die Blockchain für Banken spielen in der Zukunft?

  • Ich glaube, es wird eine sehr spannende Rolle sein, die wahrscheinlich besonders zu Effizienzsteigerung in der Abwicklung und den Verwaltungsprozessen führen wird. Aber Sicherheit mit Kundengeld geht immer vor.

Wordshuffle:

Finanzblogs – Sind bei mir erst in den letzten anderthalb Jahren wirklich aufm Radar aufgetaucht, durch Investoren, die mir berichtet haben, dass auf diesen Plattformen über unsere Produkte diskutiert wird. Das gibt ein schönes Meinungsbild.

Norddeutschland – Ich komme aus Schleswig-Holstein und würde sagen, Norddeutschland ist alles nördlich der Elbe. Aber wahrscheinlich werde ich geschlagen, wenn ich den doofen Spruch bringe, dass alles südlich der Elbe der Balkan ist.

Rockmusik – Ich höre viel zu wenig Radio, ich höre viel zu wenig Musik, ich freue mich einfach darüber, wenn es mal ruhig ist.

Finanzbarcamp – Fand ich superspannend und will ich auf jeden Fall nächstes Jahr wieder dabei sein.

Familie – Deswegen bin ich aus Frankfurt rausgezogen und wohne jetzt in so einem netten Vorort.

Immobilien – Ganz schwieriges Thema! Es ist schwer, ein Preis-Leistungs-Gefühl zu entwickeln und der Markt ist überhaupt nicht liquide, wie ich als Börsenmensch sagen würde. Und es ist genau das Gegenteil von Diversifikation. Also aus Portfoliogedanken überhaupt keine schlaue Idee eigentlich.

MIFID II – Ein Bürokratiemonster! Wahnsinnig facettenreich. Ich bin gespannt, ob die Wertpapieraufsicht wirklich das erreicht hat, was sie erreichen wollten. Aus meiner Sicht ist das Ziel, eine Kostentransparenz beim Anleger zu erreichen bzw. zu verhindern, dass Kunden an Produkte rankommen, die für sie von der Risikoeinschätzung nicht geeignet sind.

Reisen – Tu ich sehr gerne. Hab ich noch erheblich exzessiver gemacht, als wir noch keinen Nachwuchs hatten.

Glück – Glück braucht man unbedingt! Nur Fähigkeit und Willen reicht nicht, Glück muss auch dabei sein.

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10 Antworten

  1. Vielen Dank für das interessante Interview. Fragen die ich vielleicht noch gestellt hätte wenn noch Zeit gewesen wäre:

    Wie sehen Sie die Zukunft von Comstage? Seit 2016 wird ja von der Commerzbank ein Käufer gesucht. Woran liegt es, dass zB Source 2016 von PowerShares / Invesco übernommen wurde aber Comstage bisher noch nicht verkauft wurde?

    Sehen Sie für Privatanleger einen Nutzen für Nischen-ETF neben den Brot&Butter Indices für das Weltportfolio?

    Ab welchem ETF-Volumen wird denn ein Brot&Butter ETF dauerhaft weiter betrieben bei Comstage und nicht wegen mangelnder Rentabilität eingestellt? Sind es die kolportierten ca. 50 Mio?

    Was sind denn Vor- und Nachteile für Comstage / Privatanleger für die Wahl der Domizilierung der ETfs?

    Nutzt Comstage immer die Möglichkeiten zur Steuererstatung auf ETF-Ebene (zB auf Quellensteuer) oder gehen ETFs dabei auch Gelder verloren?

    Welche Risiken sehen Sie bei Swap-ETFs? Wenn synthetische Swap-ETFs genauso gut und sogar billiger sind als vollpreplizierende ETFs und mehr Freiheiten erlauben, warum werden nicht ausschließlich Swap-ETF angeboten auch auf Indices mit <500 Werten?

    Gibt es bei der Insolvenz eines Tauschpartners wirklich keine Probleme für den Privatanleger oder hat es wie geschrieben nur 'erstmal auf die Wertpapiere' keinen Einfluss? Was ist denn bei 'Lehmann II' oder gar bei 'Lehmann hoch2'? Da hält sich der Verlust vermutlich nicht in Grenzen wenn der Anleger einige Tage oder Wochen nicht an den ETF herankommt oder gar nicht klar ist zu vieviel % noch abgesichert ist – oder doch?

    1. Freut mich, dass Dir das Interview gefallen hat. Die comstage-Zukunfts-Frage hatte ich natürlich auch auf dem Zettel, aber da hätte Arne nichts zu sagen dürfen/können.

      Die anderen Fragen sind sehr interessant, aber das hätte teilweise den Rahmen etwas gesprengt. Aber für künftige Interviews behalte ich diese Fragen mal im Auge.

  2. Lieber Daniel,

    vielen Dank mal wieder für das super interessante Interview! Die Gäste in letzter Zeit sind alle sehr sympathisch glänzen mit Fachwissen und du brillierst immer mehr als Interviewer! Eine kleine Frage hätte ich noch. Könntest du Arne eventuell nochmal nach den NPR Podcasts fragen? Ich wäre sehr interessiert daran welche er denn genau hört. Liebe Grüße

    1. Hallo Martin,
      mir hat das Interview mit Daniel auch sehr viel Spaß gemacht. Das Erste in dieser Form und Ausführlichkeit.
      Zu Deiner Frage: Ich höre gerne NPR “Marketplace” und “Marketplace Weekend”. Die Wochenendausgabe ist länger als die täglichen Sendungen.
      Viele Grüße
      Arne

  3. Lieber Daniel,

    vielen Dank für das interessante Interview.

    kleiene Ergänzug zu den offenen Fragen oben: Mich hätte interessiert was der Swap i.d.R. kostet. Für die These, dass swap basierte ETFs billiger sind wäre ein praktischer Beleg hilfreich.

    1. Hallo Manuel,
      vielen Dank für Deine Rückfrage !
      Swap-basierte ETFs sind dadurch günstiger, das der Swap-Partner bei komplexen Indizes das Absicherungsgeschäft effizienter durchführen kann als es dem Fonds möglich wäre. Beispiel: MSCI Emerging Markets. Der Index bildet (aktuell) 847 Aktien aus 24 Ländern ab. Nicht alle Aktienmärkte und die Währungen sind gut&günstig handelbar – zum Beispiel: Chinesische Aktien & der in der Handelbarkeit eingeschränkte Renminbi. Hier kann der Swap-Partner einen näherungsweisen Hedge durchführen. Allerdings muss die “richtige” Wertentwicklung an den ETF gezahlt werden. Der Swap-Partner kann eine Effizienz-Kosten-Abwägung durchführen, was für den ETF nicht sinnvoll möglich wäre.
      Viele Grüße
      Arne

      1. Über welche Mechanismen kann denn der Swap-Partner die Wertentwicklung des Aktienportfolios günstiger darstellen, als durch den Kauf des gesamten Korbes? Wie kann man sich das vorstellen?

  4. Vielen Dank für das interessante Interview.

    Eine Frage zu der 500-600 Stück Grenze beim physisch replizieren:
    Wie schafft Vanguard z.B. den All World mit über 3000 Aktien, physisch repliziert, bei 0,25 % TER (oft negative TD).

    1. Hallo M,
      je größer die Anzahl der Fondspositionen wird, desto komplexer (=kostenintensiver) wird es. Jede Indexanpassung führt dazu, dass sämtliche Positionen angepasst werden müssen. In der Realität ist das jedoch nicht darstellbar. Insbesondere da die 3000te Aktie nur noch ein Gewicht von vielen Nachkommastellen im Prozentbereich hat. Ich habe mir eben mal den Spass gemacht und mir die kleinste Position in dem von Dir genannten ETF angeschaut. Die ist mit 0,00001% gewichtet. Das sind in absoluten Zahlen beim dem Fonds 180 USD Gegenwert – bei 1,8Mrd USD Fondsvolumen. Ich bin der Meinung, dass da eine Vollreplizierung keinen Sinn macht. Die Kosten stehen in keinem sinnvollen Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Effekt.
      Viele Grüße
      Arne

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