Private Finanzplanung: In 8 Schritten zum individuellen Vermögensaufbau (Teil 1)

Private Finanzplanung gleicht oft einer Seifenblase. Da nimmst Du Dir vor, endlich einmal Geld zu sparen. Doch dann kommt das tolle neue iPhone, ein unverzichtbarer 3D-Fernseher oder ein Kurzurlaub mit der/dem Liebsten dazwischen. Und schon ist die Seifenblase geplatzt.

Dabei ist es ganz einfach. Naja, fast. Du musst nur wissen wie Du richtig vorgehst. Wie Du mit Planung sparen UND konsumieren kannst. Mit wenigen Schritten erreichst Du erste Erfolge, überziehst Deinen Dispo nicht mehr und fühlst Dich einfach besser.

Private Finanzplanung - Überlegender Mann vor Tafel mit Finanz-Grafiken

Finanzplan erstellen – Anleitung

Ich habe es über ein Jahr lang ausprobiert und bin wirklich glücklich mit dem Ergebnis. Acht Schritte für einen Finanzplan sind dafür nötig. Und diese acht Schritte möchte ich mit Dir teilen. Leider ist mein Text etwas ausgeartet und zu lang geworden, so dass ich den Artikel in fünf Teile splitte.

Die ersten drei Schritte zur privaten Finanzplanung kannst Du jetzt lesen, die anderen fünf Aufgaben folgen in den kommenden drei Wochen. Viel Spaß beim Lesen!

1. Schritt -> Plane Dein Budget (Haushaltsplan)

Ich bin mein ganzes Leben mit wenig Geld ausgekommen. Trotzdem konnte ich mir das teuerste und ungesündeste Hobby leisten: Rauchen. Im Umkehrschluss hieß es aber immer, dass am Monatsende nichts übrig blieb. Dabei bin ich nur in den seltensten Fällen im Dispo-Kredit gelandet.

Jeder Job brachte etwas mehr Geld und irgendwann kam der Punkt an dem ich jeden Monat Geld zurücklegen konnte. Erst waren es 50 €, dann 100 € und mittlerweile sind es deutlich mehr. Monatlich werden jetzt verschiedene Töpfe gefüllt, die künftig alle Bedarfe rund um die Themen Altersvorsorge, Urlaub, Konsum und mittelfristiges Sparen abdecken sollen.

Damit das einwandfrei funktioniert, ist aber eine genaue Planung unabdingbar. Du ahnst wahrscheinlich worauf ich hinaus möchte: den wunderbar bürokratischen Haushaltsplan. Vor 2 Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, so etwas in irgendeiner Art und Weise zu führen.

Aber wenn ich ehrlich bin: mittlerweile weiß ich genau, wo jeder Euro hinfließt. Und muss jetzt auch nicht jede Quittung aufbewahren. Trotzdem habe ich meine Finanzen im Griff.

Private Finanzplanung – Warum einen Haushaltsplan nutzen?

Zuerst habe ich es mit einer Haushaltsplan-App auf dem Smartphone getestet. Nach einer Woche habe ich das Ding wieder gelöscht, weil ich immer vergessen hatte, dort die Ausgaben einzutragen. Richtig zuordnen konnte ich die Kosten auch nicht, da ich auf die Premium-Version verzichtet hatte. Fünf Euro für ein paar Kategorien und zwei Diagramme lohnen nicht.

Als nächstes kam Excel zum Einsatz. Ich will ehrlich zu Euch zu sein: Ich habe dieses Programm immer nur der Vollständigkeit halber auf meinem Laptop gehabt. Ich konnte weder damit richtig umgehen noch habe ich irgendeinen Sinn darin gesehen, es wirkungsvoll zu nutzen.

Bei Office 2013 gibt es aber eine Haushaltsplan-Vorlage, in der ich alles auf einen Blick habe: Monatsausgaben, Diagramme, Entwicklung etc. Ein wunderbares Tool! Die reicht im ersten Schritt für einen ersten Überblick und den Grundstock vom Finanzplan völlig aus.

Alternativ kannst du bei Michael Katzmann im Blog einen sehr guten und fundierten Artikel über das Thema Haushaltsbuch lesen.

Private Finanzplanung: Mit dem passenden Tool oder App arbeiten

Es geht hier nicht darum, auf den Cent genau den Betrag anzugeben, sondern eher auf- oder abzurunden.

Diese Basis ermöglicht mir eine wesentlich größere Freiheit, ohne mich irgendwie einzuschränken. Ich brauche täglich maximal 5 Minuten, um meine Ausgaben in meine Excel-Datei einzutragen.

Wie viel gebe ich in der Mittagspause aus? Was kosten mich die ganzen Konzerte? Und wie viel Geld gebe ich täglich für eine Brezel, einen Schokoriegel in der Snack-Box oder einen Cappuccino bei einer großen Kaffeekette aus.

Gerade die kleinen Ausgaben summieren sich über das Jahr gesehen zu einem Kurzurlaub. Unglaublich, aber wahr!

Und wenn ich darüber nachdenke, wie viel Geld ich für Zigaretten ausgegeben habe, wird mir immer noch schlecht. Bis zu 150 Euro flossen jeden Monat in die fürchterlichen Glimmstengel.

Sieben Monate rauche ich jetzt nicht mehr. Das sind umgerechnet 1.050 Euro. Für die Kohle kann ich zehn Tage auf die Kanaren fliegen – und mich ordentlich erholen. Ok, ganz so leicht ist das Aufhören nach vielen Jahren nicht, aber es lohnt sich dafür doppelt und dreifach.

Wichtig ist: Es bringt nichts, jetzt auf “Teufel komm raus” einen Haushaltsplan zu führen. Spätestens nach zwei Monaten fristet der Plan ein einsames Leben, wenn Du nicht dahinter stehst.

Du musst Dich wohl damit fühlen. Dann nimmst Du Dir auch die Zeit einen Haushaltsplan zu führen – egal, ob nun per Buch, App oder Excel. Wenn Du erste Erfolge siehst, wirst Du ihn garantiert weiterführen. Versprochen!

Eine tolle Blogartikel-Reihe zu diesem Thema findest Du hier auf Finanzello.

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2. Schritt -> Schaffe Dir eine passende Tagesgeldreserve

Ein beliebtes Thema bei der Geldanlage ist immer die Notfallreserve. Wie viel ist genug? Brauchst Du sowas überhaupt? Ist es nicht besser alles an der Börse anzulegen?

Ganz klar: NEIN! Jeder Anleger benötigt eine individuell angepasste Rücklage auf seinem Tagesgeldkonto, an die er sofort rankommt.

Das Auto geht kaputt. Kein Problem, zahlst Du aus der Rücklage. Deine Spülmaschine hat den Geist aufgegeben? Auch kein Ding, bezahlst Du aus der Reserve und füllst diese danach wieder auf.

Vielleicht verlierst Du auch Deinen Job und nutzt die Rücklage, um das Arbeitslosengeld aufzustocken. Oder Du kündigst selber, weil Du keine Lust mehr auf das Laufen im Hamsterrad hast. Du bist nur dann unabhängig, wenn Du genug auf dem Tagesgeldkonto gespart hast.

Du bist Hausbesitzer und Dein Dach leckt? Auch hier solltest Du eine ausreichende Rücklage schaffen. Wenn Du ein Haus bzw. eine Wohnung Dein Eigen nennst, benötigst Du auch eine größere Rücklage. Hier kann ganz schnell eine größere Summe anfallen, die sonst nur durch einen weiteren Kredit abgedeckt werden kann. Und Kredite sind für Sparer immer schlecht, weil Du Dich extrem binden und einschränken musst.

Einen Überblick über meine Tagesgeldkonten findest Du hier.

Wichtig ist: Schaffe Dir eine Reserve in Höhe von 3-6 Monatsgehältern – je nach Bedarf. Nur Du weißt, wie viel im Notfall anfallen kann. Wenn du kein Auto oder keine Eigentumswohnung hast, benötigst Du in der Regel eine kleinere Rücklage. Da rate ich dann auch von 6 Monaten Rücklage eher ab.

Solltest Du einen oder mehrere Kredite zurückzahlen müssen, kümmere Dich vor der Geldanlage um die Tilgung. Und wenn Du planst, ein Haus zu kaufen oder zu bauen, konzentriere Dich darauf. Lege das Geld dann nicht in Aktien, ETFs oder Fonds an, weil Du sonst auf einmal mit viel weniger dastehen könntest.

3. Schritt -> Plane Deine finanziellen Bedürfnisse – und lebe DEIN Leben

Damit sind wir auch bei Deiner Lebensplanung angekommen. Die kann Dir nämlich Dein sorgsam zusammengespartes Vermögen wieder zunichte machen. Ganz schnell. Manchmal ohne Vorwarnung.

Und dann stehst Du da wie H.P. Baxxter in der Konservendosenabteilung und schreist “How much is the fish?” durch den Gang. Den Fisch kannst Du Dir dann vielleicht nicht mehr leisten. Wäre doof, oder?

Denn sind wir mal ehrlich: die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Hochzeit, Kinder, Haus, Auto, Umzug, Krankheit, Trennung – das lässt sich alles nicht so einfach und zeitlich genau planen.

Private Finanzplanung vs. Lebensplanung

Aber Du fühlst Dich besser, wenn Du vieles in Deine Planung mit einbezogen hast. Erwarte das Unerwartete. Vielleicht hast Du ja den Lebenstraum mit 57 in Rente zu gehen. Dann musst du das aber 30 Jahre vorher planen – und alle Sparziele darauf ausrichten (siehe auch meinen Artikel zur Rente).

Oder Du möchtest Dich irgendwann selbstständig machen und darauf hinsparen. Das musst Du aber anders angehen als jemand, der sehr langfristig auf die Rente spart. Hier geht es ja darum, ein paar Monate zu überbrücken.

Kurzum: Du musst Dir also kurz-, mittel- und langfristige Investitionsziele setzen. Kurzfristige Ziele sind beispielsweise ein aktuelles Smartphone, ein 3D-Fernseher oder auch ein exklusiver Kurzurlaub.

Unter mittelfristigen Zielen verstehe ich zum Beispiel die geplante Selbstständigkeit, die Planung eines Wohnungs- oder Hauskaufs oder eine längere Urlaubsreise nach Australien.

Und langfristig ist es in erster Linie der Vermögensaufbau für die Altersvorsorge und Investitionen am Aktienmarkt.

Doch wie legst Du jetzt dafür an? Ich glaube, diese Frage habe ich jetzt gefühlte 400 Mal im Netz gelesen. Das heißt, genau dieser Punkt ist der sogenannte “Pain Point” der Neuanleger.

Folgendermaßen solltest Du anlegen:

Kurzfristig (bis 2 Jahre) -> Tagesgeld, Festgeld
Mittelfristig (2-10 Jahre) -> Tagesgeld, Festgeld, Anleihen
Langfristig (10-40 Jahre) -> Aktienfonds, ETFs, Aktien, Anleihen

Die Aufzählung ist sehr konservativ. Das hat auch einen Grund: Was hast Du davon, wenn Du Dir ein Haus bauen möchtest, und Dein Erspartes genau dann halbiert ist, wenn Du es brauchst? Richtig, nix!

Stell Dir mal vor, Du sparst 100.000 Euro für den Hausbau und legst es in ETFs an. Es läuft klasse, die ETFs steigen ordentlich. Du reibst Dir die Hände. “Da ist sogar noch ein zusätzlicher Urlaub drin”, denkst Du Dir heimlich und grinst.

Du verkaufst einen kleinen Teil, fährst mit Deiner Liebsten/Deinem Liebsten in den Urlaub. Und kurz danach kommt der Crash mit 70 % Wertverlust Deiner ETFs. Diese Zahl habe ich mir jetzt nicht ausgedacht. Seit der Gründung des DAX´ 1988 ist das der absolute Tiefpunkt des Index gewesen. Es liegt also im Bereich des Möglichen.

Die Bank gewährt Dir keinen Kredit, weil Du das erforderliche Eigenkapital nicht mehr hast. Deine ganzen Pläne und der Kapitalbedarf sind hinfällig. Und nun?

Deshalb habe ich bei den mittelfristigen Anlagen nichts Riskantes aufgeführt. Langfristig heißt für den Finanzplan immer mindestens 10 Jahre. Alles darunter kann gut gehen, muss aber nicht.

Aber natürlich kannst Du Dir mittelfristig auch Aktien ins Depot legen, wenn Du der Meinung bist, dass Du einen Crash aushalten kannst. Und vor allem das Geld nicht benötigst. Jeder muss hier für sich entscheiden, was richtig ist. Probiere doch mal über den Tiefenrausch des Finanzwesirs nachzudenken. Dann entscheidest Du.

Wichtig ist: Enge Dich nicht zu stark ein. Lebe Dein Leben, aber weiche nicht zu stark von Deinen gesteckten Zielen ab. Nur wenn es nötig ist, sonst änderst Du die komplette private Finanzplanung.

Private Finanzplanung – Fazit

Das Thema Zinseszins werde ich noch einmal gesondert aufgreifen. Aber genau das spielt eigentlich die wichtigste Rolle bei der privaten Finanzplanung und Vermögensplanung. Nimmst Du wieder Geld aus Deinem langfristigen Vermögen, haust Du Dir eine kräftige Lücke ins Depot. Auf lange Sicht.

Damit sind wir am Ende des ersten Teils zum Thema private Finanzplanung. In den folgenden Artikeln geht es dann darum, ein Konto bei einer Direktbank auszuwählen, wie Du die Art der Anlage auswählen kannst und welche ETFs oder Aktien Du kaufen kannst.

Gleich weiter zu Teil 2 der Finanzplanung – Direktbank und Depot

Gleich weiter zu Teil 3 der Finanzplanung: ETFs

Gleich weiter zu Teil 4 der Finanzplanung – Wie kaufe ich Aktien an der Börse und lege einen Sparplan an

Gleich weiter zu Teil 5 der Finanzplanung – Rebalancing ETF

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7 Antworten

  1. Toller Artikel! Ich bin gespannt auf die Fortsetzungen. Für mich als Prototyp der Finanz-Schlendrians steckt da viel Nutzwert drin. Ich fange direkt mal mit dem Haushaltsplan an. Mal schauen, wie sich das so anlässt :-).

  2. Moin,
    dieser Link funzt nicht mehr:
    “Alternativ kannst du bei Michael Katzmann im Blog einen sehr guten und fundierten Artikel über das Thema Haushaltsbuch lesen.”

  3. Hallo Daniel,

    wirklich ein super Artikel, um mit der Finanzplanung zu starten. Ich denke auch, dass es für die Meisten erstmal wichtig ist, einen Überblick zu bekommen, was sie tatsächlich jeden Monat an Einnahmen und Ausgaben haben. Das ist sozusagen die Basis für die weitere Planung.

    Ich habe gerade angefangen einen Blog zu veröffentlichen, der sich mit dem Thema “Job in Gefahr” beschäftigt und wie ich mich dagegen als Arbeitnehmer bestmöglich absichern kann. Ein gesunde Finanzplanung stellt dazu auf jeden Fall die Basis dar. (https://www.jobingefahr.de/blog/finanzen-1/).

    Viele Grüße
    Yvonne

  4. Hallo Daniel,

    ein zeitloser Artikel den man nicht unterschätzen darf. Zu beginn des Vermögensaufbaus sind die Basics mit das wichtigste. Wenn man den Grundstein richtig legt, läuft der Vermögensaufbau wesentlich einfacher und stabiler.
    Ich musste das am eigenen Leib erfahren. Als ich mit dem Vermögensaufbau angefangen habe, musste ich bei 0 starten und mir zunächst die Basics beibringen und meine Finanzen ordnen. Meinen Weg vom Schuldner zum Investor beschreibe ich in meinem Blog.

    Viele Grüße

    Pascal

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