Über Warren Buffett, verständliche Wirtschaft und weggekauftes Know-how – Interview mit Dr. Gisela Baur

Mit der Finanz- und Wirtschaftsjournalistin Gisela Baur spreche ich in dieser Episode über Warren Buffett, verständliche Wirtschaft, allgemeine Geldanlage und von China weggekauftes Know-how.

Überblick Interview Gisela Baur

In dieser Folge habe ich Dr. Gisela Baur im Finanzrocker-Podcast zu Gast. Sie arbeitet seit 30 Jahren als Finanz- und Wirtschaftsjournalistin. In den vergangenen Jahren hat sie außerdem zwei wirklich lesenswerte Bücher veröffentlicht.

Letztes Jahr las ich ihr Buch „Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist“*. Aus meiner Sicht ist es bisher das interessanteste Buch über Buffett, das ich gelesen habe. Das liegt vor allem an der Einbettung von Buffetts Lebenslauf in den historischen Kontext.

Im Februar dieses Jahres kam mit „Wirtschaftsnachrichten endlich verstehen“* das zweite Buch von Gisela Baur raus. Darin erläutert sie anhand von ausgewählten Zeitungsschlagzeilen, welche Zusammenhänge in Politik, Wirtschaft und den Finanzmärkten dahinter stecken. Auch das Buch ist richtig gut und abwechslungsreich geworden.

In meinem Newsletter im Mai stellte ich „Wirtschaftsnachrichten endlich verstehen“ ausführlich vor und verloste einige Exemplare von dem Buch. Die Resonanz auf den Newsletter war riesig und das Interesse an dem Buch war groß.

So gab es also einige Gründe für ein ausführliches Interview mit Frau Baur im Finanzrocker-Podcast. Und herausgekommen ist ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Gespräch über Warren Buffett, verständliche Wirtschaftszusammenhänge, allgemeine Geldanlage und einiges mehr.

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Zusammenfassung des Interviews

Über Dr. Gisela Baur

Gisela Baur Tanja Kirschbaum Portrait
Portrait von Dr. Gisela Baur, Bild: Tanja Kirschbaum

Gisela Baur, Jahrgang 1962, studierte Volkswirtschaft in Bayreuth und München, wo sie an der Ludwig-Maximilians-Universität promovierte. Nach einigen Jahren als Analystin einer Bank wechselte sie in den Journalismus. 2009 machte sie sich selbstständig und arbeitet seither als freie Autorin für Verlage, renommierte Printmedien und das Fernsehen.

1997 lernte sie Warren Buffett kennen. Er lud sie nach einem Briefwechsel zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha ein. Regelmäßig führte sie danach Interviews mit ihm – lange Zeit als einzige Journalistin außerhalb der USA.

Frau Baur, Sie haben Ihre Karriere als Analystin in einer Bank gestartet. Warum haben Sie auf eine Karriere in diesem Bereich verzichtet?

Dort hätte ich sicherlich mehr Geld verdient. Ich kann mich stundenlang mit Statistiken aufhalten und daran erfreuen, aber ein größerer Teil in mir ist der Geschichtenerzähler und das war als Analyst nur teilweise gefragt.

Sie sind anschließend auf die Journalistenseite gewechselt. Was hat Sie daran gereizt?

Meiner Meinung nach ist es der beste Beruf der Welt. Ich kann mich mit Leuten treffen, mit denen ich sonst nie reden würde, weil ich meine Leser im Hintergrund habe. Und am Schluss rede ich schlau daher und habe selbst was gelernt – das finde ich klasse.

Mittlerweile schreiben Sie Artikel und Bücher und machen auch TV-Produktionen. Ist es wichtig sich im Journalismus so breit aufzustellen?

Es gibt verschiedene Wege zum Erfolg. Kollegen von mir haben sich beispielsweise nur auf die Wertpapierbesteuerung im Print spezialisiert. Die TV-Produktionen mache ich auch mit einem Partner, der wiederum auf Filmproduktion spezialisiert ist. Ich bin mit meinem Weg auf jeden Fall zufrieden.

Wie bewerten Sie denn heute den Journalismus? Würden Sie heute nochmal so entscheiden?

Die Digitalisierung hat den Journalismus stark verändert. Mittlerweile gibt es so viele kostenlose Inhalte, dass es schwer geworden ist, sein Geld zu verdienen. Ich würde meine eigenen Kinder nicht mehr unbedingt in diesen Bereich schicken.

Im  Finanz- und Wirtschaftsjournalismus gibt es mittlerweile weniger zeitliche und finanzielle Mittel um Berichte zu erstellen, also die Qualität lässt unter Umständen etwas nach. Gleichzeitig gibt es aber immer mehr Leute, die über Podcast oder YouTube Inhalte erstellen auf einem sehr hohem Niveau. Dann ist es transparenter geworden, weil jeder einen Kurs oder eine Bilanz über Google einfach überprüfen kann. Das hat früher oft einen Gang zur Staatsbibliothek bedeutet!

Mit „Wirtschaftsnachrichten endlich verstehen“ haben Sie ein Buch geschrieben, das sich mit Wirtschaft, Politik, Finanzmarkt und Geldanlage auf unterhaltsame Weise beschäftigt. Wie sind Sie auf die Idee für das Buch gekommen?

Die Idee kam gar nicht von mir, sondern vom Verlag. Zuerst hatte ich nicht so Lust auf das Thema, aber dann habe ich das als Chance genutzt als eine Art Corona-Therapie.

Ich bin der Meinung, dass in einer Demokratie die Menschen wenigstens ein bisschen Ahnung von Wirtschaft und Politik haben sollten, was aktuell nicht der Fall ist. Ich habe das Buch möglichst unterhaltsam geschrieben und dann hat es mir doch einen Riesenspaß gemacht!

Auf einen Begriff, den Sie im Buch vorstellen, möchte ich kurz eingehen: Bruttoinlandsprodukt. Viele hören den Begriff immer wieder, aber können damit nichts anfangen. Was steckt dahinter?

Das ist die Mutter aller Kennzahlen für jeden Volkswirt. Das BIP zeigt alles was ein Land erwirtschaftet hat innerhalb eines Jahres, wird aber nur vierteljährlich erhoben. Also jede Dienstleistung, jeder Döner, der verkauft wird, ist da drin. Es zeigt mir auch den Wohlstand und die generelle Stimmung im jeweiligen Land.

Vor allem die Veränderungen dieser Kennzahl sind interessant. Beispielsweise wenn ich einen ETF in einem bestimmten Land kaufe, schaue ich mir vorher das BIP und deren Entwicklung an.

Was ist denn der WAI?

Der Work Ability Index (WAI) ist eine Frühkennzahl, die einen Ausblick darauf gibt, ob das BIP möglicherweise steigt oder fällt. Dort sind Kennzahlen drin wie Stromverbrauch, Auftragseingänge, die Häufigkeit wie oft jemand „Kurzarbeit“ googelt usw.

Jüngst hängt der WAI dem BIP aber etwas hinterher. Der Wendepunkt von gut auf schlecht, war beim BIP früher als beim WAI – und damit ist diese Kennzahl sinnlos.

Wenn das BIP wirtschaftlich so eine wichtige Rolle spielt, warum sind die ganzen großen Indizes, wie der MSCI World, dann nicht BIP-gewichtet?

ETFs wie der MSCI World richten sich nach den Ländern, wo es genügend liquide Mittel, also Marktkapitalisierung und Unternehmen an der Börse gibt. Deswegen hat der MSCI World 60% USA. In Europa und Deutschland dominiert der Mittelstand, der eben nicht an der Börse ist. Unterrepräsentiert beim MSCI World sind die Schwellenländer. Wer das ausgleichen möchte, kauft eben noch einen ETF aus Schwellenländern hinzu.

2018 haben Sie das Buch „Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist“ geschrieben. Was fasziniert Sie so an ihm, dass Sie ihm gleich ein ganzes Buch gewidmet haben?

Warren Buffet ist ein unglaublich schneller Denker und hat sogar ein fotografisches Gedächtnis. Aber auch seine Art mit Menschen umzugehen und sein Humor fasziniert mich.

Er meinte selbst mal, dass er mit seinen Fähigkeiten zur genau richtigen Zeit geboren ist. Und diese Erfolgsgeschichte aufzudröseln in Kombination mit der Erfolgsgeschichte der USA ist Grundlage meines Buchs.

Wie kam es dazu, dass Sie Warren Buffett kennengelernt haben?

Ich hab ihm einen Brief geschrieben, und davon berichtet wie problematisch es um die Investitions-Mentalität in Deutschland steht. Daraufhin hat er mich zu einem Interview eingeladen und seither habe ich immer wieder mit ihm zusammengearbeitet.

Sind Sie immer noch eine Anhängerin des Value-Investings?

Ich kann nichts anderes. Meine Fähigkeit Bilanzen zu lesen und Einzel-Aktien zu bewerten, ist etwas beschränkt. Deswegen gehe ich lieber auf ETFs.

Wie legen Sie denn persönlich Ihr Geld an und wie sieht Ihre Asset Allokation aus?

Ich habe ein paar Einzel-Aktien, aber bin damit nicht überdurchschnittlich erfolgreich. Ansonsten habe ich relativ viel in Immobilien investiert und die Mieteinnahmen werden mir auch meinen Ruhestand finanzieren, denn die Rente über die Künstlersozialkasse sieht etwas dürftig aus

Ich sehe die Börse mehr als Angebot. Das ist eine super Chance, wenn es gerade in mein Leben passt. Für mich sind Immobilien gerade etwas interessanter.

Sie haben 2018 einen preisgekrönten Film gemeinsam mit Ralph Gladitz zum Thema „China kauft den Mittelstand“ gemacht. Wo liegen die Gefahren am weggekauften Know-how?

Der Industrie-Standort Deutschland lebt, wie andere Länder auch, vom „Ich hab das schönere Produkte als du“ und wenn das aufgebaute Know-How einfach weggekauft wird, ist das natürlich problematisch.

China hat einen Plan laut dem sie bis 2025 bestimmte Branchen in der Welt komplett beherrschen wollen, darunter auch die Robotik.

Das ist angesichts des chinesischen Gesellschaftsmodells von oben nach unten schon problematisch. In so einer Gesellschaft möchte ich persönlich nicht leben, und ich denke, der Großteil der deutschen Gesellschaft möchte, das auch nicht. Ich möchte auch nicht, dass so eine Gesellschaft große Macht auf die Politik und Wirtschaft meines Landes hat. Von daher ist das Thema schon sehr relevant.

Nun gibt es von der EU ein Investitionsgesetz, um diesen Massenkäufen von China etwas entgegenzuwirken und auch China selbst hat aufgehört so viel zu kaufen.

Vielleicht ist China mit ihren Käufen auch etwas auf die Nase gefallen, denn Innovationskraft ist ja nichts statisches, sondern muss auch erhalten bleiben. Wenn man keine guten Ideen hat, ein Roboter-Unternehmen wie Kuka weiterzuentwickeln, sieht es schlecht aus.

Deutschland hat das Problem, dass sie beim Tech-Boom gewaltig hinterherhinken und andererseits das vorhandene Wissen beispielsweise beim Roboterhersteller Kuka nach China verkauft wird. Wie lässt sich das künftig ändern? Mehr Start-ups aus dem Digitalbereich fördern?

Start-Ups sind in Deutschland ähnlich wenig angesagt wie Aktien. Ich denke die Politik sollte dringend die Infrastruktur zur Verfügung stellen, damit wir zumindest bei der Digitalisierung mithalten können.

Im Bereich Technik und Digitalisierung hinken wie den USA und China schon ewig hinterher, von daher glaube ich nicht dass wir die aufholen können. Deutsche Unternehmen wie BioNTech haben mich überrascht, dass Deutschland in der Biotechnologie doch soweit fortgeschritten scheint.

Von daher kam mir der Gedanke, dass es vielleicht besser ist sich auf einen anderen Bereich zu spezialisieren. Die Automobilindustrie hatte ja auch gereicht, um den Wohlstand zu finanzieren.

Welche Zukunftsziele haben Sie?

Ich schreib dieses Jahr noch ein Buch für Menschen, die jetzt neu an der Börse aktiv sind, Blut geleckt haben und mehr erfahren wollen. Es wird um das Thema Aktien und Börse gehen.

Filme für das öffentlich-rechtliche wird es wohl erst wieder ab nächstem Jahr geben, denn der Prozess der Anmeldung dauert dort einfach sehr lange.

Zum Abschluss mache ich nochmal das obligatorische Wordshuffle mit Ihnen. Ich nenne Ihnen Begriffe und Sie sagen, was Ihnen einfällt.

Omaha

Da würde ich so gerne wieder hinfahren. Dort fühle ich mich sehr willkommen, und habe viele Freunde dort.

Kapitalismus

Gleichzeitig eine ganze böse und tolle Sache. Eine gute Sache, um alle zu versorgen und anzutreiben, wenn man ihn zähmt.

Podcast

Find ich klasse – ich mag hören.  Es hat seine Grenzen, man kann beispielweise weniger Zahlen präsentieren. Aber ich höre es gerne nebenbei beim Sport, beim Autofahren und es macht neue Welten auf.

USA

Hassliebe. Es gibt einige Regionen wie Omaha, wo ich mich sehr wohl fühle. Aber auch knapp die Hälfte der Amerikaner haben ein Verständnis von Gesellschaft und miteinander, wo mir einfach die Kinnlade runterfällt.

Rockmusik

Das passt, die 70er Jahre waren ja meine Zeit. Ansonsten höre ich einfach viel Radio und freue mich wenn dort gute Rockmusik kommt.

Finanzielle Freiheit

Am Ende des Monats 2 Cent übrig haben und sich nicht wirklich groß finanziell eingeschränkt haben, das ist finanzielle Freiheit.

Glück

Glück heißt für mich Zufriedenheit. Dass ich im Reinen mit mir bin, dass alles soweit passt. So ein Polster hilft auch in so Zeiten wie den letzten Monaten, auch wenn ich finde, dass man trotzdem mal ausrasten darf.

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4 Antworten

  1. Unterhaltsame Folge! Fand es schon interessant, dass Frau Dr Baur ihr eigenes Geld in Immobilien statt in Aktien anlegt, obwohl sie dort eine jahrelange Expertise zu haben scheint. Hätte da gerne eingehakt.

  2. Hallo Daniel,

    wieder eine solide Folge, die meinen Einkauf heute kurzweiliger gestaltet hat. Habe selber viel Interesse an der Börse aus der Buffett-Biographie “The Snowball” gezogen.

    Etwas komisch war allerdings die Diskussion rund um die BIP-Verteilung. Erst wird suggeriert, dass eine BIP-Verteilung ganz wichtig wäre. Dann sagt sie, dass es performancemäßig aber egal wäre und daher auch nicht so wichtig. Dann erklärt sie warum eine BIP-Gewichtung eigentlich komplett vernachlässigt werden kann (Beispiel Cola und Nestle, die ihren Umsatz weltweit machen – die letzte Ansicht teile ich).
    Den ganzen Teil hätte man sich aus meiner Sicht sparen können.

    Mach weiter so
    Gruß Robin

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