Rezension: Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist

Gibt es über Warren Buffett nicht schon genug Bücher? Diese Frage werden sich wahrscheinlich einige gestellt haben, als das Buch “Warren Buffet – Der Jahrhundertkapitalist” herauskam. Aber Gisela Baur hat sich nicht damit zufrieden gegeben, eine einfache Biographie zu schreiben, sondern die Lebensgeschichte in den historischen Kontext eingebettet, damit der Leser einige von Buffetts Entscheidungen und seinen Erfolg noch besser versteht.

Warren Buffett - Der Jahrhundertkapitalist

“Warren Buffett – Der Jahrhunderkapitalist” von Gisela Baur

Über den berühmtesten Investor aller Zeiten, der vom Zeitungsjungen zum Milliardär wurde, gibt es unzählige Bücher – vor allem im amerikanischen Bereich. Gelesen habe ich keines dieser Bücher. Das Buch “Warren Buffett – Der Jahrhunderkapitalist” von der deutschen Autorin Gisela Baur ist für mich also die Buffett-Premiere gewesen. Zwar habe ich schon viel in anderen Büchern über ihn gelesen, aber mich noch nicht ausgiebig mit dem genauen Werdegang beschäftigt.

Vom wilden Westen an die Wall Street

Anlässlich des 90. Geburtstages des Investment-Großmeisters wurde das Buch noch einmal neu aufgelegt. Das Besondere am Buch von Gisela Baur ist, dass sie nicht einfach stur den Lebensweg von Buffett erzählt, sondern die einzelnen Stationen in Buffetts Leben in den geschichtlichen Kontext einbettet werden. Das unterscheidet sich deutlich von anderen Biographien.

Nicht nur das, denn sie fängt mit den Anfängen der Familie Buffett im wilden Westen an und erzählt vom Weg, der Buffetts Urgroßvater Sidney Homan Buffett nach Omaha gebracht hat und dort ein Lebensmittelgeschäft eröffnete. Bis heute spielt die Stadt in Nebraska die zentrale Rolle in Warren Buffetts Leben, der sie in 90 Jahren nur für kurze Zeiträume verlassen hat. Zwischenzeitlich lebte er noch in Washington und für das Studium in Philadelphia sowie New York.

Auch Ernest, der Sohn von Sidney Homan Buffett, machte sich in Omaha mit einem Lebensmittelgeschäft selbstständig, das später eine wichtige Rolle in der Geschichte von Warren Buffett spielt. Interessant ist hier vor allem der geschichtliche Hintergrund zu dieser Zeit mit den “Räuberbaronen” Andrew Carnegie und John D. Rockefeller, die mit ihren fragwürdigen Methoden großen Einfluss auf die frühe Wall Street hatten.

Gisela Baur erzählt auch die schwierige Geschichte von Buffetts Vater Howard, der als Journalist seine Karriere startet, dann zum Wertpapierhändler wird und schließlich zum erfolgreichen republikanischen Politiker wird.

Das alles hat auch einen Einfluss auf den ganz jungen Warren Buffet, der schon in seiner Jugend anfängt, viel Geld zu verdienen und auch zu investieren. Alles begann damals mit dem Austragen von Zeitungen und Klein-Warrens Kunst des Faltens der Zeitungen. Das ermöglichte ihm schnellere Arbeitsabläufe und auch mehr Einnahmen. Sein allererstes Investment als Jugendlicher war eine Farm für 2.000 Dollar.

Der frugalistische Investor

In der Folge wird dann in zeitlichen Etappen die Geschichte von Warren Buffett vom Studium bei Benjamin Graham und den ersten Erfahrungen als erfolgreicher Investor über das Kennenlernen von seinem genialen Geschäftspartner Charlie Munger bis hin zum Aufstieg vom Firmenkonglomerat Berkshire Hathaway erzählt. Dabei werden die Ereignisse rund um Buffetts Leben immer wieder erzählt, was den Leser dann auch einzelne Entscheidungen von Buffett besser nachvollziehen lässt.

Außerdem versteht man auch besser, warum er sein Geld schnell vermehrte. Er gab einfach sehr wenig aus und kaufte von seinem Geld lieber Aktien und Unternehmen.

“Ich brauche das Geld nicht. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben und wäre genauso glücklich, wenn ich weit weniger Geld hätte.”
Seite 93

Diese Einstellung hat sich Warren Buffett bis heute bewahrt. Das hat schon fast frugalistische Züge, aber es sorgte dafür, dass er sich schon früh komplett um seine Investitionen kümmern konnte. Mit 26 Jahren ging Buffett in den Vorruhestand und beschäftigte sich fortan nur noch mit seinen Investments und Unternehmen. Bis heute äußerst erfolgreich wie wir wissen.

Es ist wirklich faszinierend, was aus den verschiedenen Unternehmensanteilen geworden ist, die Buffett seit seinem “Ruhestand” kaufte. Nicht immer waren die einzelnen Käufe erfolgreich, doch er lernte aus jedem Fehler und fand früh schon seinen kongenialen Investmentpartner Charlie Munger. Das Ergebnis spricht für sich.

“Und das Prinzip ist immer das gleiche: So gut wie jedes Investment bringt Cash und damit das Geld für neue Investments. 2018 hat Berkshire ein Aktienportfolio im Wert von fast 173 Milliarden Euro, zwölf Versicherungen, die einen Float von mehr als 122,7 Milliarden Dollar erwirtschaften.”
Seite 272

Wenn man bedenkt, dass Berkshire ursprünglich eine kurz vor der Pleite stehende Textilfirma war, hat sich die Holdinggesellschaft extrem erfolgreich entwickelt. Dazu kommen noch 23 Tochterfirmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, eine Eisenbahnlinie, 13 Versorger und 26 Einzelhändler und Servicefirmen, Immobilienmakler, 75 Autohäuser sowie mehr als 30 Tageszeitungen. Es ist einfach ein riesiges Imperium, das Buffett und Munger hier aufgebaut haben.

Lohnt sich “Warren Buffet – Der Jahrhunderkapitalist”?

Über das Investieren an sich lernt man aber nur Grundzüge der Grahamschen Lehre, die Warren Buffet dann weiter verfeinerte, und natürlich die Lehren die er aus seinen Investments zog. Meistens waren sie positiv, aber es gab auch große Reinfälle.

Aber im Buch geht es weniger um Kennzahlen oder spezielle Tricks vom Value-Altmeister, sondern einfach um seine Geschichte und die Grundlage für seine Erfolge. Wem das zu langweilig sein sollte, der sollte sich andere Bücher kaufen.

Für mich als studierter Historiker ist das Buch natürlich ein gefundenes Fressen. Es ist keine einfache Biographie, sondern einiges mehr. Deswegen hat es mir auch solchen Spaß gemacht, das Buch von Gisela Baur zu lesen und auf diese Weise mehr über Warren Buffett, Charlie Munger und Berkshire Hathaway zu erfahren. Der lebendige und unterhaltsame Schreibstil der Autorin trägt seinen Teil dazu bei.

Gisela Baur lernte Warren Buffett übrigens schon 1997 kennen, wo er sie nach einem angeregten Briefwechsel zur Berkshire Hathaway-Hauptversammlung einlud. In den folgenden zwanzig Jahren traf sie ihn regelmäßig und führte viele Interviews mit ihm – zeitweise sogar als einzige europäische Journalistin. Einige dieser Interviews bildeten die Grundlage für die Bücher.

Fazit: Ein lohnenswertes und interessantes Buch über den Jahrhundertkapitalisten Warren Buffett, das beileibe nicht nur etwas für Buffett-Fans geeignet ist. Und es ist auch kein trockenes Finanzbuch, sondern eher ein unterhaltsames Geschichtsbuch mit einigen Aha-Momenten.

Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist: Vom Zeitungsjungen zum Milliardär – sein Weg zum Erfolg
  • Baur, Gisela (Autor)
  • 320 Seiten - 10.09.2018 (Veröffentlichungsdatum) - FinanzBuch Verlag (Herausgeber)
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