Wie trifft Warren Buffett seine Aktienauswahl?

Warren Buffett, der milliardenschwere Unternehmer und CEO von Berkshire Hathaway, ist einer der erfolgreichsten Aktiensammler und Value-Investoren aller Zeiten. Viele Investoren versuchen seinen Erfolg nachzuahmen. Aber es gibt eine gute Nachricht für dich: Auch du kannst die Prinzipien von Buffett erlernen und sie auf deine eigene Anlagestrategie anwenden. In seinem Gastartikel zeigt dir Alexander Kelm, wie das funktioniert. 

Die 7 Grundprinzipien

Hier sind die sieben Schritte, die Warren Buffett verwendet, um seine Auswahl an Value-Aktien zu treffen:

  1. Investiere in das, was du verstehst
  2. Erlerne die Grundlagen des Value Investing
  3. Identifiziere günstige Aktien
  4. Finde Unternehmen, die sich bewährt haben
  5. Investiere in ein gutes Management
  6. Handel aggressiv in schwierigen Zeiten
  7. Verfolge eine langfristige Denkweise

Diese Schritte helfen dir dabei, dein eigenes Portfolio zu erstellen. Bevor wir aber in die Details einsteigen, lernst du vorab die Person Warren Buffett kennen und im Anschluss gehen wir ausführlich auf seine Investmentprinzipien ein.

Wer ist Warren Buffett?

Warren Buffett wurde am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska geboren. 1950 machte Warren seinen Bachelor an der University of Nebraska. Nachdem er das Buch „Intelligent Investieren“  von Benjamin Graham gelesen hatte, wollte er unbedingt unter Benjamin studieren. Im Jahre 1951 absolvierte Warren erfolgreich seinen Master an der Columbia University in New York City.

Nach seinem Studium an der Columbia University kehrte Warren nach Omaha zurück und arbeite in der Investmentfirma seines Vaters. Während dieser Zeit entwickelte sich zwischen Buffett und Graham eine enge Beziehung.

Durch diese enge Bindung der beiden, bot Graham ihm einen Job als Analyst in seiner Firma in New York an. Warren arbeitete von 1954 bis 1956 für die Graham-Newman Corporation. Diese Jahre waren sehr lehrreich für Warren und bildete die Grundlage für seinen späteren Erfolg.

Im Alter von 25 Jahren kehrte er abermals nach Omaha zurück und gründete seine eigene Investmentpartnerschaft. Das Startkapital von 100.000 US-Dollar stammte von Familienangehörigen und Freunden sowie aus seinen eigenen Ersparnissen. Er führte die Partnerschaft von 1956 bis 1969. Bis zur der Auflösung der Partnerschaft hatte Warren Buffett das angelegte Kapital verdreißigfacht.

Gründung von Berkshire Hathaway

1965 kaufte er die unrentable Textilfirma Berkshire Hathaway und baute sie zu einem der erfolgreichsten Investmentgesellschaften der Welt um. Dies tat Warren, indem er dem Textilgeschäft langsam die „Flüssigen Mittel“ entnahm und sie in gute Unternehmen investierte.

Nach dem Börsencrash von 1973/74 hatte Warren die Möglichkeit, Unternehmen zu günstigen Preisen zu kaufen. Buffett ging auf Einkaufstour und tätigte Investitionen wie zum Beispiel in die Washington Post.

Nach der Finanzkrise 2008 wurden Buffett wieder Unternehmen zu günstigen Preisen von Mr. Market angeboten. Er kaufte unter anderem den US-Eisenbahn-Konzern Burlington Northern Santa Fe für 44 Milliarden US-Dollar und den Industriekonzern Precision Castparts für 37 Milliarden US-Dollar. Der Rest ist Geschichte, die noch nicht zu Ende ist.

So viel zur Geschichte von Warren Buffett. Lass’ uns nun einen Blick auf seine sieben Prinzipien werfen.

1. Investiere in das, was Du verstehst

Bevor du in Aktien investierst, solltest du verstehen, was das Unternehmen macht und wie es Geld verdient. Das ist der Grund, warum Warren Buffett in der Vergangenheit, die meisten Technologieaktien gemieden hat, weil er die Geschäftsmodelle nicht verstand. Also blieb er bei dem, was er am besten nachvollziehen konnte.

Obwohl das Aktienportfolio und die Tochtergesellschaften von Berkshire Hathaway eine heterogene Mischung von Unternehmen darstellt, kann man eine hohe Konzentration in den Branchen wie Versicherungen, Banken, Versorger und Konsumgüter feststellen. Das sind alles Unternehmen, die Buffett sehr gut versteht. Deswegen war er bereit, viel Kapital in sie zu stecken.

2. Erlerne die Grundlagen des Value Investing

Warren Buffett glaubt, dass die meisten Privatanleger lieber billige Indexfonds kaufen als einzelne Aktien. Es ist nicht so, dass bei der Bewertung und Auswahl von Aktien kein Geld vorhanden ist, aber die meisten Menschen haben nicht die Zeit, den Wunsch oder das Wissen, um es richtig zu machen.

Wenn Du dies liest, gehe ich davon aus, dass du den Wunsch hast, zu investieren und die Zeit investierst, einige Hausaufgaben zu machen. Aber bevor du wie Buffett investieren kannst, brauchst du fundierte Kenntnisse im Value Investing. Finanznachrichten zu beobachten und Artikel wie diesen hier zu lesen ist ein guter Anfang, aber ich empfehle dir ein paar Bücher für jeden aufstrebenden Value-Investor zu lesen:

  1. Intelligent Investieren, von Benjamin Graham*
  2. Die Geheimnisse der Wertpapieranalyse, von Benjamin Graham und David Dodd*

Mit diesen beiden Büchern legst du den Grundstein für dein Buffett-Portfolio. So bist du gut vorbereitet, um eine gute Aktienauswahl zu treffen.

3. Identifiziere günstige Aktien

Sobald du deine Value-Investing-Kriterien festgelegt hast, besteht dein Ziel darin, eine Liste von Aktien zu erstellen, die deine Wunschliste entsprechen. Nehmen wir zum Beispiel an, dass du Aktien willst, die weniger als das 15-fache des Gewinns ausmachen und eine starke Finanzhistorie haben, um Jahr für Jahr 20% Rendite auf das Vermögen zu erwirtschaften.

Die meisten Online Broker bieten Suchfunktionen und andere Tools an, um diesen Prozess zu vereinfachen und eine Liste von Aktien basierend auf deinen Kriterien zu erstellen.

4. Finde Unternehmen, die sich bewährt haben

Sobald du eine Liste mit Aktien hast, deren Kennzahlen attraktiv sind, solltest du sie durch die Auswahl von Unternehmen einschränken, die sich in Rezessionsphasen gut behaupten können. Versorger sind ein exzellentes Beispiel, weshalb Buffett gerne in sie investiert. Eliminiere Unternehmen, die stark von einer starken Wirtschaft abhängig sind, wie z. B. Einzelhändler, die Luxusprodukte verkaufen.

Du musst auch nach Unternehmen Ausschau halten, die einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil oder einen breiten Burggraben haben, wie Buffett sagt. Es gibt mehrere Dinge, die einem Unternehmen einen Vorteil verschaffen können, wie z. B. Effizienz, Skalierbarkeit oder eine geschützte Technologie.

Ein gutes Beispiel ist Coca-Cola, da es ein erstaunliches Vertriebsnetz besitzt sowie über einen äußerst wertvollen Markennamen verfügt, der ihm Preismacht verleiht.

5. Investiere in ein gutes Management

Es ist schwer, einen Blick auf den Wert eines guten Managements zu legen. Buffett wird nur dann in eine Aktie investieren, wenn er dem Management vertraut und denkt, dass es kontinuierlich im besten Interesse der Aktionäre handeln wird.

Zu den positiven Anzeichen gehören eine Geschichte des Dividendenwachstums und Rückkäufe (beides Möglichkeiten, Kapital an Anleger zurückzugeben) sowie ein exzellenter Ruf.

6. Handel aggressiv in schwierigen Zeiten

Im Allgemeinen ist es eine schlechte Idee, den Markt nachzuahmen. Den langfristigen Investoren wird es wahrscheinlich gut gehen, egal wann sie kaufen.

Dennoch ist es wichtig in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach guten Gelegenheiten zu suchen. Ich sage den Leuten oft, dass eines der Geheimnisse eines erfolgreichen Value Investors darin besteht, dass er die Marktkorrekturen liebt, da diese die besten Kaufgelegenheiten bieten.

Buffett investiert Geld in guten und schlechten Zeiten, aber er hat großartige Arbeit geleistet, indem er während und kurz nach der Finanzkrise einige Kaufgelegenheiten nutzte, wie zum Beispiel mit dem Bank of America-Deal.

7. Verfolge eine langfristige Denkweise

In Bezug auf das Aktienportfolio von Berkshire Hathaway sagte Buffett, dass “seine bevorzugte Haltedauer langfristig ausgelegt ist”. Das bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass Berkshire irgendeine seiner Aktien für immer halten wird. Tatsächlich verkaufen Buffett und sein Team regelmäßig Aktien, und dafür gibt es viele gute Gründe.

Warren Buffett versucht hiermit zu sagen, dass er seine Investitionen mit einem langfristigen Zeithorizont tätigt. Mit anderen Worten: Wenn er sich die Aktie jahrelang nicht vorstellen kann zu halten, wird er sie überhaupt nicht kaufen.

“Wenn Du nicht bereit bist, eine Aktie für 10 Jahre zu besitzen, denke nicht einmal daran, sie für 10 Minuten zu behalten”, sagte Buffett. Aktien zu kaufen, weil man denkt, dass das Unternehmen ein gutes Quartal haben wird, oder weil ein heißes neues Produkt im nächsten Jahr veröffentlicht wird, ist einfach nicht der Weg von Warren Buffett.

Über den Autor

Alexander Kelm studierte Marketing in den Niederlanden. Beruflich sammelte er Erfahrungen im Banken-und Prüfungssektor. Er ist ein leidenschaftlicher Anhänger des Value Investing und folgt mit großem Interesse die Strategien von Investoren wie Warren Buffett, Joel Greenblatt und Mohnish Pabrai.

Mehr über Alexander findest Du auf seinem Finanzblog Value Investing Chronicle und auf Facebook.

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4 Antworten

  1. Hi Alexander,

    guter und übersichtlicher Artikel.

    Abgesehen von deinen Punkten finde ich Buffett’s Konzept der Owner Earnings (also seinen Ansatz, um Unternehmen zu bewerten) immer wieder sehr überzeugend.

    Vor allem im Vergleich zum traditionellen DCF-Ansatz (der ja sowieso von vielen Value Investoren eher kritisch gesehen wird).

    Leider wird das Verfahren nur in einem der Berkshire Shareholder Letters (ich glaube in dem von 1993) im Detail geschrieben.

    Viele Grüße,
    Axel

  2. Hallo Axel,

    Herzlichen Dank für deinen Kommentar.

    Ja, du hast recht, dass der DCF-Ansatz bei traditionellen Value Investoren nicht angwendet wird. Aber meine deutsche Bekanntschaft bzw. Umfeld an Anlegern verwenden diese Methode sehr gerne. Jeder Investor hat eine andere Vorgehensweise.

    Gruß,
    Alexander

  3. Hey Alexander,
    wirklich sehr informativer Artikel und echt gut geschrieben.

    Ich finde, dass Warren Buffet einer der besten Investoren unserer Zeit ist… ein Mensch, den sich jeder Value Investor zum Vorbild nehmen sollte.

    Gerade den 6. Punkt finde ich äußerst interessant. Dieser erinnert mich an ein Zitat, von Nathan Mayer Rothschild: “Kaufe, wenn das Blut auf den Straßen fließt.” Denn die meisten Anleger machen ja komischerweise genau das Gegenteil 😀

    Ich werde auf jeden Fall mal auf Deinem Blog vorbeischauen.

    Beste Grüße,
    Friedrich Schneider

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