Finanzsoftware: Neue Werkzeuge für Investoren, Immobilienkäufer und die Rentenlücke

Seit der Veröffentlichung meines Artikels über Werkzeuge für die Geldanlage ist dieser zum Duracell-Hasen meines Blogs geworden – obwohl der Artikel nicht mal suchmaschinenoptimiert ist. Schon vor langer Zeit wollte ich einen Nachfolger schreiben, der einige interessante Tools und hilfreiche Finanzsoftware für die Geldanlage vorstellt. Hier ist er nun endlich, der zweite Teil.

finanzsoftware-und-tools

Ich bin immer auf der Suche nach Werkzeugen, die meine Geldanlage erleichtern und einen Mehrwert bieten. Die müssen jetzt auch nicht zwangsläufig kostenpflichtig sein, wobei ich für solche Software auch bereit wäre, Geld zu zahlen. Portfolio Performance ist hier das beste Beispiel. Es gibt meines Wissens kein Programm, was so viel bringt wie PP und zudem kein Geld kostet. So ein Programm ist dieses Mal nicht dabei, aber es gibt einige spannende Tools, die den Investor nachhaltig unterstützen können.

1. Deine Rentenlücke berechnen

Wenn Du das erste Mal in Deiner Bankfiliale sitzt und der nette Bankverkäufer seine Produkte verkaufen möchte, fängt er mit der ominösen Versorgungslücke an. Konkret: Wie hoch ist die Diskrepanz zwischen Deiner Rente und Deinen Vorstellungen? Und wie viel musst Du ansparen, um diese Lücke zu schließen? Häufig werden dann Riester, private Rentenversicherungen oder andere teure Produkte empfohlen, die ordentlich Provision bringen. So war es auf jeden Fall bei mir.

Heutzutage musst Du Dir keinen mehr vom Pferd erzählen lassen, sondern kannst sowohl Deine Rentenlücke berechnen als auch Deine nötigen Sparquoten. Wie Du Deine nötigen monatlichen Rücklagen errechnest, habe ich im ersten Teil der Werkzeuge erläutert. In diesem Artikel widme ich mich der Berechnung der Rentenlücke.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat eine Reihe hilfreicher Tools entwickelt, mit denen Du Deine Altersvorsorge bewerten kannst – und auch bei Bedarf gegensteuern kannst. Ich habe die Rentenlücken-App aber mal hervorgehoben. Die anderen Tools findest Du aber am Ende ebenfalls verlinkt.

rentenluecke

Mit der App kannst Du Deinen Jahrgang, Dein Einkommen und Dein Renteneintrittsalter eingeben. Das Nettoeinkommen wird dann als Wunschrente genommen, die voraussichtliche gesetzliche Rente gegenübergestellt und so die Vorsorgelücke errechnet. Auf Wunsch kannst Du auch noch die Inflation unten einstellen. So hast Du einen guten Überblick, wofür Du Geld ansparst und wie viel Du ansparen musst.

Hohe Rücklagen

Je 100 Euro lebenslanger Rente benötigst Du aktuell 22.000 Euro. Diese Zahl stammt aus dem Terrassomat des DIA und ist eine gute Daumenregel. Für die oben stehende Vorsorgelücke in Höhe von 1.209 Euro benötigst Du demnach eine angesparte Summe in Höhe von 264.000 Euro. Dann hättest Du beim Jahrgang 1970 die Lücke geschlossen. Das mag auf den ersten Blick sehr hoch erscheinen, aber mit Hilfe des Zinseszins und über einen längeren Zeitraum ist das auch zu erreichen.

Mach’ Dich doch etwas vertraut mit der Rentenlücken-App und schau’ Dir Deine Vorsorge-Lücke mal an. Warte aber nicht zu lange mit einer konkreten Handlung, denn Zeit ist bekanntlich Geld. Und je länger Du die Vermögensbildung rausschiebst, um so weniger profitierst Du vom Zinseszins-Hebel.

Hier geht es zur Rentenlücken-App.

Hier geht es zu allen anderen Tools des DIA.

2. FairValue Calculator

Den Anfang bei den aktiven Tools macht eine Software, mit der Du den inneren Wert von Aktien bestimmen kannst. Der kostenlose Fair Value Calculator von Dr. Peter Klein ermöglicht Dir zu schauen, ob eine Aktie noch Potenzial hat oder womöglich überbewertet ist.

Unter dem inneren Wert versteht man in der Finanzanalyse den Wert eines Unternehmens bzw. einer Aktie auf Basis objektiver Bewertungsmaßstäbe. Bei Unternehmen ist es schwerer, konkrete Marktwerte gegenüberzustellen, weil es zu aufwendig ist, alle Bestände zusammenzuzählen. So fällt es auch schwerer den inneren Wert der Aktie zu bestimmen. Hierfür werden jetzt der Gewinn pro Aktie und das Umsatzwachstum genommen und auf dieser Basis der Fair Value errechnet.
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Auch wenn so ein Vergleich immer etwas hinkt, haben 25 nach der Fair Value-Methode ausgesuchte Unternehmen den MSCI World in den vergangenen sechs Jahren um 60 % geschlagen. Schau doch mal rein. Es sind auch interessante Artikel erhalten, wo du einiges zum Thema Kennzahlen und Geldanlage mitnehmen kannst.

Hier geht es zum Fair Value Calculator

3. Aktienfinder

Ein etwas anderer Ansatz ist der von Torsten Tiedt. Er hat mit der Webseite “Wachstumswerte”  und dem Tool “Aktienfinder” einen wirklich tollen Überblick von Qualitätsaktien geschaffen, die beständig wachsen und eine regelmäßige Dividende zahlen. Mit Hilfe dieser Aktien soll langfristig ein Vermögen aufgebaut werden. Es ist also – einfach gesagt – ein Aktienfinder für Dividendenanleger.
Ermöglicht wird die Wachstumsstrategie durch Unternehmen, die in der Lage sind, über einen Zeitraum von Jahren, sogar Jahrzehnten, Gewinn und Dividende kontinuierlich zu steigern. Oft sind diese Unternehmen Marktführer, verfügen – inbesondere im Konsumbereich, wie z.B. Coca-Cola oder Procter & Gamble – über bekannte Marken und sind dank ihrer erfolgreichen Vergangenheit Giganten mit Milliardenumsätzen.
Besonders schön ist, dass Torsten die herausragendsten Aktien mit einem Gütesiegel versehen hat. Am Beispiel des deutschen IT-Dienstleisters Bechtle lässt sich die hervorragende Entwicklung anhand der stetig steigenden Gewinne und der steigenden Dividende erkennen. Bechtle hat dafür auf der Webseite drei Auszeichnungen erhalten, weil es eine Gewinnrakete, ein Dividendenbunker (hohe Wahrscheinlichkeit künftiger Dividende) und auch ein Dividendensprinter (Dividende überdurchschnittlich gesteigert) ist.
wachstumswerte
Das heißt jetzt im Grunde genommen erstmal nichts, da Wachstumswerte beispielsweise das momentane Branchenumfeld nicht bewertet. Hier ist also für den Investor noch mehr zu tun, als nur nach den Siegeln zu schauen. Bestes Beispiel ist hier das dänische Gesundheitsunternehmen und führende Insulinhersteller Novo Nordisk, das ebenfalls drei Siegel erhalten hat, aber gerade mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Dazu gehört unter anderem die wachsende Konkurrenz in der Diabetesbekämpfung, die Medikamentenpreise in den USA und zu allem Überfluss auch noch schlechte Zahlen.

Aktuelle News prüfen

Deshalb verweise ich an dieser Stelle auch immer gern darauf, dass sich der aktive Investor immer mit aktuellen Tendenzen in der jeweiligen Branche und Newsmeldungen auseinandersetzen sollte, bevor er einen Kauf tätigt. Ich persönlich habe mir jetzt eine größere Tranche Novo Nordisk-Aktien ins Depot gelegt, weil es in meinen Augen nach wie vor ein Burggraben-Unternehmen ist und in letzter Zeit etwas arg abgestraft wurde. Natürlich ist hier wieder etwas Zockerei mit dabei. Damit kann nicht jeder umgehen und sollte sich des Risikos bewusst sein.

Wachstumswerte kann aber dabei helfen, einen ersten guten Überblick über dividendenstarke und wachstumsträchtige Werte zu geben ohne sich stundenlang durch Bücher oder Webseiten zu quälen. Deshalb empfehle ich aktiven Investoren und Dividendensammlern dort mal reinzuschauen.


Übrigens:
Auch das Depot von meinem Podcast-Gast Alexander von Rente mit Dividende wird dort abgebildet.  Schau doch dort mal rein.

Zum ausführlichen Interview mit Torsten Tiedt über den Aktienfinder geht es hier.

4. Mieten oder kaufen?

Ein absolut verstecktes Kleinod ist das Spreadsheet unseres Hörers Georg, dem unsere “Finanzwesir rockt”-Podcasts so gut gefallen, dass er etwas zurückgeben wollte. Ihm kam in unserem Immobilien-Podcast der Vergleich zwischen Mieten und Kaufen zu kurz.
Kurzerhand hat er ein englischsprachiges Spreadsheet entwickelt, mit dem Du die Mietkosten den Kaufkosten gegenüberstellen kannst. Der Fokus ist hierbei der Zeitraum, bis die Immobilie vollfinanziert ist. Es funktioniert selbsterklärend und gibt Dir vielleicht eine hilfreiche Entscheidungshilfe für oder wider eine eigene Immobilie.

 

5. Die Levermann-Excel

Die Levermann-Strategie habe ich ja in Podcast und Blog schon sehr ausführlich behandelt. Seit längerem berichtet auch meine Blogger-Kollegin Petra Wolff über ihre Erfahrungen mit der Strategie. Um sich die Arbeit zu erleichtern, hat sie eine Excel-Tabelle gebaut, die sie ihren Lesern kostenlos zur Verfügung stellt. Leider läuft das Tool nur über Windows – und nicht einwandfrei auf Mac, Unix oder Open Office.

In der Excel werden ganz viele Unternehmen geführt, alle zentralen Kennzahlen aufgeführt und auch aktualisiert. So lässt sich schnell erkennen, welcher Wert nach den Levermann-Vorgaben kaufenswert wäre. Das erspart einem eine ganze Menge Arbeit, wenn man neu mit der Strategie anfängt. Außerdem sind Petras Erfahrungen mit der Strategie ebenfalls sehr interessant.

Wer also die Levermann-Strategie mal testen möchte, kann die Excel-Vorlage von Petra gut für einen Überblick nutzen.

Hier geht es zur Excel-Tabelle und der Erklärung.

Finanzsoftware und Tools

Ich hoffe, dass für Dich das eine oder andere Tool dabei war. Sobald ich weitere interessante Finanzsoftware finde, werde ich sie wieder vorstellen. Und falls Du noch ein paar Vorschläge hast, schreib Sie doch in die Kommentare.

Konten mit Zuper managen

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13 Antworten

  1. Danke für den interessanten Artikel, besonders die Website zur Rentenlücke ist interessant.

    Ich finde die Grundlage aller privaten Finanzen wie Wertpapiere, Sparquote, (netto) Vermögen, Rentenplanung, etc. ist eine Buchhaltung. Mach doch mal einen Artikel zu Buchhaltungstools, vielleicht eingeteilt in doppelte und einfache Buchhaltung (und bitte vergiss Excel/Google Spreadsheets nicht).

    Noch ein Themenvorschlag für den Podcast: Wie sollte Humankapital in der Asset Allocation berücksichtigt werden (100-Alter=Aktienquote, Target-Date Fonds)?

    Immer weiter so!

    1. Hallo Ia47,

      vielen Dank für den Kommentar. Buchhaltung ist immer ein spannendes Thema, aber ich nutze Portfolio Performance und ein Excel-Sheet zur Rentenplanung dafür. Wenn ich noch diverse andere Excel-Sheets verwende, wird mir das zu aufwändig. Aber ich schaue mal, ob ich noch spannende Tools finde.

      Zu den Themen Humankapital und Entsparen haben wir zwei Podcast-Folgen bei “Der Finanzwesir rockt” gemacht. Da ist schon so einiges enthalten.

      Viele Grüße
      Daniel

  2. Hey Daniel,

    wie immer ein gelungener Artikel! Gerade die Tools vom Deutsche Institut für Altersvorsorge sollte sich jeder mal anschauen. Bei vielen ist der Gedanke vorhanden etwas gegen ihre Rentenlücke tun zu wollen, allerdings warten einige viel zu lange oder wenden sich an die falschen Leute.

    Benutzt du denn Software die du bezahlt hast ?
    Ich selbst bin mit PP so zufrieden das ich bis auf die ein oder andere Excel-Tabelle nichts weiter benutze.

    Beste Grüße
    Danny

      1. Hallo!

        Würde mich auch sehr interessieren welche bezahlte Software du da genau benutzt?! -> Einnahmen/Ausgaben und Vermögensaufstellung sprich um alles auf einen Blick zu sehen! Mir fehlt so ein Tool, Excel- sheet der einfach alle Daten/Konten (Tagesgeld, Festgeld, Depots, Kredite, Budget, E&A) der verschiedenen Programme (PP, Haushaltsbuch, etc.) zusammenfässt!

        1. Hi Lukas,

          grundsätzlich nutze ich für fast alles Portfolio Performance. Nur für aktuelle Einnahmen/Ausgaben und Vermögensaufstellung aller Konten nutze ich MoneyMoney für den Mac. Das hatte ich auch bei der Finanzwesir rockt schon erwähnt. Das nutze ich seit einem Jahr und bin sehr zufrieden.

          Als Windows-Nutzer kann ich Dir Starmoney empfehlen (gibt es aber auch für den Mac). Da habe ich auch schon einen Artikel drüber geschrieben. Hier hast Du auch noch eine App, die Du ergänzend nutzen kannst. Und das Thema Sicherheit beim Online-Banking wird hier zusätzlich groß geschrieben. Kostenlos testen kannst Du es ebenfalls.

          Viele Grüße
          Daniel

  3. Hallo Daniel,

    danke für den Link zu Wachstumswerte. Die Seite kannte ich noch nicht. Den Fair-Value-Calculator finde ich nicht wirklich hilfreich, da er unbedarften Nutzern suggeriert, dass man mit 2 Werten den inneren Wert eines Unternehmens bestimmen kann. Dem ist aber meiner Meinung nach nicht so. Auf der Wachstumswerte-Seite hat Thorsten im Artikel ‘Von goldenen Zahlen und Bauernfängern’ was sehr lesenswertes dazu geschrieben…

  4. Das Rententool hat meine eigene Berechnung in etwa bestätigt. Dein Artikel kommt gerade zur rechten Zeit, da ich aktuell meinen Plan überarbeite.

    Was Torsten gebastelt hat, ist schon beachtlich, ich schau da gerne rein.

    1. Hallo Couponschneider,
      Manchmal reicht es nicht aus, einfach nur auf ein Bild zu schauen und mit der virtuellen Keule zuzuschlagen.

      Die Rentenlücke wird beim DIA-Tool aus der Differenz von Wunschrente (Schieber rechts oben) und gesetzlicher Rente bestimmt. Die Wunschrente wird zwar initial wie vom Finanzrocker erwähnt auf das Nettoeinkommen gelegt, kann aber beliebig verändert werden. Also vermutlich genau so, wie du dir das wünschst. Schließlich fallen ja einige Ausgaben weg, dafür können andere Kosten in der Rentenbezugsphase hinzukommen.

      Gruß
      Dummerchen

  5. hi daniel,

    der “mieten oder kaufen” funktioniert nicht mehr? oder mache ich was falsch?
    eröffnet sich aber man kann keine kopie erstellen bzw bearbeiten.

    danke!

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