Arbeiten in China: Zwischen Innovation und staatlicher Kontrolle – Interview mit Kevin Wörner

In dieser Podcastfolge spreche ich mit Kevin Wörner. Der 27-Jährige lebt seit dreieinhalb Jahren in China und arbeitet in Shanghai für einen Start-up-Accelerator. Wir sprechen über das Leben in China, chinesische Unternehmen und die Eingriffe der Regierung. Außerdem geht es um Kevins Start-up Chinese Alpha und wie es ausländischen Investoren den chinesischen Aktienmarkt näher bringt.

Artikelbild Kevin Wörner

Überblick Interview mit Kevin Wörner

In dieser Folge habe ich Kevin Wörner zu Gast. Der 27-Jährige lebt seit dreieinhalb Jahren in Shanghai und arbeitet dort bei der Firma XNode, einem Start-up Accelerator. Im Interview erzählt er von seiner frühen Begeisterung für China und wie es für ihn war, dort persönlich und beruflich Fuß zu fassen. Kevin erzählt außerdem mehr über seine Rolle bei XNode und die größten Unterschiede im (Berufs-)Alltag zu Deutschland.

Außerdem sprechen wir darüber, wie Kevin die Eingriffe der chinesischen Regierung in die Wirtschaft sieht und wie er zum Scoring Modell steht. Es geht um Kevins Start-up Chinese Alpha, das es sich zum Ziel gemacht hat, den chinesischen Aktienmarkt für ausländische Investoren transparenter zu machen und wie Corona ihrem Geschäftsmodell in die Karten gespielt hat. Zum Schluss geht es auch um Kevins persönliche und sehr risikofreudige Asset Allokation und seine Ziele für die Zukunft.

Shownotes

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Zusammenfassung des Interviews

Kevin Wörner bei einem Vortrag in Hainan des G20 Entrepreneurship Summit

Über Kevin Wörner

  • Kevin Wörner entdeckte schon als Kind seine Begeisterung für China und fasste schon früh den Entschluss, einmal in dem asiatischen Land zu arbeiten. Er studierte BWL in Mannheim und machte im Rahmen seines Studiums ein Auslandssemester an der Tongji Universität in Shanghai. Nach dem Studium arbeitete er kurzzeitig bei Rocket Internet und wechselte dann zur Unternehmensberatung Roland Berger.
  • Anfang 2019 zog Kevin dann nach Shanghai und arbeitet seitdem bei XNode, das Start-ups und großen Konzernen dabei unterstützt, im chinesischen Markt Fuß zu fassen. Der 27-Jährige hat außerdem das Start-up Chinese Alpha gegründet, das ausländischen Investoren den chinesischen Aktienmarkt näher bringen soll.

Wie kam es dazu, dass es Dich nach China verschlagen hat?

  • Das hat sehr früh angefangen. Mein bester Freund war Chinese und ich hatte schon ganz früh Interesse an der Kultur. Als ich 16 war und mir das erste Mal den Wirtschaftsteil der Zeitung angeschaut habe, habe ich gemerkt, dass China wirtschaftlich sehr interessant ist. Damals habe ich schon den Entschluss gefasst, dass ich dort mal arbeiten möchte. Das hat sich dann verdichtet, als ich fürs Auslandssemester nach Shanghai gegangen bin und dort für ein halbes Jahr studiert habe.
  • Als ich dann nach meiner Zeit bei Roland Berger in der Strategieberatung immer mehr im Bereich Venture Capital gemacht habe, kam dann eins zum anderen. Venture Capital an sich ist an sich ja schon eine sich sehr schnell bewegende Branche. Es geht immer um Technologien, die Cutting Edge sind. Ich dachte, wenn ich das dann auch noch in China machen kann, wo Technologien in manchen Vertikalen schon weiter sind als bei uns in Deutschland, dann wäre das ja umso spannender und dann bin da rüber gegangen. Insgesamt lebe ich seit dreieinhalb Jahren in Shanghai.

Wie lange hat es gedauert bis Du Dich in China zurecht gefunden hast?

  • Das hat schon ein bisschen gedauert. Ich habe vorher oft Urlaub in China gemacht und dort mein Netzwerk geknüpft seit 2012. Wie gesagt, ich war auch nochmal ein halbes Jahr fürs Studium da. Als ich dann 2019 angekommen bin, da hatte ich schon ein existierendes Netzwerk und wusste ungefähr, wie es dort läuft. Aber natürlich ist China eine ganz andere Kultur. Vieles ist bürokratischer als man denkt, da nehmen wir uns nicht viel. Es dauert aber ein paar Monate, bis du fest im Sattel sitzt.

Wie hast du die Corona-Pandemie in China erlebt?

  • Die ganz ehrliche Antwort ist: Es gab schon einen sehr harten Lockdown im Januar und Februar, aber ab März ging es steil bergauf. Ich erinnere mich, dass im März noch Fitnessstudios und Bars geschlossen waren und ab Mai oder Juni war das Leben tatsächlich wieder normal. Bis auf die Einschränkung, dass man nicht einfach aus dem Land rein und raus kam. Aber wir hatten Massenveranstaltungen, Treffen, Parties, Sport usw. Da war ich dann doch relativ dankbar, wie es in China lief.
  • Impfen hat in China einen relativ hohen Stellenwert. Ich hatte auch schon einen sehr frühen Impftermin mit einem der chinesischen Impfstoffe. Ich habe schon erlebt, dass in den drei größten Städten die Impfquoten relativ hoch sind. Ich würde aber mal die These aufstellen, dass in den ländlichen Regionen wesentlich weniger geimpft sind.

Vorher warst Du in Deutschland in der Unternehmensberatung tätig. Warum hattest Du keine Lust auf Karriere in dem Bereich?

  • Ich fand die Strategieberatung immer einen sehr schönen ersten Schritt. Das ist ein angenehmer Einstieg ins Berufsleben, weil du relativ breit über verschiedene Industrien und Funktionen einen Überblick bekommst.
  • Es ist aber natürlich auch sehr vorhersehbar. Ich war immer jemand, der von Gründungen, Investitionen und verschiedenen Ländern geträumt hat. Und in der Beratung ist der Karriereweg sehr vorgegeben. Das war für mich dann relativ wenig spannend und ich wollte nochmal etwas anderes versuchen.

Wie bist Du bei der Jobsuche vorgegangen?

  • Ich hatte tatsächlich sehr wenig, als ich rüber gegangen bin. Ich hatte mit einigen Leuten geschrieben und hatte einen Kontakt, der mir signalisiert hatte, dass evtl. eine Job Opportunity bestehen könnte. Aber da war nichts sicher. Ich bin mit einem Dreimonats-Visum rüber gegangen mit dem Plan, dass wenn ich es nicht schaffe, einen Job zu finden, ich danach nach Hongkong gehe.
  • Dann habe ich mich mit allen Leuten getroffen, die ich kannte und habe ganz offen gesagt, ich will in die und die Richtung, ich möchte etwas im Venture Capital machen und mit Start-ups machen und so bin ich dann bei Xnode gelandet. Der CEO von XNode ist selbst Roland Berger-Alumni und das hat mir natürlich auch geholfen.

Du arbeitest seit 2019 für einen Start-up Accelerator namens XNode. Wie kann ich mir diese Arbeit vorstellen und was macht XNode konkret?

  • XNode hat zwei Tätigkeitsfelder: Die Arbeit mit Start-ups und die Arbeit mit großen Corporates. Die Arbeit mit Start-ups dreht sich darum, junge Unternehmen aus dem Ausland nach China zu bringen. Das können europäische, US-amerikanische oder Unternehmen aus Singapur sein. Wenn sie ankommen, bieten wir ihnen über mehrere Monate ein strukturiertes Programm, schauen wie sie sich entwickeln und ob sie Traktionen im Markt bekommen und entscheiden dann, ob wir mit ihnen auch längerfristig auf Equity-Basis oder anderweitig zusammenarbeiten wollen. Hier geht es darum, schnell wachsende Start-ups zu identifizieren und dann von der Upside zu profitieren.
  • Das andere Modell ist, dass wir mit großen Multinational Corporates wie BMW, AstraZeneca oder Merck zusammenarbeiten. Wir erklären ihnen, wie sie Innovation in China voranzutreiben haben. Ob sie z. B. einen Venture Capital-Arm in China brauchen, was gerade angesagte Start-ups in ihrer Branche sind. Wir rechnen da Gebühren ab, wie bei jeder anderen Beratung auch.
  • Ich habe diesen ersten Bereich aufgebaut. Der Wunsch des CEO war, mehr mit Start-ups zu machen. Das waren dann am Ende sieben Mitarbeiter und jedes Jahr um die 60, 70, 80 Start-ups, mit denen wir zusammengearbeitet haben. Jetzt, da natürlich keine Start-ups ins Land reinkommen, ist es schon stark gehemmt. Wir machen jetzt immer noch Online-Programme und die Start-ups haben das Recht, sobald die Grenzen auf sind, ins Land zu kommen und sich mit uns zu treffen. Aber ich würde jetzt lügen, wenn ich sagen würde, dass das auf höchstem Niveau funktioniert.
  • Deswegen habe ich jetzt eine Rolle, die beide Departments einschließt. Da habe ich Revenue-Verantwortung und sorge dafür, dass wir auf beiden Seiten mit Kunden zusammenarbeiten und da unsere Programme abliefern.

Wo liegen im Alltag die konkreten Unterschiede zwischen China und Deutschland?

  • Der chinesische Arbeitstag ist im Schnitt ein kleines bisschen länger. Da wird viel auch hochgespielt. Also dieses 9-9-6, also dass man von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends an 6 Tagen die Woche arbeitet, das gibt es irgendwo, aber es ist nicht so, dass das in jedem Tech-Unternehmen Chinas so ist. Aber das sind schon 1, 2 Stunden mehr am Tag in China.
  • Ich fand es auch lustig, dass die Kollegen auch mal einen Mittagsschlaf halten. Das ist ganz akzeptiert, dass da mal der Kopf auf den Schreibtisch gelegt und ein halbes Stündchen geschlafen wird.
  • Fernab von Arbeitszeiten ist die Kultur eine ganz andere. Die ist viel indirekter. In Deutschland würde man bei einem ersten Treffen mit einem potenziellen Geschäftspartner direkt sagen, wenn es kein Kooperationspotenzial gibt. In China würde man das nie so direkt sagen. Dann gibt es noch zwei, drei, vier Folgetreffen und dann merkt man irgendwie, dass kein Interesse von der Gegenseite besteht.
  • Man muss sehr viel vorsichtiger sein, was man sagt. Ich führe viele Feedback-Gespräche in meinem Team und da darf ich dann auch nicht so direkt sein. Da hat teilweise die Company auch einen anderen Stellenwert. Teilweise sind Unternehmen wie eine kleine Familie, zumindest im Start-up-Umfeld, da muss man die Sachen manchmal etwas sanfter formulieren. Das ist als Deutscher schon auch eine Umstellung. Manchmal nutze ich das als meinen Vorteil und kann Fragen stellen, die Chinesen niemals fragen würden, wie z. B. nach dem Budget.

Wo liegen denn die Unterschiede im Alltag zwischen China und Deutschland?

  • Der ist ganz anders. In China geht alles ein bisschen schneller. Die Antworten von Geschäftspartnern kommen schneller. E-Mail wird dort sowieso nicht mehr genutzt, auch die Geschäftskommunikation läuft über WeChat Work, das ist wie als würde es ein WhatsApp Work geben mit erhöhten Sicherheitsstandards.
  • Die öffentliche Infrastruktur ist ganz anders. In Shanghai – was immerhin so groß wie Österreich ist – hast du in einem Takt von 2, 3 Minuten Verbindungen, wo du wirklich überall hin kommst zu relativ geringen Kosten mit WLAN an Bord, das funktioniert und volle 5G-Abdeckung über die gesamte Trasse.
  • Der dritte Punkt ist maximale Convenience. Wenn ich in Shanghai nachts um drei sage, ich hätte gerne eine geschnittene Melone, dann ist die in 20 Minuten vor der Tür. Ich hatte den Fall, dass mein Laptop-Ladegerät einen Tag vor Abflug nach Deutschland durchgeschmort ist. Das habe ich mir über eine App bestellt und nach 20 Minuten war der Kurier mit dem Ladegerät bei mir. Mein Schlüssel für die Wohnung ist digital, ich zahle alles mit dem Handy usw.
  • Aber natürlich gibt es auch Sachen, die mir in Deutschland gefallen. Das Internet ist zwar langsamer, aber ich habe freies Internet. Ich kann auf Instagram, Facebook und kann mir sämtliche politische Blogs anschauen.
  • Das zweite ist, dass man in China immer einen hohen Durchlauf an Bekannten hat. Es gibt in der Expat-Blase ganz wenige, die 10 oder 20 Jahre bleiben. Die meisten Expats ziehen nach ein paar Monaten wieder weg.
  • Außerdem ist es schön, dass wir in Deutschland so viel Natur haben. Ich war nie so ein Naturbursche, aber selbst ich fange es an zu vermissen, wenn man eineinhalb Jahre im Betondschungel verbringt.

Wie nimmst Du das chinesische Scoring-System wahr?

  • Grundsätzlich gibt es da zwei Richtungen. Das eine ist das Scoring-System für Individuen und eins für Firmen. Und das System für Individuen ist sehr viel weniger fortgeschritten als das für Firmen.
  • Für Firmen ist es so, dass man z. B. während der Pandemie Anreize für Firmen gesetzt hat, sich Covid-konform zu verhalten. Das hat dann extra Punkte gegeben. Ein großes Ziel der kommunistischen Partei ist es, den SME (Small and Midsized Enterprise)-Sektor zu stärken. So werden SMEs zum Beispiel bei der Kreditvergabe begünstigt, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen.
  • Aber auf Individuums-Seite ist das ganze noch nicht zentralisiert genug. Es gibt in der einen oder anderen Stadt Pilotprojekte, aber die wurden noch nicht zusammengeführt. Ich glaube es wird sich in den nächsten Jahren noch herausstellen, ob das überhaupt praktikabel ist oder ob das am Ende doch alles halb so schlimm ist.

In diesem Jahr gibt es verstärkt Eingriffe der chinesischen Regierung in die Wirtschaft. Egal ob Alibaba, Didi, Tencent oder die Bildungsbranche, alle leiden stark darunter. Wie wird das in China wahrgenommen?

  • Es gibt da auch wieder zwei Seiten. Auf der einen Seite können viele meiner chinesischen Kollegen vielen Maßnahmen positives abgewinnen. Die Tech-Branche bspw. wird schon sehr stark unterstützt. Auch dass Rechte von „Gig-Workern“ gestärkt werden sollen, dass Händler z.B. bei AliBaba weniger Druck bekommen sollen.
  • Auf der anderen Seite beobachte ich vor allem bei jungen chinesischen Gründern, dass das ein bisschen zu Unmut führt. Man sieht, dass diese Vorbilder, die riesige Unternehmen gebaut haben und Wert für die Bevölkerung geschaffen haben, von einen Tag auf den anderen in ihrer Macht eingeschränkt werden können.

Wie schätzt Du persönlich die wirtschaftliche Entwicklung von China in den kommenden zehn Jahren ein?

  • Ich glaube grundsätzlich bleibt sich China bei diesem autoritären Kapitalismus treu. Ich glaube, die kommunistische Partei ist relativ clever, in dem, was sie macht. Nicht umsonst haben sie in den letzten Jahrzehnten hunderte von Millionen Leuten von der Unterschicht in die Mittelschicht gezogen. Die haben schon auch gemerkt, dass dieser Kapitalismus in vielen Bereichen der richtige Weg ist.
  • Grundsätzlich bin ich positiv gestimmt, was auch die Märkte anbelangt. Irgendwie wird China relevant bleiben. Die werden sicherlich ein Problem mit ihrem Bevölkerungsrückgang bekommen, weil das ja viele Folgen nach sich zieht. Manch einer stellt die These auf, dass der Staat da alles komplett kontrollieren wird und Marktwirtschaft dann nicht mehr funktioniert und sie sich von den Finanzmärkten abschotten – das glaube ich nicht. Da wird es weiterhin ab und zu regulatorische Eingriffe geben, aber dann erholt sich das auch wieder und es gibt weiterhin in vielen Institutionen Opportunities, um von diesem Wachstum zu profitieren.

Du hast gemeinsam mit Deinem Co-Gründer Lasse Rathke ein Start-up namens Chinese Alpha gegründet. Was steckt dahinter?

  • Chinese Alpha ist eine Plattform, die wir gegründet haben, um dem Durchschnitts-Privatinvestor im Ausland ein bisschen mehr Einblicke in den chinesischen Markt zu bieten. Uns ist selbst aufgefallen, dass da noch nicht viel da ist, wenn man nach Small- und Mid-Cap Aktien in China sucht. Deswegen haben wir angefangen solche Aktienanalysen zu publizieren. Die beinhalten immer qualitative und quantitative Analysen, wo wir uns immer das Business Model anschauen und schauen, wie sie aufgestellt ist. Außerdem schätzen wir ein, ob die Aktie über- oder unterbewertet ist.

Wie wollt Ihr damit Geld verdienen? Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell dahinter?

  • Das ist ein ganz simples Modell. Der Großteil der Analysen ist kostenlos einsehbar, aber einige sind Premium-Beiträge und um die lesen zu können, muss man Beiträge zahlen und bekommt noch einige Benefits wie die Analysen im Hörformat und weitere Infos in einer Telegram-Gruppe.

Ich muss gestehen, dass der chinesische Markt für mich einfach zu unkalkulierbar geworden ist. Ist Euer Geschäftsmodell durch die Restriktionen nicht kaputt gegangen?

  • Im Gegenteil. Je mehr Restriktionen es in einem Markt gibt, der von den Fundamentals her eigentlich ganz interessant ist und weiterhin stark wächst, desto mehr brauchst du Spieler wie uns, die versuchen, diese Mauer einzuschlagen. Das Interesse am chinesischen Markt ist durchaus noch da, aber die Verunsicherung ist eben groß.
  • Wir gehen da natürlich auch auf solche Aspekte ein und geben unsere Meinung dazu ab und ob wir denken, ob es ein Bereich ist, der in Zukunft stark reguliert wird oder nicht.

Als Ausländer kann ich in China nicht Teilhaber von Stammaktien werden. Wie ist es denn mit Expats in China? Müsst Ihr auch auf VIE-Strukturen, H-Aktien oder gar amerikanische ADR zurückgreifen?

  • Es gibt ein Programm für Qualified Foreign Investors, in das man sich eintragen kann. Wenn man einige Voraussetzungen wie einen festen Wohnsitz dort und einen gewissen Job erfüllt, kann man tatsächlich A-Shares erwerben. Ich persönlich habe das nie für nötig empfunden. Die meisten Aktien, die ich interessant finde, sind in H-Shares oder über die Nasdaq handelbar.

Was sind denn generell spannende Trends in China, die wir in Europa gar nicht so mitbekommen?

  • Das Thema Design wird immer wichtiger. China erhebt den Anspruch, ganz oben mitzuspielen und sich als Weltmacht zu etablieren. Das geht aber nur, wenn man auch Design sehr gut kann. In China ist das Thema noch extrem verkümmert. Als XNode arbeiten wir auch daran, dass die Parsons School of Fashion and Design aus den USA in den chinesischen Markt dringt.
  • Das ganze Thema Nachhaltigkeit wird glaube ich auch noch unterschätzt. Ich habe neulich mit einem Kollegen von KKR, dem Private Equity Fund, gesprochen und der hat mir erzählt, dass im Kontext mit China in jedem Meeting, was die haben, das Thema Nachhaltigkeit auf dem Tisch ist.

Seit wann beschäftigst Du Dich persönlich mit dem Thema Geldanlage?

  • Seitdem ich 21 bin und dann auch ganz klassisch mit ETFs. Irgendwann später habe ich mal euren Podcast entdeckt und habe dann glücklicherweise festgestellt, dass ich die richtige Strategie gefahren bin. Jetzt sieht meine Asset Allokation anders aus.

Wie sieht Deine persönliche Asset Allokation denn jetzt aus?

  • Die ETFs nehmen ca. 30 Prozent ein. Ich habe weitere 20 Prozent in Angel Investments – da schreibe ich privat Tickets für junges Start-ups, die Wagniskapital brauchen. Fünf Prozent sind High Beta Stocks, also viele chinesische Werte, wo man sagen muss, das ist ein hohes Risiko. 15 Prozent sind Cash. Und dann der Rest – und das schwankt extrem stark – ist Krypto. Da bin ich auch sehr risikofreudig.
  • Das ist eine absolut riskante Asset Allokation. Ich habe bestimmt 50 Prozent Krypto und Angel Investments allokiert. Ich bin aber auch noch zu jung. Ich habe noch nicht das Gefühl, dass ich damit zu viel Risiko fahre.

Welche Zukunftsziele hast Du?

  • Ich möchte auf jeden Fall langfristig mit China Geschäfte machen und das Netzwerk, was ich mir aufgebaut habe, langfristig nutzen. Ich weiß nicht, ob ich für immer in China leben werde. Langfristig glaube ich schon, dass es mir in Europa gut gefällt. Ich mag die kulturelle Vielfalt und natürlich auch die Demokratie. Aber ich werde immer ein Ansprechpartner sein für Leute, die in China etwas bauen wollen, die mit China Business machen möchten.
  • Ich würde gerne in Zukunft noch mehr in Start-ups investieren und in dem Venture Capital Environment aktive bleiben. Mittelfristig will ich auch noch ein paar Gründungen vorantreiben, die auch Mooshot-Potenzial haben, wie wir es im Venture Capital nennen.

Wordshuffle:

Shanghai: Extrem schnell, extrem aufregend und eine Hass-Liebe. Für mich ist Shanghai perfekt, ich fühle mich da sehr wohl, aber ich könnte mir nicht vorstellen, da alt zu werden.

Heimat: Polen. Ich bin halber Pole und obwohl ich Deutschland extrem mag, habe ich Polen als Heimat in meinem Herzen.

Entrepreneurship: The right way to go. Ich glaube mehr Leute sollten gründen und einfach mal dieses Risiko eingehen.

Networking: Je früher, desto besser.

Rockmusik: Ich mag Rockmusik sehr gerne. Ich hatte auch mal eine Zeit, da habe ich mir die Haare geglättet und ganz enge Hosen getragen. Sonst höre ich auch ganz Querbeet.

Kontaktloses Bezahlen: Eine sehr schöne Innovation. Ich versuche da Teil des Changes in Deutschland zu sein, aber ich werde in 30-40 Prozent der Fälle abgewiesen. In China zahlt man überhaupt nicht mehr mit Bargeld, da wirst du auch ganz komisch angeschaut.

Glück: Balance. Die ändert sich nach Alter. Für mich ist Balance gerade, 80 Stunden die Woche zu arbeiten und meinen Träumen nachzujagen. Ich denke, dass sich das in einigen Jahren ändern wird.

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