Mein Finanz Set-up Teil 2: Tagesgeld und Festgeld (Update)

Das Tagesgeldkonto ist das Rückgrat deines Vermögens. Es stellt im Gegensatz zum Girokonto das Fundament deines Anlagehauses dar. Für mich ist es seit jeher der risikoarme Sparanker, der auch bei Stürmen an seinem Platz bleibt. Daher ist es an der Zeit, mal einen Blick auf mein Set-up zu werfen. Leider hat sich mein Set-up aufgrund der Zinsmisere in den vergangenen Monaten komplett geändert. In diesem frisch überarbeiteten Artikel zeige ich dir, was ich alles geändert habe.

Überblick Tagesgeld und Festgeld

Die niedrigen Zinsen in Europa stellen die Sparer auf eine harte Probe. Dank der Corona-Krise wird es in den nächsten Jahren nicht besser werden, denn die Zinsen werden noch einige Jahre lang so niedrig bleiben. Viel wichtiger ist, dass die Wirtschaft in den europäischen Ländern wieder langfristig angekurbelt wird.

Für Sparer bedeutet das: über niedrige Zinsen heulen, das Geld unter das Kopfkissen packen oder sinnvolle Alternativen finden. Dabei sollte aber nicht das Fundament des Geldanlage-Hauses rausgerissen werden. Noch gibt es bei einigen Tagesgeldanbietern wenigstens ein kleines bißchen Rendite. Außerdem sind auch die Verbraucherpreise, also die Inflationsrate, auf dem Nullpunkt angekommen. Im September 2020 lag die Inflationsrate mit -0,2 % sogar auf dem niedrigsten Stand seit 2015.

Hier kannst Du Dir mal anschauen, wie sich die Preise von Öl, Zigaretten oder Elektroartikel seit 2010 verändert haben. Aber zurück zum Thema, denn hier soll es nur am Rande um Inflation gehen. Widmen wir uns mal wieder den Zinsen.

moneyou schließt die Pforten

Gerade wenn die Zinsen auf dem Nullpunkt angekommen sind, ist es wichtig ein vernünftiges, vertrauenswürdiges Tagesgeldkonto zu haben, das wenigstens noch etwas abwirft. So etwas gibt es aber in Kerneuropa bei großen Banken nicht mehr – zumindest mit nennenswerten Zinsen. Mein Tagesgeldanbieter moneyou hat im Sommer 2020 bekannt gegeben, dass die Pforten ab Mitte 2021 für immer geschlossen werden. Die große niederländische Bank ABN AMRO schließt aber nicht nur das Tages- und Festgeldangebot seiner Tochter, sondern auch das moderne Girokonto Moneyou Go und das Fondsangebot. Die gesamte Online-Marke wird verschwinden.

Gut, mit einem Fondsangebot gewinnt man als Bank heutzutage keinen Blumentopf mehr, aber gerade das Tagesgeld mit bis zu 5 Unterkonten war für mich einfach großartig zum Zielsparen. Bei 0 % Zinsen ist das jedoch für Anbieter nicht mehr langfristig finanzierbar.

Was mit dem Tagesgeld tun?

Es wird nicht die letzte Bank sein, die ihre Angebote rigoros einstampft. Im Gegenteil: Nach und nach werden gerade die Zinsangebote immer weniger und für mich als Anleger heißt das, ich muss mein Risiko erhöhen, um für das Geld überhaupt noch minimale Zinsen zu bekommen. Oder ständig für 0,01 %-Zinsen umziehen, was einfach Zeitverschwendung ist.

Auch die Postbank kappte das Goldsparen, so dass ich mein Geld da ebenfalls abziehen musste. Hier gab es immerhin noch einen attraktiven Goldbonus, was im Corona-Jahr mit dem steigenden Goldpreis mit Sicherheit attraktiv gewesen wäre. Außerdem konnte ich mit der Karte mehrfach im Ausland kostenlos Geld abheben. Aber auch das ist jetzt alles hinfällig.

Nun musste ich erstmal überlegen, was ich mit meinen Rücklagen mache. Immerhin hatte ich 4 Konten bei Moneyou: Eins für die allgemeine Rücklage, ein Sparkonto für größere Reisen, ein Konto für die Einnahmen von Ebay und das dringend notwendige Steuerrücklagekonto für die Selbstständigkeit. In dieser Form fällt es weg, so dass ich es nicht mehr groß trennen kann.

Wie ich vorgegangen bin, um das Rückgrat meines Vermögens trotzdem über Tages- und Festgeld abzusichern, beschreibe ich jetzt, damit du dir auch ein Bild machen kannst. Schließlich ist die Tagesgeldfrage die häufigste, die ich in den vergangenen Monaten erhalten habe.

1. Einfaches Rücklagenkonto bei comdirect

Für eine Übergangsphase habe ich jetzt bei meiner Hauptbank, der comdirect*, ein kostenloses Tagesgeldkonto mit 0 % Zinsen eröffnet. Das geht tatsächlich nur noch für Bestandskunden. Neukunden können hier schon gar kein reines Tagesgeldkonto mehr eröffnen, sondern nur in Verbindung mit einem Girokonto. Aus meiner Sicht ist das Girokonto momentan das beste auf dem Markt.

Leider ist auch das keine Dauerlösung, weil die comdirect ja ebenfalls nahezu komplett in der Commerzbank aufgehen wird. Nur im Brokerage soll die Marke erhalten bleiben. Wann die Umstellung kommt, weiß aber noch keiner. Das kann noch 1-2 Jahre dauern. Bis dahin heißt es erstmal wieder die Füße still zu halten. Momentan hat die Commerzbank viele andere Probleme, die sie angehen muss. Wenn es soweit ist, muss ich mir aber nochmal Gedanken darüber machen.

Das gleiche Problem mit dem reinen Tagesgeldkonto gibt es übrigens auch beim Tagesgeldpionier ING*, das es ausschließlich für Bestandskunden anbietet. Hier gibt es aber immerhin 0,001 % Zinsen, aber das ist nicht mal ein winziger Tropfen auf den lauwarmen Stein.

Aber der zentrale Punkt dieses unverzinsten Tagesgeldkontos ist einfach die eiserne Rücklage. Geht etwas kaputt wie beispielsweise die Waschmaschine oder das Auto, kann ich sofort auf das Geld zugreifen. Ohne Aktien oder ETFs zu verkaufen, einen Kredit aufzunehmen oder das Festgeld unverzinst zu kündigen. Das Girokonto gehört dazu noch zu den besten auf dem Markt.