Finanzielle Freiheit mit 49: Vincent von Freaky Finance hat seinen Job gekündigt

Vor gut acht Jahren war Vincent von Freaky Finance schon einmal bei mir im Finanzrocker-Podcast. Damals war finanzielle Freiheit für ihn noch ein Ziel. Inzwischen ist er 49 und hat es wirklich durchgezogen: Nach 33 Jahren beim selben Arbeitgeber ist er seit dem 1. September 2026 kein Angestellter mehr.

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Überblick Interview

Gehasst hat Vincent seinen Job nicht, und eine Kurzschlussreaktion war es auch nicht. Irgendwann war das Vermögen einfach groß genug, und die eigene Zeit wurde ihm wichtiger als ein weiteres Gehalt. Oder wie Vincent es sagt:

„Okay, das sollte reichen. Auch ohne den Job kommst du über die Runden und, ja, ich mach das jetzt einfach.“

In unserem neuen Gespräch wollte ich wissen, wie es sich anfühlt, wenn finanzielle Freiheit plötzlich Alltag ist. Was passiert mit dem Vermögen, wenn kein Gehalt mehr kommt? Und warum beschäftigt sich jemand, der nicht mehr arbeiten muss, trotzdem jeden Monat mit Aktien, Immobilien und Optionen?

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Der Plan stand schon vor FIRE

Als Vincent Willkomm seinen Plan fasste, hatte er von der FIRE-Bewegung noch nie etwas gehört. Die Idee war simpel: in jungen Jahren viel arbeiten, gut verdienen, nicht alles ausgeben und den Rest investieren.

Einen finanzstarken familiären Hintergrund hatte er dabei nicht, das meiste hat er sich selbst beigebracht. Seine erste Immobilie kaufte er mit 19, an der Börse ist er seit über 30 Jahren aktiv.

Glatt lief das nicht immer. Vincent erzählt offen von geschlossenen Beteiligungen, von Börsencrashs und von Investments, bei denen er kräftig danebenlag. Aufgehört hat er deswegen nicht:

„Man lernt dann ja auch dazu in seinem Anlagegeschehen.“

Dieses Ausprobieren zieht sich durch seine ganze Geschichte. Manches klappt, manches nicht, aber die Erfahrung macht er selbst. Aus dieser Haltung ist später auch Freaky Finance entstanden.

Die erste Million mit 40 – und trotzdem weiterarbeiten

Mit 40 hatte Vincent die erste Million zusammen. Trotzdem arbeitete er weiter. Aber ob eine Million für den Rest des Lebens reicht, hängt davon ab, wie man lebt, wie sich die Märkte entwickeln und welche Ausgaben noch kommen.

Dazu kam, dass sein Konzernjob gut bezahlt und alles andere als eine Qual war. Vincent arbeitete seit Jahren in Teilzeit, nahm immer wieder unbezahlte Auszeiten, konnte teilweise im Homeoffice arbeiten und hatte gute Kollegen und Vorgesetzte. Innerhalb des Konzerns konnte er außerdem regelmäßig neue Aufgaben übernehmen.

Nach acht Jahren in derselben Abteilung wurde es ihm dann aber doch langweilig. Das Vermögen war weiter gewachsen, er hatte Ideen für ein Leben außerhalb des Büros, und seine Zeit bekam einen anderen Stellenwert. Die Entscheidung ist über Jahre gereift.

Nach 33 Jahren ist Schluss

Mitte August 2026 hatte Vincent sein 33. Dienstjubiläum, kurz darauf war er raus. Seinem Arbeitgeber hatte er früh Bescheid gegeben, damit der sich darauf einstellen konnte. Ein spontaner Befreiungsschlag war das nicht, Vincent hat lange überlegt, wann der richtige Zeitpunkt ist.

Am letzten Arbeitstag fuhr er noch einmal ins Büro, gab Laptop und Unterlagen ab und verabschiedete sich von den Kollegen. Als wir gesprochen haben, war das erst ein paar Wochen her, und so richtig angekommen ist es bei ihm noch nicht:

„Fühlt sich cool an. Muss man gucken, was draus wird.“

Mir hat gefallen, dass Vincent da nichts beschönigt. Er erzählt keine große Erlösungsgeschichte und behauptet auch nicht, dass ab jetzt alles perfekt ist. Dafür ist das alles noch zu frisch.

Heute reist Vincent liebend gern durch die Welt.

Was finanzielle Freiheit für Vincent heute bedeutet

Vor acht Jahren hätten wir finanzielle Freiheit vermutlich noch stärker an einer bestimmten Summe festgemacht. Heute teilt Vincent den Begriff in zwei Hälften: Finanzen und Freiheit.

Die finanzielle Seite heißt für ihn, dass sein Vermögen seinen Lebensstil dauerhaft trägt. Spannender finde ich die zweite Hälfte. Vincent kann Nein sagen, sich Auszeiten nehmen und muss seinen Urlaub mit niemandem mehr abstimmen. Wenn er an einem Dienstagvormittag Freunde besuchen will, macht er das einfach.

Nach dem letzten Arbeitstag ist er erst mal mehrere Wochen durch Deutschland getourt und hat Familie und Freunde besucht.

„Ich hätte auch noch drei Tage länger bleiben können oder eine Woche, und es hätte keinen interessiert.“

Darin liegt für ihn der eigentliche Wert seines Vermögens: in freier Zeit, nicht in einem größeren Auto oder einer teuren Uhr.

Rund 13.000 Euro Cashflow im Monat

Vincent lebt nicht davon, regelmäßig Anteile zu verkaufen. Sein Geld kommt aus Dividenden, Mieten, Zinsen und Optionsprämien, dazu aus ein paar kleineren Quellen. Im laufenden Jahr sind das im Schnitt rund 13.000 Euro im Monat. Das ist wohlgemerkt nur der Kapital-Cashflow aus seinem Vermögen, nicht sein gesamtes Einkommen. In guten Monaten kommen allein aus Dividenden über 3.000 Euro zusammen.

Einen Teil davon gibt er aus, den Rest investiert er wieder. So soll das Vermögen nicht schrumpfen, nur weil kein Gehalt mehr reinkommt.

„Das fasziniert mich an Cashflow, dass das Vermögen wachsen kann und ich trotzdem davon leben kann.“

Immobilien: gute Rendite, viel Arbeit

Vincent hat über die Jahre mehrere Immobilien gekauft, und die haben beim Vermögensaufbau eine große Rolle gespielt. Heute sieht er das differenzierter. Einige Wohnungen hat er verkauft und Teile der Gewinne unter anderem in REITs und Immobilienaktien umgeschichtet.

Dabei ging es ihm weniger um die Rendite als um den Aufwand. Eine vermietete Wohnung kann sich lohnen, aber irgendjemand muss sich kümmern: Mieter melden sich, Eigentümerversammlungen stehen an, dazu kommen Reparaturen, Leerstand und Probleme, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Vincent hat das alles selbst erlebt und verwaltet seine Immobilieninvestments inzwischen lieber vom Schreibtisch aus.

„Mich ruft keiner an, ob ich zur Eigentümerversammlung komm oder ob ich mich um diesen berühmten tropfenden Wasserhahn kümmern möchte.“

Beim Vergleich von Geldanlagen wird das gern unterschätzt. Neben der Rendite gehört auch die Zeit, die ein Investment frisst, in die Rechnung.

Sein Vermögen ist fast ein eigenes Unternehmen

Wer Vincent kennt, weiß, dass er es sich nicht leicht macht. Er hat mehrere Depots für verschiedene Projekte, dazu Aktien, ETFs, Immobilien, REITs, Optionen, P2P-Kredite und einiges mehr. Vieles davon hängt mit Freaky Finance zusammen: Er testet selbst, dokumentiert die Ergebnisse und macht daraus Content.

Das kostet Zeit. Einmal im Monat geht er alle Konten und Depots durch und prüft Vermögensstände, Mieteingänge und andere Entwicklungen. Dafür geht schon mal ein kompletter Tag drauf.

„Ich tracke mich irgendwann noch zu Tode.“

Die nächste Baustelle: das Vermögen vereinfachen

Mit der Kündigung ist das Thema finanzielle Freiheit für Vincent also nicht abgehakt. Er denkt inzwischen darüber nach, wie sein Vermögen aussehen sollte, wenn er es irgendwann nicht mehr selbst verwalten kann.

Seine Tochter hat zwar Vollmachten für die wichtigen Konten. Bei den vielen kleinen Investments wüsste sie aber kaum, wo was liegt, und bei einem Vermögen, das über so viele Anlageklassen verteilt ist, wird das schnell zum echten Problem. Vincent sagt deshalb offen, dass er langfristig aufräumen muss. Manche Positionen spielen fürs Gesamtvermögen kaum eine Rolle und können irgendwann weg.

Nach Jahrzehnten, in denen immer neue Bausteine dazukamen, geht es jetzt also ans Ausmisten.

Warum ihn Dividenden noch immer reizen

Dividendenaktien spielen für ihn aber weiterhin eine wichtige Rolle. Dass Dividenden nicht automatisch die beste Strategie sind, weiß Vincent selbst, die Diskussion kennt er zur Genüge. Ihm geht es um den Cashflow. Eine gute Dividendenaktie, die regelmäßig ausschüttet und ihre Dividende über die Jahre steigert, bringt ein Einkommen, das kaum laufende Arbeit macht.

Früher hatte er auch viele Wachstumsaktien im Depot. Als er seine Arbeitszeit reduziert hat, hat sich sein Fokus Schritt für Schritt Richtung Cashflow verschoben. Heute ist dieser Cashflow ein wichtiger Grund dafür, dass er nicht mehr arbeiten muss.

In seiner Online-Dividenden-Offensive will er deshalb nicht nur erklären, was Dividenden spannend macht, sondern auch über Nachteile und Alternativen sprechen.

Gesundheit schlägt die letzten Prozent Rendite

Am meisten hängen geblieben ist mir aus dem Gespräch, wie sich Vincents Prioritäten verschieben. Jahrzehntelang hat er viel Energie in seinen Vermögensaufbau gesteckt. Jetzt will er mehr schlafen, sich mehr bewegen und Zeit zum Reisen und für Freunde und Familie haben. Die letzten ein, zwei Prozent Rendite sind ihm inzwischen weniger wichtig als seine Gesundheit.

Beim Vermögensaufbau schaut man schnell auf jedes Zehntel Rendite. Ist das Vermögen irgendwann groß genug, wird die eigene Zeit zur wertvollsten Anlage.

Mehr Zeit für Reisen und Freunde gehört für Vincent heute zur finanziellen Freiheit.

Luxus sieht bei Vincent anders aus

Zum Schluss haben wir über Luxus gesprochen. Mit Bentley oder Rolex kann Vincent wenig anfangen. Luxus ist für ihn, sieben Stunden schlafen zu können, zu reisen, gute Freunde zu haben und Zeit mit den Menschen zu verbringen, die ihm wichtig sind. Vor allem aber, nicht ständig überlegen zu müssen, wann der nächste Urlaub drin ist.
„Das ist Freiheit, das ist Luxus und schöne Erlebnisse.“

Vor acht Jahren hat Vincent mir erzählt, wie er finanzielle Freiheit erreichen will. Diesmal konnte er erzählen, wie sie sich anfühlt. Und das klingt erstaunlich unspektakulär: ein Dienstagvormittag, an dem niemand wissen will, wo er gerade steckt, ein spontaner Besuch bei Freunden, eine Reise nach Georgien, vier Wochen Vietnam und mehr Zeit für Sport. Das Vermögen wirft währenddessen weiter Cashflow ab.

Am spannendsten fand ich deshalb die Frage, was nach dem Sparen und Investieren eigentlich kommt. Vincent hat gerade erst angefangen, seine Antwort darauf zu finden.

Die komplette Geschichte von Vincent und seinen Weg in die finanzielle Unabhängigkeit gibt es in Folge 277 des Finanzrocker-Podcasts.

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