Der Tisch mit den vielen Beinen: Wie Hörer Stefan sein Dividendendepot aufgebaut hat

Mehr als 14.000 Euro Nettodividende im Jahr, 49 Werte im Depot und eine ziemlich ungewöhnliche Strategie: Stefan verteilt sein Vermögen auf verschiedene „Vermögensbeine“, damit nicht gleich der ganze Tisch umfällt, wenn eines davon Probleme bekommt.

Stefan hört den Finanzrocker-Podcast schon seit Jahren. Eigentlich wollten wir uns bereits 2022 für ein Interview zusammensetzen. Jetzt hat es endlich geklappt.

Sein Weg zum heutigen Dividendendepot war allerdings alles andere als geradlinig. Und genau das macht seine Geschichte so interessant.

Dividendendepot Hörerinterview Stefan

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Von der Rentenlücke zum Dividendendepot

2018 begann Stefan, sich ernsthafter mit seiner finanziellen Zukunft zu beschäftigen. Vor allem eine Frage trieb ihn um: Wie groß ist eigentlich seine Rentenlücke?

Die Berechnung fiel ernüchternd aus. Er kam damals auf eine benötigte Rendite von rund neun Prozent pro Jahr, um die Lücke zu schließen.

Also begann er, sich intensiver mit verschiedenen Anlagestrategien zu beschäftigen. Dabei landete er unter anderem bei REITs, BDCs und Preferred Shares. Sein Ziel war klar: Er wollte ein Depot aufbauen, das regelmäßig Geld ausschüttet.

Heute kommen dabei mehr als 14.000 Euro Nettodividende im Jahr zusammen.

Aber bis dahin hat Stefan einige Umwege genommen.

25.000 Euro Dividende – die sich als Illusion herausstellten

Eine der besten Geschichten aus unserem Gespräch dreht sich um Covered-Call-ETFs, die wir auch schon im Interview mit Ingo Scholtz beleuchtet haben.

Die hohen Ausschüttungen dieser Produkte hatten Stefan neugierig gemacht. Also probierte er es aus. Irgendwann sah es auf dem Papier so aus, als würde sein Portfolio rund 25.000 Euro im Jahr ausschütten.

Das Problem: Die Ausschüttungen waren nicht die ganze Geschichte.

Während das Geld regelmäßig auf dem Konto landete, entwickelten sich einige der zugrunde liegenden Produkte gleichzeitig schlecht. Stefan schaute genauer hin und zog schließlich die Konsequenz.

Ganz vorbei ist das Kapitel Covered-Call-ETFs für Stefan allerdings nicht.

Einen Teil seines Geldes hat er zu einem anderen Broker transferiert und dort gezielt in zwei, drei ruhigere Covered-Call-ETFs investiert. Das sind Produkte mit sieben bis zwölf statt zwanzig oder dreißig Prozent Ausschüttung, die seither stabil laufen oder sogar leicht steigen.

Und einen Ethereum-Covered-Call-ETF hält er bis heute, mit rund 50 Prozent Minus. Verkaufen will er ihn trotzdem noch nicht ganz. Sein Plan: abwarten, ob sich nach dem nächsten Bitcoin-Halving noch etwas bewegt. Falls nicht, ist er auch mit einem höheren Verlust im Reinen.

„Dann ist er weg, dann ist das Lehrgeld – und damit ist gut“, sagt Stefan dazu.

Finanziell ging die Geschichte sogar noch halbwegs glimpflich aus. Viel wichtiger war aber die Erkenntnis: Eine hohe Ausschüttung allein macht noch keine gute Geldanlage.

Stefan beschreibt seinen Ansatz heute als „Learning by Doing“. Er probiert Dinge aus, macht Fehler und zieht daraus Konsequenzen.

Das ist nicht unbedingt eine Strategie, die ich jedem Anleger empfehlen würde. Aber bei Stefan funktioniert sie, weil er das Risiko seiner Experimente begrenzt.

Der Tisch mit den vielen Beinen

Heute besteht sein Depot aus 49 Werten und verschiedenen Anlageklassen. Dazu gehören unter anderem REITs, BDCs, Preferred Shares, ETFs und Einzelaktien. Auch P2P-Kredite spielen außerhalb des eigentlichen Depots noch eine Rolle.

Stefan beschreibt das Ganze mit einem ziemlich passenden Bild: einem Tisch mit vielen Beinen.

Wenn ein Tischbein wegbricht, soll der Tisch nicht gleich umfallen.

Deshalb möchte Stefan nicht von einer einzigen Anlageklasse abhängig sein. Jedes dieser „Beine“ soll möglichst zum laufenden Einkommen beitragen.

Sein konkretes Ziel: Jedes Tischbein soll mindestens 50 Euro im Monat beziehungsweise 600 Euro im Jahr nach Steuern abwerfen.

Das ist ein ziemlich anderer Ansatz als bei einem klassischen Wachstumsdepot.

Stefan möchte seine Aktien nicht irgendwann verkaufen, um davon zu leben. Er möchte die „goldene Gans“ behalten und möglichst nur die Eier nehmen.

„Ich liebe das Bild von der goldenen Gans – ich möchte sie nicht schlachten.“

Ich finde dieses Bild tatsächlich ziemlich passend für seine Strategie.

Heute würde Stefan es etwas einfacher machen

49 Werte und mehrere Anlageklassen bedeuten allerdings auch einiges an Aufwand.

Deshalb möchte Stefan sein Depot künftig wieder etwas vereinfachen. Nicht unbedingt, indem er komplett andere Anlagen kauft, sondern indem er stärker auf breit gestreute Produkte setzt.

Das finde ich interessant, weil sich damit auch sein Blick auf Risiko verändert hat.

Mit Mitte 50 sieht er sein Depot anders als noch vor zehn oder 15 Jahren. Was damals ein spannendes Experiment war, muss heute nicht mehr unbedingt ins Portfolio.

Auch P2P-Kredite sollen deshalb langfristig wieder eine kleinere Rolle spielen.

Was ich aus Stefans Geschichte mitnehme

Stefans Depot würde ich niemandem einfach zum Nachbauen empfehlen.

Das sagt er übrigens selbst:

„Um Himmels willen nicht das machen, was ich mache.“

Und genau das finde ich sympathisch.

Denn sein eigentliches Learning liegt für mich nicht darin, dass REITs, BDCs oder Preferred Shares besonders attraktive Anlageklassen sind.

Es geht vielmehr darum, dass er seine Strategie über Jahre entwickelt hat.

Er hat Dinge ausprobiert, Fehler gemacht, Positionen wieder verkauft und sein Depot immer wieder verändert. Gleichzeitig hat er sich irgendwann ein klares Ziel gesetzt: regelmäßige Einnahmen für den Ruhestand.

Und er hat noch einen Punkt verstanden, den viele Anleger gerne verdrängen: Ein kompliziertes Depot muss nicht nur der Anleger selbst verstehen. Auch seine Frau soll im Ernstfall wissen, wo das Geld liegt und wie sie darauf zugreifen kann.

Am Ende unseres Gesprächs ging es deshalb nicht mehr nur um Dividenden und Renditen. Wir haben auch darüber gesprochen, warum es manchmal gar nicht so einfach ist, das mühsam angesparte Geld tatsächlich auszugeben – und was für Stefan persönlich Glück bedeutet.

Für mich ist genau das der interessante Teil dieser Hörerinterviews.

Es geht nicht um die perfekte Strategie.

Es geht um echte Erfahrungen, Fehler und die Frage, wie man seinen eigenen Weg beim Investieren findet.

Die komplette Geschichte von Stefan und seinem Dividendendepot gibt es in Folge 276 des Finanzrocker-Podcasts.

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