Jung in Rente: David Frank über finanzielle Freiheit, ETFs und Lebenszufriedenheit

Nach über vier Jahren kehrt David Frank vom Blog „Jung in Rente“ zurück und teilt seine tiefgreifenden persönlichen Erfahrungen und Veränderungen, die er seit ihrem letzten Gespräch durchlebt hat. Im Mittelpunkt des Interviews stehen seine Entscheidung für ein Sabbatical, die Auseinandersetzung mit einer Sinnkrise, die Umstellung seines Portfolios und der Wandel seiner Perspektive auf finanzielle Freiheit.

Überblick David Frank von Jung in Rente

Nach über vier Jahren kehrt David Frank vom Blog „Jung in Rente“ in den Finanzrocker-Podcast zurück. Im Interview spricht er über seinen Weg zur finanziellen Freiheit, eine persönliche Krise und warum er heute Zufriedenheit über die schnelle Rente stellt.

Im Mittelpunkt stehen:

  • sein Sabbatical

  • Veränderungen bei seiner Investmentstrategie

  • neue Perspektiven auf FIRE (Financial Independence, Retire Early)

  • der Wert von Zeit, Gesundheit und Familie

Das Gespräch zeigt: Der Weg jung in Rente zu gehen, kann sich im Laufe des Lebens stark verändern.

David auf seiner Hawaii-Reise im letzten Jahr

Wer ist David Frank von „Jung in Rente“?

Vor über vier Jahren war David Frank bereits im Finanzrocker-Podcast zu Gast. Damals erklärte er, wie er mithilfe von Aktien, ETFs und Immobilien finanziell unabhängig werden möchte.

Sein Ziel:
Früh in Rente gehen – idealerweise Mitte 40.

Seitdem hat sich viel verändert.

Während er früher stark auf Einzelaktien und Dividendenstrategien setzte, denkt er heute langfristiger und ruhiger über Vermögensaufbau nach.

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Zusammenfassung des Interviews

Anfang 2022 erlebte David eine tiefe Sinnkrise. Obwohl beruflich und finanziell vieles gut lief, fühlte sich sein Leben plötzlich aus der Balance geraten.

„Diese Krise war so heftig, dass sie mich nicht nur gedanklich, sondern wirklich auch körperlich so stark tangierte, dass mein bisheriger Alltag abrupt unterbrochen wurde.“

Was viele von außen vielleicht als Burnout bezeichnen würden, war für David vor allem eine Zäsur: Sein bisheriges Wertesystem geriet ins Wanken. Die Leitfrage seines Lebens hatte sich bis dahin um finanziellen Erfolg gedreht. Plötzlich stellte er fest, dass Geld ab einem gewissen Punkt kaum noch dazu beiträgt, glücklicher zu werden.

Das klingt banal. Aber es zu erleben, ist etwas völlig anderes.

Lieber Sabbatical statt jung in Rente

Der logische nächste Schritt war für David ein Sabbatical – seit dem 1. Januar dieses Jahres ist er raus aus dem Job. Nicht für immer. Aber für eine Weile.

Den Anstoß gab eine sechswöchige USA-Reise mit der Familie im vergangenen Sommer. Hawaii, Washington State, alles im Hier und Jetzt.

„Da stand für mich nach der Rückkehr fest: Ich möchte nicht warten, bis ich Mitte 40 bin und dann jung in Rente gehen kann.“

Sein Chef war wenig begeistert – wie sollte es auch anders sein. Aber nach über einem Jahrzehnt gemeinsamer Zusammenarbeit gab es am Ende Verständnis. Das, sagt David selbst, ist in der Unternehmensberatungsbranche alles andere als selbstverständlich.

Gesundheit, Achtsamkeit und das Wissen, das nichts nützt

Seit seiner Krise beschäftigt sich David intensiv mit Ernährung, Bewegung und mentaler Gesundheit. Er hat professionelle Hilfe in Anspruch genommen – und redet offen darüber.

„Ich habe mir tatsächlich professionelle Hilfe gesucht. Das hat mich als Menschen deutlich stabiler und reflektierter gemacht.“

Was ihn beschäftigt: Wissen allein verändert nichts. Man weiß, dass Schlaf wichtig ist. Dass Bewegung wichtig ist. Dass Achtsamkeit wichtig ist. Und trotzdem schafft man es im Alltag nicht, das wirklich zu leben.

Genau das will er im Sabbatical angehen. Keine großen Pläne – sondern echte Routinen, die danach auch bleiben.

Depot-Investements: Vom Stock Picking zu ETFs

Wer David kennt, weiß: Er hatte einmal über 50 Einzeltitel im Depot. Heute ist er wieder da, wo er 2008 begann – bei ETFs.

„Hat meine Strategie eine echte Überrendite erwirtschaftet? Nein. Und da stellte sich mir die Frage: Ist der Aufwand das wirklich wert?“

Die Umschichtung kostete einen guten vierstelligen Betrag an Steuern auf realisierte Gewinne. Trotzdem: David hat es nicht bereut. Die gewonnene Zeit ist für ihn mehr wert.

Heute setzt er auf einen einzigen ETF als neue Kernposition: den SPDR MSCI ACWI IMI – ein Produkt, das die gesamte Weltbörse für 0,17% Jahreskosten abbildet. Daneben läuft noch sein altes ETF-Portfolio mit geringerem US-Anteil weiter, um die bekannte Klumpenrisiko-Problematik etwas abzufedern.

Acht ETFs insgesamt. Kein Mikromanagement. Kein täglicher Check.

Drei Immobilien, Ecoligo und Closed-End-Funds

Neben den ETFs hat David in den letzten vier Jahren kräftig in Immobilien investiert. Heute besitzt er:

  • Das Eigenheim bei Köln

  • Ein dauerhaft vermietetes Einfamilienhaus in der Eifel

  • Ein Ferienhaus in der Eifel, das über Airbnb vermietet wird

Die Finanzierungszinsen? Zwischen 0,5 und unter 3 Prozent – je nach Objekt. Wer heute kauft, lebt in einer anderen Welt.

Beim Impact Investing über Ecoligo ist David seit 2019 dabei: 104 Projekte, Solaranlagen in Entwicklungsländern wie Chile, Ghana und Vietnam, aktuell rund 7–8% Zinsen pro Projekt. In all diesen Jahren: nur ein einziger Teilausfall.

„Das ist für mich eine Win-Win-Situation: finanzielle Rendite und Impact Investing unter einen Hut bringen.“

Und dann gibt es noch das Einkommensdepot für seine Eltern – aufgesetzt gemeinsam mit Anton Gneupel, bestückt mit Closed-End-Funds, ausgerichtet auf Ausschüttungen. Das Ziel: 6% jährliche Ausschüttung bei Kapitalerhalt. Das Ergebnis: besser als erwartet. Mittlerweile sind viele dieser Fonds in der EU nicht mehr handelbar – aber David dokumentiert alles auf seinem Blog, und die Artikel laufen überraschend gut.

Dividendenanalyse als Hobby: „Alle Dividenden“

Wer ETFs fährt und gleichzeitig eine Dividenden-Webseite betreibt – ist das nicht ein Widerspruch?

David grinst dabei. Bisschen schizophren sei das schon. Aber:

„Mein Interesse an Wirtschaft und Börse ist ungebrochen. Ich befriedige es lieber durch Lesen, Beobachten und Diskussionen als durch aktive Anlageentscheidungen.“

Alle Dividenden ist kein Side-Hustle. Kein Banner, kein Affiliate-Link, kein Cent Einnahmen. Es ist ein Ort für quantitative Analysen und erste Orientierung für Anleger, die sich für Dividendenwerte interessieren. Mehr nicht – aber das reicht ihm.

Wilde Wälder: Wenn Geld allein nicht mehr reicht

2022 gründete David das gemeinnützige Projekt Wilde Wälder. Seitdem wurden knapp 80.000 Quadratmeter Wald gekauft und unter Schutz gestellt – damit dort keine menschlichen Eingriffe mehr stattfinden und echte Wildnis entstehen kann.

Fast 500 Spenden, knapp 60.000 Euro von der Community. Für jemanden, der das neben Vollzeitjob, Familie und mehreren Nebenprojekten aufgebaut hat: beeindruckend.

„Es sind so viele ungenutztes Potenzial da – ich freue mich riesig, das jetzt im Sabbatical richtig voranzubringen.“

Finanzielle Freiheit ist mehr als früh in Rente gehen

David hat sein Ziel, mit Mitte 40 finanziell unabhängig zu sein, nicht aufgegeben – aber er hält es nicht mehr so krampfhaft fest. Wenn es mit Ende 40 oder Anfang 50 klappt und er bis dahin die wichtigen Momente mit seinen Kindern nicht verpasst hat, dann war das die richtige Entscheidung.

„Alles was wir heute besprochen haben, zielt letztlich auf ein Ziel ab: mehr Zufriedenheit im Leben – mein persönliches Peak Happiness.“

Das ist keine Niederlage. Das ist Reife.

Und vielleicht der ehrlichste Satz des ganzen Gesprächs:

„Zeit ist inzwischen deutlich wertvoller für mich als jeder zusätzliche Betrag auf dem Konto.“

Genau darum geht es im Finanzrocker-Podcast seit Tag eins: Geld ist ein Werkzeug – kein Lebensinhalt. Wie man es einsetzt, entscheidet man selbst.

Jung in Rente: Was man aus Davids Weg lernen kann

Der Weg zu jung in Rente zu gehen ist selten linear. Viele Menschen starten mit einem klaren Ziel: möglichst früh finanziell unabhängig werden und den klassischen Arbeitsalltag hinter sich lassen. Doch wie Davids Geschichte zeigt, verändert sich die Perspektive auf Geld, Arbeit und Lebensqualität oft im Laufe der Zeit.

Finanzielle Freiheit bedeutet nicht zwangsläufig, nie wieder zu arbeiten. Für viele steht heute eher die Freiheit der Entscheidung im Vordergrund: selbst bestimmen zu können, wann, wie viel und woran man arbeitet. Genau hier setzt auch die Idee der FIRE-Bewegung an – ein Leben aufzubauen, in dem finanzielle Sicherheit mehr Möglichkeiten eröffnet.

Dazu gehören ein langfristiger Vermögensaufbau mit ETFs, eine solide Sparquote und ein bewusster Umgang mit Konsum. Gleichzeitig zeigt Davids Entwicklung, dass finanzielle Ziele immer im Einklang mit Gesundheit, Familie und persönlichen Interessen stehen sollten. Wer den Traum verfolgt, jung in Rente zu gehen, sollte deshalb nicht nur auf Rendite und Sparpläne schauen, sondern auch darauf, schon heute ein erfülltes Leben zu führen.

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3 Kommentare

  1. Hallo Daniel, Hallo David,
    es war eine tolle Folge! Auch das Thema, ich nenn es einfach „Mehr Mut zum persönlichen Glück“, war sehr interessant und ich kann da für mich gewisse Parallelen feststellen. Danke dafür!
    Was mich aber umtreibt, so hab ich das nämlich gelöst. Warum unbedingt Sabbatical? Aus dem Interview eingangs entnehme ich, dass David ein junger Vater ist. Warum also nicht in Elternzeit gehen? Das geht bis zum siebten Lebensjahr des Kindes ohne Probleme. Selbst wenn Fristen zum Antrag nicht korrekt eingehalten werden, habe ich in meinem Berufsleben noch nie die Erfahrung gemacht, dass das vom Arbeitgeber nicht genehmigt wird. Gab es Gründe, warum Elternzeit nicht in Frage kam? Warum die Entscheidung Sabbatical und nicht EZ?
    Viele Grüß und macht beide weiter so 🙂

  2. Ja, da kann ich mir Martin nur anschließen. Zum Sabbatical selbst kam da zu wenig. Vielleicht habe ich es auch nur überhört. Was mir hängen blieb: Sinnkrise -> Änderung nötig -> Sabbatical. Aber parallel immer wieder neue Projekte (überspitzt formuliert).

    Ansonsten war das eine sehr interessante Folge, die neugierig macht auf die alte. Danke!

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