“Es gibt viele Konstellationen, wo Menschen an ihrem Geld scheitern oder darunter leiden” – Interview mit Dr. Nikolaus Braun

Geld und Glaubenssätze sind ein wichtiges Thema. Warum es besser ist, ein entspanntes Gefühl für sein Vermögen zu entwickeln – und es durchaus sinnvoll sein kann, es auch mal auszugeben – darüber spreche ich in einem unterhaltsamen Interview mit dem Honorarberater und Vermögensberater Dr. Nikolaus Braun.

Dr. Nikolaus Braun

Interview mit Dr. Nikolaus Braun

Über das Thema Geld spreche ich in fast jeder Finanzrocker-Podcastfolge. Darüber, was Geld und Reichtum mit Menschen machen kann, eher weniger – dabei sind genau das die Fragen, die oft entscheidend sind.

Deshalb passt es gut, dass Dr. Nikolaus Braun mit seinem Buch „Geld oder Leben – Wie Sie aufhören, Unsinn mit Ihrem Vermögen zu treiben” einen anderen Blickwinkel einnimmt. In 30 Kurzgeschichten geht es um Finanzplanung, Besitz und Planung – sowie um zahlreiche Erlebnisse aus seinem Alltag als Honorarberater und Vermögensberater. Wie auch das erste Buch „Über Geld nachdenken” ist das zweite Buch sehr lesenswert, hat aber einen ganz anderen Schwerpunkt.

Deshalb habe ich Dr. Nikolaus Braun zum dritten Mal in den Finanzrocker-Podcast eingeladen. Herausgekommen ist ein reflektiertes, 65-minütiges Gespräch über Geld, Glaubenssätze und die psychologischen Seiten des Vermögens.

Kritik an der Finanzindustrie

Gleich zu Beginn des Gesprächs macht Dr. Braun deutlich, warum er als Honorarberater arbeitet: Das Provisionsmodell, das in Deutschland nach wie vor dominiert, sieht er als „diametralen Interessenskonflikt”. Berater agieren dabei eher als Verkäufer und empfehlen Produkte, an denen sie am meisten verdienen – nicht jene, die für den Kunden am sinnvollsten wären. Wer also wirklich neutralen Rat sucht, sollte genau hinschauen, mit wem er spricht.

Geld als Projektionsfläche

Ein zentrales Thema des Buches und des Interviews ist die emotionale Seite von Geld. Laut Braun wird Geld oft als Leinwand für Wünsche, Träume und Status genutzt. Besonders herausfordernd: Es ist schwer, jemanden zu finden, mit dem man wirklich neutral über Geld sprechen kann – selbst Partner stecken oft in der gleichen „emotionalen Glocke”.

Das zeigt sich auch in den Geschichten aus seinem Alltag:

  • Ein wohlhabender Vater tyrannisierte seine Familie durch extremen Geiz und heizte im Winter kaum, um zu sparen – obwohl das Geld längst vorhanden war.

  • Ein Krebspatient erbte 2,5 Millionen Euro und stellte fest, dass das Geld keines seiner eigentlichen Probleme löste.

Beide Beispiele zeigen: Ein hohes Vermögen allein macht nicht glücklich – und negative Glaubenssätze rund um Geld können das Leben erheblich belasten.

Dr. Nikolaus Braun Portrait

Die Erinnerungsdividende

Besonders spannend fand ich Brauns Konzept der „Erinnerungsdividende”: Er plädiert dafür, Geld gezielt für Erlebnisse auszugeben, die man im hohen Alter nicht mehr nachholen kann. Als Beispiel nennt er einen jungen Mann, der sich für eine Europareise verschuldet hat – eine Investition, die laut Braun wertvoller sein kann als ein späteres Bankguthaben.

Das passt auch zum Generationenunterschied, den er beobachtet: Während ältere Generationen (Babyboomer) oft Zeit gegen Geld tauschen und es akkumulieren, setzt die Gen Z stärker auf Zeit und Erlebnisse statt auf Vermögensaufbau um jeden Preis.

Schnellcheck: Wordshuffle mit Dr. Nikolaus Braun

Am Ende des Gesprächs haben wir noch einen kurzen Begriffe-Check gemacht:

  • KI als Investment: Hält er für schwierig, da die Zukunftschancen bereits eingepreist sind.

  • ETF-Blase: Bezeichnet er als Quatsch – solange man in breit gestreute Indizes investiert.

  • Aktienrente: Findet er als Konzept großartig, befürchtet aber eine bürokratische „Verhunzung” durch die Politik.

Herausgekommen ist wieder einmal ein sehr interessantes und reflektiertes 65-minütiges Gespräch.

Shownotes

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