Finanz-o-mat: Interview mit Stephan Sachse (Podcast)

In dieser Podcast-Episode interviewe ich Stephan Sachse vom Finanz-o-mat. Mit dem Finanz-o-mat kannst Du einfacher finanzielle Entscheidungen treffen – ohne dass Du Dich mit Anbietern, Produkten oder Dienstleistungen auskennen und provisionsgetriebene Entscheidungen treffen musst.

Das Team vom Finanz-o-Mat mit Stephan Sachse (2. v.l.)
Stephan Sachse (2. v. l.) und das gesamte Team vom Finanz-o-Mat

Der Finanz-o-mat wurde an der Universität gegründet, ist in der Wissenschaft verwurzelt und von öffentlicher Hand finanziert. Hier geht es also nicht um den provisionsgetriebenen Verkauf, sondern um Hilfestellungen, wie Du besser finanzielle Entscheidungen treffen kannst.

Das Interview ist außerordentlich spannend geworden und Du kannst eine Menge mitnehmen. Alle Infos zum Projekt findest Du auf der Finanz-o-mat-Webseite. Unten findest Du eine Zusammenfassung des Gesprächs.

Shownotes:

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Über Stephan

  • Stephan ist 30 Jahre alt und lebt in Leipzig.
  • Er ist Diplomwirtschaftsinformatiker und dementsprechend IT-affin, gleichzeitig hat er während der letzten Jahre einen starken Banking-Bezug bekommen.
  • Seit einigen Jahren forscht Stephan in der Finanzindustrie.
  • Aktuell forscht er praxisbezogen mit dem Finanz-O-Mat.

Stephans Forschungsprojekte

  • Stephan forscht im Kompetenzzentrum „Sourcing in der Finanzindustrie“, einem universitätsübergreifenden Forschungsprojekt.
  • Das Projekt wurde vor 10 Jahren an der Uni St. Gallen gemeinsam mit der Uni Leipzig gegründet.
  • Es beschäftigte sich anfangs mit dem Thema „Outsourcing“ bei Banken., d.h. mit der Frage inwiefern Banken Arbeiten außerhalb ihrer Kernkompetenzen an Dienstleister weitergeben.
  • Vor ca. 5 Jahren entstand durch den Hype von Apps und Social Media eine Gegenbewegung: Durch neue, IT-bezogene Dienstleistungsangebote bekamen die Kunden selber neue Kompetenzen und konnten dadurch einige Dinge selber in die Hand nehmen.
  • Diese Situation war der Ausgangspunkt von Stephans Forschungsfragen. Das Kompetenzzentrum entwickelte die „Bank Innovation Datenbank“, welche die neu entstandenen Ideen und Geschäftsmodelle sammelte und im Hinblick auf die Frage erforschte, was der Kunde in Zukunft selber machen kann und wird.
  • Stephans zentrale Forschungsfrage der letzten vier Jahre: Wie sieht das Gegenstück zum Bankberater in der digitalen Welt aus, wenn der Kunde selbständig agieren will?
  • Aktuell setzt Stephan diese Forschung mit dem Finanz-O-Mat in der Praxis weiter fort.

Stephans Einschätzung des Fintech-Marktes

  • Dank neuer Produkte und einer Vielzahl an Anbietern gibt es in der Fintech-Szene eine große Dynamik.
  • Es wird schwieriger, die Grenze zwischen Fintechs und Banken zu ziehen.
  • Der gesamte Finanz-Dienstleistungssektor wird stark digitalisiert.
  • Die Innovationsgeschwindigkeit ist rasant und lässt zu, dass Anbieter Dinge ausprobieren und ggf. auch mal damit scheitern können.
  • Der Finanzmarkt wird vielfältiger und lässt durch Technologie und Infrastruktur zu, dass sich neue lohnenswerte Märkte entwickeln.
  • Stephan ist überzeugt, dass klassische Banken nicht verschwinden, sondern sich neu ausrichten und mit Fintech-Unternehmen kooperieren werden. 

Aktuelle Kommunikationsprobleme zwischen Fintech-Unternehmen und den Kunden

  • Der Kunde wird zukünftig im Mittelpunkt des Marktgeschehens stehen, d.h. jeder Kunde steuert seine Finanzdienstleistungen zu einem gewissen Grad selbständig.
  • Viele Kunden sind uninformiert und nicht an Finanzthemen interessiert – das macht es für Fintech-Unternehmen schwierig und teuer, sich selbst und ihre Dienstleistungen zu kommunizieren. „Die Sprache, die der Kunde spricht, unterscheidet sich von der Sprache, die die Anbieter sprechen“.
  • Auf Kundenseite fehlt durch die Effekte der Finanzkrise zunehmend das Vertrauen.
  • Die Kundenexperience ist im Finanzumfeld häufig nicht so beeindruckend wie in anderen Dienstleistungsbereichen.

Wie unterscheidet sich die Kundenperspektive von der Anbieterperspektive?

  • Banken haben die Sichtweise auf ihre teils komplexen Produkte, während den Kunden vor allem wichtig ist, dass ein Produkt schnell, einfach, sicher, bequem und transparent ist.
  • Kunden haben neben dem Produktportfolio der Banken viele weitere Möglichkeiten, zum Ziel zu gelangen.
  • Viele Fintech-Anbieter haben den Vorteil, dass sie mit wenigen Worten beschreiben, was sie machen und wie sie es machen und so dem Kunden den Nutzen darlegen und sind damit vielen Banken um einige Jahre voraus.

Wie können Anbieter sich in ihrer Kommunikation an die Kundenbedürfnisse anpassen?

  • Eine zentrale Erkenntnis von Stephans Forschungsarbeit ist, dass anhand gezielter Fragen die Kundenbedürfnisse genau ermittelt werden können und dann das passende Produkt empfohlen werden kann.
  • Schon in der Vorverkaufsphase, bevor der Kunde sich für einen Anbieter oder ein Produkt entschieden hat, sollte er beraten werden um die für ihn passende Dienstleistung zu ermitteln.
  • Dieser Ansatz war auch der Grundgedanke des Finanz-O-Mat.

Der Finanz-o-mat

  • Basierend auf verschiedenen Bedürfnisfragen an den Kunden (z.B. danach, wie viel das Produkt kosten darf, wem der Kunde vertraut und was seine Intention ist) erstellt der Finanz-o-mat ein Bedürfnisprofil.
  • Anschließend wird dem Kunden gezeigt, welche Dienstleistung zu ihm passt und am ehesten für ihn infrage kommt.
  • Der Finanz-o-mat nennt dem Kunden Beispielanbieter, ohne sie zu bewerten und ohne konkrete Produktempfehlungen auszusprechen.
  • Der Finanz-o-mat enthält auch ein Wiki und eine Linksammlung, mit deren Hilfe der Kunde sich schnell und einfach zu Finanzfragen informieren kann.
  • Derzeit ist der Finanz-o-mat ein staatlich gefördertes Praxis-Forschungsprojekt, ein konkretes Geschäftsmodell ist daher noch nicht geplant.
  • Vorstellbar wäre, den Finanz-o-mat an Banken zu lizensieren, die damit ihre Produkte in „Kundensprache“ kommunizieren können.

Stephans Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Studenten

  • Stephan gibt regelmäßig Vorlesungen zu Finanzthemen.
  • Einige Studenten haben ein fundiertes Vorwissen zu diesen Themen, zu Geldanlagen und zu verschiedenen Formen der Anlageberatung.
  • Andere wiederum interessieren sich für diese Fragen weniger.
  • Es lässt sich daher auch nicht generell sagen, dass in jedem Fall immer nur die junge Generation Fintech-Dienstleistungen bevorzugt nutzt.

Stephans Einschätzung zu Finanzblogs

  • Sie sind die beste Anlaufstelle, um ein Grundwissen zu Finanzthemen aufzubauen und tragen so zur Finanzbildung bei.
  • Sie sind neutral und in der Sprache der Kunden geschrieben.
  • Die Kommentarfunktion hilft, weiterführende Fragen zu erörtern und zu klären.

Stephans Meinung zur privaten Vermögensbildung

  • „Was ich tue, soll mir mehr Möglichkeiten eröffnen als es Türen schließt“.
  • Um sich die Freiheit leisten zu können, neue Projekte zu starten, deren Verlauf noch nicht gewiss ist, braucht man eine gewisse Rücklage, die es ermöglicht, auch mal ein Risiko einzugehen.
  • Buchtipp: „Risky is the new safe*“. Vermögen braucht man heutzutage vor allem, um auch mal ein Risiko eingehen zu können, z.B. um ein Startkapital in ein eigenes Business zu investieren.
  • Das Geld an sich sollte nur Mittel zum Zweck sein, sich selbst zu verwirklichen.

Wie sich der Finanz-O-Mat in den kommenden Monaten entwickeln wird

  • Es werden weitere Dienstleistungskategorien hinzugefügt werden.
  • Gemeinsam mit den Anwendern werden viele Tests durchgeführt und Feedback eingeholt.
  • In einem Forschungsprojekt geht es darum, die Nutzung des Finanz-O-Mat per Spracheingabe zu ermöglichen.

Word-Shuffle

  • Gründer: Es gibt viele Gründer und viele Menschen gründen, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen oder weil sie dazugehören wollen. Diejenigen, die nicht auf das Gründen angewiesen sind, machen es oftmals besser. Generell ist Gründen ein mutiger Schritt.
  • Förderung: Nah mit dem Thema Gründer verknüpft. In den USA wird das eigene Geld eingesetzt um zu gründen, in Deutschland werden eher Fördermittel zum Gründen gefordert. Ob das gut ist, sei dahingestellt.
  • Rockmusik: Hört Stephan, davon aber eher Mainstream. Er ist eher in der Alternative/Indie/Elektroszene zu finden.
  • Leipzig: Stephan lebt gerne und bewusst dort. Der Gründerspirit nimmt zu und es entwickelt sich viel.
  • Inspiration: Findet man überall, wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht.
  • Schweiz: Ein schönes Land, nette Leute, gute Infrastruktur und Arbeitsumfeld, aber auch sehr teuer.
  • Promotion: Ist so gut wie abgeschlossen.
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