“Mit 30 spare ich monatlich über 60 % meiner Einnahmen und investiere sie” – Hörerinterview mit Marius

In dieser Folge spreche ich mit meinem Hörer Marius über seine hohen Sparraten, seine Investitionen in Humankapital und wie er sich erreichbare Ziele setzt.

Hörerinterview mit Marius

Anfang des Jahres habe ich im Depotrückblick erzählt, dass es dieses Jahr mehr Hörerfolgen im Finanzrocker-Podcast geben wird. In der heutigen Folge habe ich nun schon das dritte Hörerinterview in diesem Jahr.

Marius hat mich im Dezember angeschrieben, weil sich sein Vermögen sehr positiv über die letzten Jahre entwickelt hat. Wie so oft liegt das nicht nur an der Börse, sondern hat einige andere Hebel.

Zum einen hat Marius viel in seine berufliche Entwicklung investiert und ist mit 30 in einer Führungsposition angekommen. Anstatt jetzt das Gehaltsplus für Lifestyle auszugeben, spart er zum anderen monatlich einen Großteil seines Gehalts in ETFs.

Wo Marius hingegen nicht spart, ist beim Thema Reisen, weil er dort für seine persönliche Entwicklung sehr viel mitnehmen kann. Seine ganze Geschichte erzählt er heute im Hörerinterview.

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Zur Zusammenfassung des Interviews

Du hast mir vor einiger Zeit geschrieben, dass Du begeistert meine unterschiedlichen Podcast-Formate hörst und Du einiges mitnehmen konntest. Was waren denn die größten Learnings, die Du mitgenommen hast?

  • Erstmal einfach mit dem Investieren anzufangen
  • Von deinen Fehlern lernen (auch wenn man trotzdem Anfängerfehler macht)
  • Dass es neben ETFs und Aktien weitere Investitionsmöglichkeiten gibt
  • Privat schriftlich Ziele zu setzen

Wie bist Du denn vorher mit Deinem Geld umgegangen? Wann hast Du angefangen an der Börse zu investieren?

Mein Vater ist Bankkaufmann und dadurch habe ich von Anfang an gelernt, nicht über meine Verhältnisse zu leben. Mit dem Berufseinstieg 2014 entstand der Wunsch, dass Geld zu mehr Zinsen als beim Tagesgeldkonto anzulegen. 

Seit 2016 investiere ich an der Börse. Anfangs habe ich Aktien rein nach der Dividendenausschüttung ausgewählt. Das hat bei Unternehmen wie Daimler gut geklappt, bei ProSieben und Sat1 war es ein Fehler. Auch habe ich Auslandssteuern nicht beachtet wie bei Total aus Frankreich. Daraufhin habe ich mich für einen europäischen ETF entschieden, den ich bis heute halte. Diese Fehler waren wichtig für mich, aber man sollte sie nur mit „Spielgeld“ bzw. erstmal mit kleineren Summen machen.

An Deinem Beispiel kann man aber sehr gut erkennen, dass die wichtigste Investition das Humankapital ist. Wann hast Du das gemerkt?

Investition ist nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Bildung. Der Groschen ist bei mir gefallen, als mein Chef mir keine Gehaltserhöhung geben wollte. Ich habe gemerkt, dass ich in diesem großen Konzern komplett ersetzbar bin.

Eine Möglichkeit das zu ändern ist die Investition in Humankapital und indem ich mich weiterbilde. Ich habe mich gefragt: Was kann ich machen, das auch nicht unbedingt viel Geld kostet? Lesen! Seither lese ich jeden Monat drei Zeitschriften und darin auch jeden Artikel – denn sonst bleibe ich in meiner Filterblase und erweitere meinen Horizont nicht.

Folgende Zeitschriften lese ich:

  • Harvard Business Manager – der Klassiker
  • Capital – Mischung aus Finanzen und Wirtschaft
  • Manager Magazin – Wirtschaftsmagazin mit vielen Hintergrundstories

Zusätzlich lese ich jeden Monat zwei Sachbücher zu den Themen Wirtschaft, Finanzen, Mitarbeiterführung, Unternehmen, Preisbildung usw.

Außerdem Schulungen, die mein Chef mir finanziert, auch mal Online-Kurse (meist Udemy) und YouTube-Tutorials. Das Argument, „ich hab kein Geld“ oder will keines ausgeben, zählt also wirklich nicht.

Seit Deinem Berufseinstieg 2014 hast Du Dein Gehalt verdreifacht. Da ist der Hebel deutlich größer als an der Börse. Wie hast Du das geschafft: durch Weiterbildung, Gehaltserhöhung oder durch Jobwechsel?

Es war genau diese Mischung aus Weiterbildung, Gehaltserhöhung, Jobwechsel und Börsengewinne (Ausschüttungen durch Dividenden). 

Der größte Hebel war wohl meine Sparquote, die ich mit steigendem Gehalt steigern konnte, anstatt der „Lifestyle-Inflation“ zu verfallen.

Ich hatte mal gelesen: Wenn du dich in zwei Bereichen spezialisierst, bist du für manche Unternehmen total interessant und wertvoll. Meine Spezialisierungen sind Controlling und IT/Datenbank. Der erste Jobwechsel, wo genau diese Kombi gebraucht wurde, machte vom Gehalt her keinen Sinn, aber ich habe die Chance gesehen, langfristig mein Gehalt deutlich zu steigern, was auch geklappt hat.

Heute verfügst Du mit 30 schon über ein 6-stelliges Vermögen und sparst jeden Monat 60-80% Deines Gehalts über Sparpläne. Würdest Du Dich als Frugalisten bezeichnen?

Rein die Zahlen betrachtet, ist es schon frugalistisch. Seit Kurzem bin ich Abteilungsleiter und auch diese Gehaltssteigerung ging 1:1 an die Börse weiter. Ich bin Mitglied einer Wohngenossenschaft und ich zahle mit allem nur 250 Euro fürs Wohnen (ich wohne mit meiner Freundin zusammen). Auto habe ich abgeschafft und fahre nur noch Roller und Fahrrad.

Ich habe auch einen kleinen Nebenjob,  bei dem ich Rollerfahrten anbiete. Ich habe da ein besonderes Modell und bei jedem, der über mich kauft, bekomme ich eine kleine Provision.

Ich hab ein Händchen dafür, überall alles rauszuholen was geht. Bei Krankenkassen Tarifen ist es beispielsweise so, wenn ich in einem nur zur Vorsorge gehe wie z.B. Zahnarzt, aber nicht zum Arzt z.B. bei einer Grippe, bekomme ich 600 Euro im Jahr zurück. Bei einem VISA-Startup stelle ich meine Banking-Schnittstelle zur Verfügung, wo sie ihre Prozesse testen können, wofür ich nochmal 300 Euro jährlich bekomme für eine halbe Stunde Aufwand.

Gleichzeitig bin ich aber irgendwie auch KEIN Frugalist, denn ich gebe gerne viel Geld beispielsweise für Erlebnisse aus. 10.000 Euro im Jahr für Urlaub sind eher die Regel als die Ausnahme. Mein Handytarif hat unbegrenzt Datenvolumen. Ich möchte bei solchen Sachen nicht aufs Geld schauen müssen und würde niemals zuhause sitzen, um zu sparen.

Wie reagiert denn Dein Umfeld auf diese Sparsamkeit?

Da wird schon komisch drauf reagiert. Es kommt die Frage, warum ich mir keine größere Wohnung oder schickes Auto gönne. Gleichzeitig sehen sie aber auch, wie viel tolle Urlaube ich mache und fragen sich, warum sie das nicht selbst machen können. Und der Grund liegt vereinfacht gesagt in den hohen Fixkosten. 

Ich nehme mir einmal im Monat 5-10 Minuten Zeit grob alle Einnahmen und  Ausgaben in einer Excel-Tabelle einzugeben. Das ist nicht 100% genau, aber ein richtiges Haushaltsbuch mit App usw. wäre mir zu aufwendig und einschränkend. In der Excel-Tabelle bilde ich auch meine Sparpläne und Investitionsplan ab.

Wie investierst Du denn konkret?

85% meines Sparplans gehen in den Vanguard FTSE All-World.  Die restlichen 15% gehen in Themen-ETFs.

Dein Kerninvestment ist der Vanguard FTSE All-World. Warum hast Du so viele andere ETFs in Deinem Portfolio?

Einfach weil ich den All-World-ETF etwas langweilig finde. Bei dem aktuellen Tech-Boom, insbesondere in den letzten zwei Jahren, möchte ich auch teilhaben. Daher habe ich z. B. einen Tech-ETF wie den NASDAQ. 

Welche Rolle spielen denn Dividenden/Ausschüttungen für Dich?

Der Vanguard FTSE All-World ist ein ausschüttender und kein thesaurierender ETF. Der einfache Grund: Mich motivieren regelmäßige Ausschüttungen. Wenn ich eine Auszahlung auf mein Gehaltskonto sehe. Oder wenn ich weiß, dass ein Urlaub komplett durch Dividenden finanziert wurde. Finanziell gesehen macht ein thesaurierender ETF aber schon mehr Sinn und vielleicht werde ich das noch ergänzen.

Du hast auch einige Einzelaktien in Deinem Depot. Wie kommt das?

Zusätzlich zu den Sparplänen gehen auch mal größere Beträge direkt in die ETFs oder ausgewählte Einzelaktien, wenn sich auf dem Tagesgeldkonto Einiges ansammelt. Dafür behalte ich mir einen Puffer vor und suche dann bewusst etwas raus.

Nutzt Du mehrere Broker oder nur einen?

Mein Haupt-Broker ist über die Commerzbank. Dort gibt es immer mal wieder Aktionen, dass ich für 3 Jahre kostengünstig einen Sparplan aufsetzen kann, wenn ich nicht viel daran ändere.

Neobroker wir Traderepublic wären nichts für mich. Denn die niedrigen Transaktionskosten und Flexibilität sorgen dafür, dass man viel zu viel tradet und ändert, auf Kosten der Rendite.

Wie sieht Deine gesamte Asset Allokation aus?

  • Der größte Teil (85%) geht in die genannten ETFs
  • 50 Euro pro Monat gehen in eine private Rentenversicherung. Die wurde vor 2005 abgeschlossen und ist daher komplett steuerfrei in Deutschland.  Das würde sich aus heutiger Sicht wohl nicht mehr lohnen.
  • Über meinen Arbeitgeber geht ein kleiner Teil in einen Rentenfonds.
  • Kleine Beträge in Kryptowährungen, hier habe ich sogar mal selbst Mining für Ethereum betrieben.

Welche Zukunftsziele hast Du Dir gesetzt?

Mein Hauptziel ist es, glücklich mit dem zu sein, was ich mache und frei in meinen Entscheidungen zu sein.

Mein finanzielles Polster gibt mir die Freiheit meinen Job zu kündigen, wenn er mir nicht mehr gefällt oder mir eine Auszeit, unbezahlten Urlaub oder ein Sabbatical nehmen zu können. Mein Traum ist es, mal von Bali aus zu arbeiten.

Ansonsten setze ich mir schriftlich Ziele – wie erwähnt die drei Zeitschriften und zwei Sachbücher jeden Monat.

Auch spende ich einen fixen Prozentbetrag, der mit dem Gehalt mitwächst. Ich finde es wichtig, nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben.

Zum Abschluss mache ich nochmal das obligatorische
Wordshuffle mit Dir. Ich nenne Dir Begriffe und Du sagst, was
Dir einfällt.

USA

Tolles Land mit diverser Kultur. 2011 habe ich mein Auslandsjahr in Texas gemacht. Auch gute Unternehmen, in die man investieren kann. Ansonsten ist das Konsumverhalten meiner Meinung nach etwas bedenklich, denn es ist der Normalzustand Vieles über Kreditkarten zu kaufen, mit Geld das man eigentlich nicht hat.

Rockmusik

Ich höre gerne die Band Broilers, wobei das eher Punkrock ist. Ansonsten höre ich am liebsten elektronische Tanzmusik, auch EDM genannt, manchmal darf es aber auch etwas härter sein.

Einzelaktien

Finde ich eine tolle Sache. Für mich ist das auch ein bisschen Identifikation. Ich freue mich von Daimler & Co einen Brief zu bekommen, dass ich zur Hauptversammlung eingeladen werde. 

Vanguard

Toller und günstiger Anbieter. Ich finde man muss nicht immer den größten noch größer machen (Blackrock), deswegen investiere ich gerne in Vanguard-ETFS.

Bestes Sachbuch

„Wie man Freunde gewinnt“ von Dale Carnegie – ein All-Time-Klassiker, der hilft besser mit Menschen zu interagieren und seine Ziele zu erreichen. Denn die erreicht man oft, wenn man einfach nett zu den Menschen ist.

Minimalismus

Habe ich immer mal Tendenzen dazu und finde diesen Lifestyle faszinierend. Ganz meins ist es aber nicht. Ich habe vor kurzem mal eine Minimalismus-Challenge mitgemacht, an der man für 30 Tage jeden Tag einen Gegenstand mehr wegwirft: Also am ersten Tag einen, am zweiten Tag zwei usw. – insgesamt 450 Gegenstände im Monat. Da merkt man mal, wie viel Quatsch man in der Wohnung rumstehen hat.

Lieblingsland

Mit weitem Abstand die Philippinen. Da steht eigentlich viel auf der Contra-Liste: Schlechte Infrastruktur, mittelmäßiges Essen, viele Naturkatastrophen. Aber ich habe noch nie so eine schöne Landschaft gesehen wie dort und die Menschen sind extrem freundlich. 

Glück

Da entscheide ich zwischen Glück haben und glücklich sein. Ich hatte Glück in Deutschland geboren zu sein, das richtige studiert und meinen Traumjob gefunden zu haben. Und glücklich sein ist so der Gefühlszustand. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben und schätze was ich habe. Nur Arbeiten am Strand wäre noch toll. Mit dem Wetter hat es uns in Deutschland nicht so gut getroffen!

 

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Eine Antwort

  1. Das Fakt, dass ich den ersten Kommentar schreibe, nachdem die Folge eine Woche online ist, drückt bereits ein bisschen aus, was ich von der Folge denke. Ich fand Marius sehr sympathisch, und was er erzählte, hatte Hand und Fuss. Es war mir aber eine Spur zu wenig interessant. Damit für mich eine Folge interessant ist, muss sie mich auf irgendeiner Ebene inspirieren oder meine Neugierde wecken. So fand ich die Kunstfolge sehr interessant, auch wenn ich mit dieser Art von Kunst nichts am Hut habe, oder die Folge der Frau, die nach der Trennung die Verantwortung für ihre Finanzen übernahm, obschon ich keine Frau bin. Zu Marius kann ich höchstens sagen: “Ich denke, Du machst das gut”.

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