“Vom Landhandel aus Bayern zum globalen Konzern” – Interview mit Josko Radeljic von der BayWa AG

In der heutigen Folge habe ich Josko Radeljic, Leiter Investor Relations bei der BayWa AG, zu Gast. Wir sprechen gemeinsam über die verschiedenen Geschäftsfelder der BayWa und die Auswirkungen der verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Ereignisse auf das Konzerngeschäft. Außerdem geht es um die BayWa-Aktie, Nachhaltigkeit und die zukünftige Entwicklung der BayWa.

BayWa AG Josko Radeljic Artikelbild

Überblick Interview mit Josko Radeljic von der BayWa

Im heutigen Interview habe ich Josko Radeljic zu Gast. Er leitet seit 13 Jahren den Bereich Investor Relations bei der BayWa in München. Zunächst erklärt Josko Radeljic, warum jeder von uns schon mal mit Produkten der BayWa zu tun hatte, uns das börsennotierte Unternehmen aber oft nicht geläufig ist.

Wir werfen einen genaueren Blick auf die drei Bereiche Landwirtschaft, Baustoffe und Energie und wie diese von den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen betroffen sind. Außerdem sprechen wir genauer über die BayWa-Aktie und klären die Frage, warum es eigentlich zwei davon gibt.

Josko Radeljic erzählt zudem mehr über seinen Job als Leiter Investor Relations im BayWa-Konzern und begründet, warum Nachhaltigkeit für das Unternehmen so ein zentrales Thema ist. Zum Schluss werfen wir noch einen Ausblick auf die Zukunft der BayWa und speziell des Landwirtschafts-Bereiches.

Shownotes

Präsentiert von Mehr Mut zum Glück

BayWa AG Josko Radeljic MMzG VerweisNeben dem Finanzrocker-Podcast mache ich ja auch den Podcast “Mehr Mut zum Glück”. In der aktuellen Folge habe ich Güldane Altekrüger zu Gast.

Ihre Geschichte hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt, weil sie zeigt, was alles möglich sein kann.

Güldane Altekrüger wuchs in den achtziger Jahren auf dem Kiez in St. Pauli und für ein paar Jahre in der Türkei auf. Diese Gegensätze haben sie geprägt. Über den langen Weg von der Hauptschule zum Studium wollte sie unbedingt vorankommen und etwas erreichen. 

Doch der große Erfolg kam erst 2018 und dann ganz plötzlich. Dana wurde über Nacht Bestseller-Autorin. Mittlerweile führt sie ihren eigenen Verlag und jedes ihrer Bücher war auf der Spiegel-Bestsellerliste zu finden.

Ihre ganze interessante Geschichte erzählt Güldane bei “Mehr Mut zum Glück”. Hier geht es zur Folge.

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Zusammenfassung des Interviews

Über Josko Radeljic

Josko Radeljic BayWa Portrait
Josko Radeljic, Leiter Investor Relations bei der BayWa AG

Josko Radeljic leitet seit mehr als 13 Jahren den Bereich Investor Relations bei der BayWa in München.

Der gebürtige Kroate hat einen Master of Finance von der Boston University. Bevor er zur BayWa kam, führten ihn seine beruflichen Stationen u. a. zur  Deutschen Telekom und zur ING – BHF Bank AG. Er lebt mit seiner Familie München.

Nächstes Jahr wird die BayWa 100 Jahre alt. Trotzdem sagt der Unternehmensname nur den wenigsten etwas. Gibt es denn Produkte von BayWa, mit denen die meisten Hörer schon in Berührung gekommen sind.

  • Es gibt sogar sehr viele Produkte. Viele Menschen sind mit der BayWa in Berührung gekommen, ohne es zu wissen. Wir sind Deutschlands größter Getreidehändler. Da hat der eine oder andere sicherlich schon mal die BayWa in Form von Teigwaren, Brot oder Bier verspeist.
  • Jetzt, wo wir uns gerade unterhalten, kommt der Strom von der BayWa durch unsere Solarpanele und Windkraftwerke. Wenn Sie im Supermarkt Kanzi Äpfel in der Hand halten, kommen diese auch von der BayWa.
  • Wir sind eher ein B2B-Produkt. Die Wenigsten wissen, was wir alles machen, weil wir in so vielen Branchen tätig sind. Wir gehören deutschlandweit zu den 100 bekanntesten Marken.

Das Unternehmen BayWa lässt sich gar nicht so einfach erklären. Es gibt mit Landwirtschaft, Baustoffe und Energie insgesamt 3 Bereiche. Woher kommt diese Aufteilung und was steckt hinter den Bereichen?

  • Auf den ersten Blick passt das überhaupt nicht zusammen, deswegen muss man das ein Stück weit erklären. Dafür muss man in die Vergangenheit schauen. 1923 gab es damals eine Hyperinflation und vor diesem Hintergrund wollte man das Waren- vom Geldgeschäft trennen.
  • Das Geldgeschäft waren die Raiffeisenbanken vorne am Schalter und hinten hat man dann die Ware gehandelt, nämlich Agrargüter. Und daraus ist die BayWa entstanden – man hat in Süddeutschland den Warenhandel übernommen und Agrargüter gehandelt.
  • Und aus dieser Versorgerfunktion heraus hat man dann weitere Produkte entwickelt. Man hat dem Landwirt nicht nur die Betriebsmittel zur Verfügung gestellt und dann die Ernte aufgekauft, sondern auch Baumaterialien geliefert. Man hat durch dieses enge Logistiknetzwerk dann weitere Produkte wie Energie dem Verbraucher zur Verfügung gestellt. Die BayWa ist bekannt als ein Portfoliounternehmen, Handelsunternehmen, Projektierungsunternehmen, aber ein Stück weit sind wir auch Logistiker.
  • Es gibt noch das Segment Global Produce, was ebenfalls zum Geschäftsfeld Agrar gehört. Das ist der Handel mit Obst. Wir sind der größte Apfelhändler in Europa und handeln aber auch tropische Früchte. Wir haben eine Gesellschaft Tropical Fruit Company in Holland sitzen, die den Import subtropischer Früchte tätigt.
  • Das letzte Segment ist der Baustoffbereich. Hier handeln wir überwiegend im B2B-Bereich und liefern Zement, Ziegel, Dachziegel, Fenster und alles mögliche, was man benötigt, um ein Haus sorgfältig zu bauen. Hier sind wir Platz 2 gemessen am Umsatz.

Lassen Sie uns doch mal beim Thema Energie bleiben. Durch den Krieg in der Ukraine und die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise ist das Thema sehr aktuell. Welchen Einfluss hat es denn auf die Sparte der BayWa?

  • Wir haben ein Stück weit Glück in der ganzen Tragik, dass wir kein produzierendes Unternehmen sind. Das Thema Energieintensität fällt bei uns geringer aus und macht nicht so viel aus wie bei produzierenden Unternehmen.
  • Aber wir haben auch Heizöl und Kraftstoffe und da ist die Thematik, dass Sie mit steigenden Preisen eine sinkende Nachfrage sehen. Seit Ende 2020 haben sich die Preise verdoppelt. Ein Barrell Rohöl war Ende 2020 bei 50 Dollar, heute ist es bei 110 Dollar. Das hat natürlich auf die Nachfrage und Kundendynamik einen Einfluss. 
  • Trotz allem muss man sagen, dass wir im ersten Quartal jetzt sogar eine erhöhte Nachfrage hatten. Das waren aber vor allem Hamsterkäufe aus Panik, weil die Menschen Angst bekommen haben, dass sie kein Heizöl mehr haben. Das hat zu Vorzieheffekten geführt. 

Wie sieht es in der Landwirtschaftssparte aus? Die Inflation ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das bedeutet, dass Investitionen in die Zukunft geschoben werden. Macht sich das bei Ihnen bemerkbar?

  • Ja, natürlich! Wir müssen selber zu wesentlich höheren Einstandspreisen kaufen. Besonders bemerkbar macht es sich bei der Düngemittelthematik. Die Preise für Düngemittel haben Höchstniveau erreicht – vor allem für Stickstoffdünger – und das wird eine große Herausforderung für uns sein, wie wir einlagern und uns weiterhin verhalten. 
  • Wir kennen diese Thematik auch von 2008/2009 von der Finanzkrise – Preise können auch sehr schnell sinken. Sollte der Krieg in der Ukraine beendet werden – was wir alle hoffen – dann werden diese Preise rapide wieder runtergehen. Wenn Sie dann auf einem hohen Bestand sitzen, dann haben Sie Abschreibungen zur Folge. Das wollen wir mit Risikomanagement auf jeden Fall vermeiden.

Bei den Landwirten macht sich das bemerkbar, weil gerade Neuanschaffungen wie Traktoren in die Zukunft geschoben werden. Das setzt ja auch eine Kette in Gang, die dann am Ende wieder bei Ihnen ankommt.

  • Seit mehreren Jahren sage ich immer, dass die Nachfrage nach Traktoren, Mähdreschern und diesen Produkten sicherlich bald zurückgehen wird, das passiert aber nicht. Interessanterweise haben wir ein sehr starkes erstes Quartal.
  • Die Neuzulassungen allein in Deutschland lagen bei 8000 im Jahr, der Durchschnitt ist eher 5000-6000 für solche Maschinen. Das ist damit begründet, dass die Leute wahnsinnige Angst vor Inflation haben. Und für die Landwirte ist es ein Sachwert, den sie bekommen, daher ist die Nachfrage auch sehr hoch.
  • Unser Problem ist, dass wir die Nachfrage gar nicht mehr bedienen können durch die Chipkrise. Auf der Produzentenseite haben wir hohe Bestellungen, haben aber das Problem, dass es mit den Auslieferungen definitiv zu Verzögerungen kommen wird.
BayWa Interview Josko Radeljic Daniel Korth
So haben wir das Interview in der BayWa-Zentrale in München geführt.

Sind Sie auch vom Lockdown in Shanghai betroffen?

  • Auch hiervon sind wir betroffen. Wir sind europaweit der größte unabhängige Solarmodulhändler und vor allem diese Module kommen zum großen Teil aus China. Bisher konnten wir diese Krise gut managen.
  • Das hat damit zu tun, dass wir ein breites Lieferantenportfolio haben. Die BayWa genießt bei ihren Zulieferern eine sehr hohe Bonität. Das ist auch ein Grund dafür, dass wir konstant lieferfähig sind. Aber wenn sich dieser Lockdown weiter so fortführt, werden wir auch Klimmzüge machen müssen.

Die BayWa hat als regionaler Agrarhändler angefangen und ist mittlerweile ein globaler Handelskonzern geworden. Sie sind in 50 Ländern tätig und haben 521 vollkonsolidierte Tochtergesellschaften. Wie konnte BayWa im Ausland so stark wachsen?

  • Ehrlicherweise muss man sagen: ein Stück weit auch aus der Not. Weil wir in Deutschland in den Geschäftsfeldern, in denen wir tätig sind, bereits die Nummer eins sind.
  • Wenn wir größere Investitionen tätigen wollen würden, würde das Kartellamt bei uns vor der Tür stehen und sagen „nein, ihr habt eine marktbeherrschende Stellung und könnt da gar nicht mehr hin“. 
  • Aus diesen Limitierungen heraus war der einzige Weg zu wachsen international. Das war auch der Auftrag unseres Vorstandsvorsitzenden Professor Lutz. Eine der größten Akquisitionen war dann auch die T&G in Neuseeland, wie sie heute heißt, ein Obsthändler. 

Wie kommt man auf die Idee einen neuseeländischen Apfelhändler zu kaufen?

  • Wir wollten wachsen und haben uns vorgenommen, in Kerngeschäftsfeldern zu wachsen. Das kann man über 2 Schienen machen. Das eine ist länderübergreifend, aber auch durch die Produktvielfalt. Wir wollten unser Sortiment erweitern.
  • Wir waren mit dem Thema Obst am Bodensee schon immer tätig. Das war ein kleiner Bereich, der 4 Millionen ausgemacht hat, heute macht der Bereich 40 Millionen.
  • Und die Thematik mit Neuseeland war, dass wir zwar bereits Äpfel im Portfolio hatten, aber ganzjährig lieferfähig sein wollten. Wenn hier die Ernte vorbei ist, kommt die Ernte aus der südlichen Hemisphäre in die nördliche Hemisphäre rein.

Das Wachstum im Ausland trug 2021 ganze 63,5 % zum Konzernumsatz bei. 2008 lag es noch bei 34 %. Wie wollen Sie das denn zukünftig steigern?

  • Wir haben ein EBIT-Ziel – das nennt sich 450 Millionen Euro bis 2025. Das wird man überwiegend durch den Bereich der erneuerbaren Energien erreichen. Das ist ein weiteres Wachstumsfeld der BayWa, hier ist auch noch sehr viel Puffer in andere Länder zu gehen.
  • Wir errichten Solar- und Windparks und verkaufen sie auch wieder. Wir haben jetzt ein Stück weit die Strategie geändert und haben gesagt 3 Gigawatt wollen wir auf die eigene Bilanz nehmen und ein Stück weit als Energielieferant tätig sein, aber zu 70 Prozent werden die Projekte verkauft. Wir haben eine Pipeline von 17 Gigawatt aktuell und die wächst.
  • Darüber hinaus ist der Agrarbereich ein weiteres Wachstumsfeld. Auch hier sind wir noch nicht ans Ende gekommen. Größere Akquisitionen werden wir in naher Zukunft nicht tätigen, aber kleinere nehmen wir gerne mit und die befinden sich weltweit in verschiedensten Märkten.

Die BayWa hat eine genossenschaftliche Struktur. Wie kann ich mir das vorstellen?

  • Man merkt das am besten über die Eigentümerstruktur. Wir haben 60 Prozent Ankeraktionäre aus Deutschland und Österreich.. Das sind letztendlich zwei große Holdings. Die eine sitzt in Bayern, die bayrische Raiffeisen- und Beteiligungs AG, die andere sitzt in Österreich, die Raiffeisen Agrar Invest.
  • Und darunter sind Raiffeisenbanken. Und die sind bei uns beteiligt, aber andererseits sind wir bei denen auch beteiligt. Diese Überkreuz-Beteiligung ist etwas typisches für Unternehmen mit einem genossenschaftlichen Hintergrund.

Wie groß ist der Freefloat-Anteil bei der BayWa?

  • Der Freefloat-Anteil beträgt ca. 40 %, wobei ich sagen muss, dass auch in diesen 40 % die Hälfte Mitarbeiteraktien und private Aktionäre sind. Ca. 20 % vom Gesamtanteil sind wirklich bei Institutionellen gebündelt.
  • Das ist für uns auch manchmal ein Stück weit schwierig, dass der Freefloat-Anteil nicht ganz so groß ist. Das wäre für uns im Investor Relations Bereich besser.
  • Wir kommen hier oft an unsere Grenzen, vor allem wenn Sie US-Aktionäre vor sich sitzen haben. Die möchten dann doch ein Stück weit mehr Liquidität sehen.

Warum gibt es eigentlich zwei unterschiedliche BayWa-Aktien?

  • Das ist ein kleines Ärgernis, das von Investor Relations auch jedes Mal wieder erklärt werden muss. Es gibt die vinkulierte Namensaktie und die einfache Namensaktie. Beide sind mit den gleichen Stimmrechten ausgestattet, da gibts keinen Unterschied.
  • Der einzige Unterschied, der aber auch wichtig ist: Es gibt 33 Millionen von den vinkulierten Aktien und nur 1 Million von dieser nichtvinkulierten Namensaktie. Die vinkulierte Namensaktie ist die, die auch wirklich gehandelt wird und liquide ist. Wenn Sie Interesse haben, dann müssen Sie die Wertpapierkennnummer 4062 kaufen.
  • Das kommt dadurch, dass man mal im Rahmen einer Akquisition Aktien genutzt hat, um diese Akquisition zu tätigen und der Käufer wollte keine vinkulierten Namensaktien. Der Aufwand ist relativ groß, wenn man das zusammenbringen möchte, deswegen haben wir es noch nicht getätigt.

Bei deutschen Anlegern spielt die Dividende häufig eine große Rolle. Welche Rolle spielt denn die Dividende für die BayWa?

  • Eine ganz wichtige Rolle! Ich habe Ihnen ja unsere Ankeraktionäre aufgezählt. Hier steht die Dividende schon ein Stück weit im Vordergrund. Der Vorstand verfügt über sehr viele Freiheiten, was das operative Geschäft angeht, solange die Ergebnisse passen. Bei der Dividende ist man aber schon sehr dahinter. 
  • Wir haben keine wirkliche Dividendenpolitik, die BayWa ist aber ein Dividenden-Aristokrat. Seit ich bei der BayWa bin und auch, wenn man die Jahre zurückblickt: Die BayWa hat bisher immer Dividende gezahlt und das entspricht einer Dividendenrendite von 2 bis 3 Prozent.

Sie sind Leiter der Investor Relations der BayWa. Was sind denn in Ihrem Job die täglichen Herausforderungen?

  • Die vielen verschiedenen Branchen und Märkte machen es so spannend und sind ein Grund für mich, zu bleiben. Als ich vor 13 Jahren hier her kam, da lag der Umsatz bei 8 Milliarden, heute sind wir bei 20 Milliarden.
  • Wir haben akquiriert, wir haben Strukturwandel, wir haben das operative Geschäft einmal gedreht, wir haben das Thema Nachhaltigkeit. Wir haben so viele Themen neu besetzt und das macht einfach Spaß. Die Herausforderung ist, dass wir einiges an Märkten und Fragen bedienen müssen. Das ist dann oft sehr kleinteilig.

Wie ist denn die BayWa durch die Corona-Pandemie gekommen? Hatte die Pandemie einen Einfluss auf die unterschiedlichen Geschäftsmodelle?

  • Natürlich hat sie eine große Rolle gespielt, aber ähnlich wie mit der Energiekrise sind wir hier ein Stück weit verschont geblieben aus operativer Sicht, weil wir einfach systemrelevant sind. Wir haben die Themen Wohnen, Ernährung und Energie.
  • Das sind diese drei großen Themenblöcke, die systemrelevant sind. Unsere Standorte waren fast alle überwiegend geöffnet. Wir haben ein Stück weit auch davon profitiert, weil der ein oder andere sich bei uns eingedeckt hat, was er normalerweise wo anders machen würde. 
  • Andererseits war es auch eine große Herausforderung für die Belegschaft. Wir haben wahnsinnig viele Gelder investiert. Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die ein eigenes Testlabor haben, wo Sie sich jeden Tag testen lassen können. Es ist für die Sicherheit der Mitarbeiter viel getan worden. 

Das Jahr 2021 lief für die BayWa sehr gut. Die Aktie ist auch nach oben gegangen. Hängt das damit zusammen?

  • Ja, das ist so. Gute Zahlen führen in der Regel zu besseren Aktienkursen. Die operative Entwicklung und die Akquisitionen, die wir in den letzten Jahren getätigt haben, die tragen jetzt Früchte. 
  • Es ist nicht immer so, dass man so eine Akquisition tätigt und die Zahlen steigen. Man muss viele Anpassungen machen, das Thema Post Merger Integration kommt dazu, auch kulturelle Themen.

Beim Thema Nachhaltigkeit ist die BayWa sehr aktiv. Warum spielt es so eine große Rolle?

  • Wir bedienen Grundbedürfnisse. Das Thema Wohnen, Ernährung und die Energie, da ist die BayWa per se schon nachhaltig, weil es gilt das Thema Umwelt und Menschenrechte in Einklang zu bringen. 
  • Wir haben große Lieferketten, hier ist es uns sehr wichtig, dass wir diese verfolgen können. In der Landwirtschaft haben wir ein großes Umweltthema, da muss die BayWa reinspielen und bedienen können. Vor diesem Hintergrund ist Nachhaltigkeit ein großes Thema bei uns.

Es wurden auch Klimaziele für die Zukunft aufgestellt. Wie sehen diese aus? 

  • Ein ganz großes Ziel ist die Klimaneutralität bis 2030. Das heißt die Treibhausemmissionen zu reduzieren, den Strom nur aus erneuerbaren Energien zu erzielen – das machen wir heute schon zu 100 Prozent. Darüber hinaus haben wir noch weitere kleine Ziele.
  • Aber viel interessanter finde ich auch, dass wir unsere Finanzierung auch auf das Thema Sustainable Finance konzentrieren. Wir waren eines der ersten Unternehmen, das einen Green Bond geissued hat. In 2019, 500 Millionen.
  • Das Interessante war: Wir sind ein nicht geratetes Unternehmen, dass wir mit 500 Millionen platziert haben. Und jetzt in 2021 haben wir eine ESG-Konsortialfinanzierung zusammengestellt über 1,7 Milliarden und die ist tatsächlich auch an Nachhaltigkeitsziele gebunden. Wenn wir zum Beispiel im MSCI-Rating nach unten rutschen würden, dann müssten wir einen höheren Zinssatz zahlen. Das finde ich sehr interessant und sehr mutig!

Welche Rolle spielt das Thema Öl für die Zukunft?

  • Wir hatten viele Tankstellen, die wir veräußert haben. Wir hatten hier eine Restrukturierung in diesem Bereich, dass wir natürlich noch das Thema Öl bedienen und Kraftstoffe und Heizöl an unsere Kunden liefern, wenn es nachgefragt wird, aber wir drehen uns gerade.
  • Das wichtigste Produkt sind gerade Holzpellets bei uns. Das ist eine kleine Success Story, wie wir uns hier entwickelt haben. Wir haben auch das Thema Elektromobilität und bauen Elektrosäulen auf und warten diese.
  • Da sieht man einfach diese nachhaltige Entwicklung auch bei der BayWa. Dass man sich immer wieder den neuen Herausforderungen anpasst, aber trotzdem den Segmenten treu bleibt.

Sie setzen auch verstärkt auf digitale Technologien und entwickeln gerade im Smart Farming-Bereich auch eigene Produkte. Wie kann ich mir die Zukunft in der Landwirtschaft denn vorstellen?

  • Die Gegenwart der Landwirtschaft ist schon extrem digital. 80 Prozent der Landwirte arbeiten schon sehr digital. Die neue Generation an Landwirten ist hochdigitalisiert, es sind Personen, die extrem gut ausgebildet und wirklich Unternehmer sind. Es ist wahnsinnig spannend, was in diesem Bereich passiert.
  • 1950 konnte ein Landwirt ca. 10 Personen ernähren, 2020 sind wir bei 155 Personen. Da sehen Sie die Produktivität, die sich in diesem Bereich wahnsinnig erhöht hat.
  • Es ist bspw. so, dass jeder zweite Traktor, den wir verkaufen, autonom fahren kann. Das heißt die fahren bis zu 2 cm genau eine Spur ab und hinter dem Lenkrad müsste eigentlich keiner sitzen. Der Landwirt kann auch Dinge wie teilflächenspezifische Aussaat und Düngung nutzen, das heißt das punktuelle Einsetzen von Düngermittel und Saatgut.
  • Und da wirkt das Thema Nachhaltigkeit wieder rein. Das heißt um die Produktivität zu erhöhen und dabei die Ressourcen zu minimieren. Das geht aber nur über Software. Die Landwirte haben natürlich auch die Auflagen von der EU, sowas zu dokumentieren.
  • Wir entwickeln und verkaufen spezifische Software-Programme. Wir haben über hunderte Softwareentwickler in Pfarrkirchen, wo wir viel Geld investieren. 

Wenn wir etwas in die Zukunft blicken, welche Geschäftsfelder sind für die BayWa zukunftsweisend?

  • Einmal ist das ganz klar der Bereich Agrar, da kommen wir her. Und der Bereich Energie. Das sind die Bereiche, die auch in der Zukunft den größten Ergebnisanteil bringen sollen. 

Wordshuffle:

Eintracht Frankfurt: Ich werde morgen nach Sevilla fahren und bin in den Genuss eines Tickets gekommen. Ich bin großer Eintracht Frankfurt Fan.

Kroatien: Da komme ich gebürtig her. Nach wie vor bin ich sehr eng mit dem Land verbunden, aber ein Stück weit bin ich manchmal deutscher als jeder Deutsche.

Digitalisierung: Mein Mitarbeiter ist deutlich jünger als ich und ich habe immer das Gefühl, so digital bin ich gar nicht. Es ist aber ein Thema, das natürlich ganz wichtig ist in allen Bereichen.

Rockmusik: Ich höre eigentlich alles quer beet, das hängt von meiner Laune ab.

Boston: In Boston habe ich studiert und habe sehr gute Erinnerungen daran.

Immobilien: Die Immobilienpreise in München, das ist nicht mehr lustig. Da können sich die freuen, die vor 10 Jahren eingestiegen sind. 

Glück: Gesundheit, dann hat man schon viel Glück.

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3 Antworten

  1. Als ich hörte, dass “nur” der IR-Verantwortliche Rede und Antwort stehen würde und kein Vorstand, war ich erst etwas enttäuscht und meine Erwartungen in ein interessantes Interview schwanden in den Keller. Aber ganz im Gegenteil. Herr Radeljic hat die BayWa AG ganz super vertreten und zwar auch sehr verständlich und ehrlich. Wusste immer eine tiefgehende Antwort auf die ganzen gut gestellten Fragen. Das war super, Daniel!

    Ich bin (noch) kein BayWa-Aktionär, bin aber nun neuigierig auf das Unternehmen geworden, welches mich doch sehr an Tractor Supply aus deiner Amifolge erinnert.

  2. Lieber Daniel,

    als langjähriger Hörer deiner Podcasts möchte ich mich zunächst für deine Arbeit und die vielen Stunden bedanken, in denen ich viel lernen durfte. Es ist mir immer eine Freude, eine neue Folge zu hören!

    Mit der aktuellen Folge hadere ich aber und möchte dir gerne auch einige Punkte mitgeben, wieso. Zunächst fehlt mir für die Folge absolut der Kontext: Wieso wird gerade die BayWa vorgestellt? Was ist der Sinn des Interviews? Geht es um die Vorstellung des Unternehmens als potentielles Investment? Sollen grundlegende, betriebswirtschaftliche Aspekte besprochen werden, die man bei der Aktienauswahl berücksichtigen sollte? All das bleibt unbeantwortet und Du tauchst direkt in das Interview ein. Das Gespräch mäandert dann aus meiner Sicht etwas ziellos zwischen (grundsätzlich interessanten) Details zum Unternehmen, allgemeinen Markttrends und BWL-Basics hin und her. Ein paar Beispiele dazu:
    1.) “Wie kommt man auf die Idee, einen neuseeländischen Apfelhersteller zu kaufen?” – die Frage war deinerseits vielleicht bewusst etwas überspitzt, aber welche Antwort erwartet man sich ernsthaft (zumal von einem IR-Vertreter) darauf? Das sind grundlegende, strategische Unternehmensentscheidungen, wie in der Antwort dann ja auch erläutert wird (Wachstum im Ausland etc.). Bringt mich zurück zum fehlenden Ziel des Interviews: was bezweckt eine solche Frage?
    2.) “2008 betrug der Konzernumsatz im Ausland 34%, 2021 schon 63,5%. Wie soll das denn noch weiter gesteigert werden?” – auch hier aus meiner Sicht eine seltsame Frage. Durch starke Auslandszukäufe steigt der anteilsmäßige Umsatz im Ausland doch zwangsläufig. Jede weitere Akquisition wird die Zahl noch weiter nach oben treiben. Das ist aus meiner Sicht so allgemein und trivial, dass ich mich auch hier frage, was ich da als Hörer mitnehmen soll.
    3.) Insgesamt finde ich deinen Interview- und Fragestil sehr angenehm. Allerdings gerade hier auch sehr unkritisch. Man muss sich das Setting mal anschauen: ein IR-Vertreter, der Vorlagen geliefert bekommt wie “Sie haben sich hohe Nachhaltigkeitsziele gesetzt. Welche sind das denn genau?”. Eine bessere Change zur Selbstpräsentation kannst Du nicht liefern, die Frage ist ja schon fast suggestiv.

    Nochmal zusammenfassend: es geht mir garnicht so sehr um den Inhalt, den fand ich durchaus spannend. Die BayWa ist sicher ein spannendes Unternehmen und vielleicht ein interessantes Investment. Aber mir ist hier vieles zu intransparent, zu oberflächlich und fachlich zu ungenau. Ich bin mir nicht sicher, ob Du dir mit dieser Art von Interviews einen Gefallen tust, oder zu sehr zu eine Plattform für die Werbeaktivitäten eines Unternehmens wirst. Und hier tue ich mich auch schwer mit dem oft gehörten Argument, “wenn jemand ein Thema nicht interessant findet, soll er die Folge eben überspringen”. Das ignoriert in meinen Augen den Kern der Kritik.

    Ich hoffe Du nimmst mir den Kommentar nicht übel und kannst aus dem Feedback für dich vielleicht etwas rausziehen.

    1. Hallo Tim,

      vielen Dank erstmal für Deinen langen und ehrlichen Kommentar.

      Kurz zum Grund der Folge, den ich eigentlich eingangs erwähnt habe: Ich möchte ab und an börsennotierte Unternehmen interviewen, das Geschäftsmodell vorstellen und erklären, was sie eigentlich machen. Vom Ansatz her finde ich die BayWa sehr spannend, weil sie so komplett unterschiedliche Unternehmensbereiche hat. Ich bin zwar (noch) kein BayWa-Aktionär, aber habe sie nach dem Interview auf meine Liste gepackt. Mit der Deutschen Euroshop habe ich das 2020 schon so gemacht und jetzt mit der BayWa auch. Mir ist aber auch bewusst, dass nicht alle Hörer von diesen Folgen abgeholt werden.

      Zu den Fragen: Die hatte ich mir natürlich im Vorfeld überlegt und auch mit der BayWa abgesprochen. Hier kann ich nicht mit “aus der Hüfte” geschossenen Fragen um die Ecke kommen, sondern das muss bei großen Unternehmen im Vorfeld und Nachgang geklärt werden. Wenn ich die Möglichkeit zu so einem Unternehmensinterview mit einem Konzern habe, muss ich Kompromisse eingehen. Das ist dann zwar nicht so wie sonst und zu einem gewissen Maß auch oberflächlich, aber ich fand den gesamten Abstimmungsprozess mit der BayWa sehr angenehm. Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist alles so, wie wir es geführt haben. Vor dem Hintergrund ist es aber klar, dass es kein kritisches Interview werden konnte. Aber das sollte es auch nicht, sondern ich wollte das Unternehmen und das Geschäftsmodell vorstellen.

      Jedenfalls bin ich selbst mit dem Interview zufrieden und habe es beim Schneiden auch noch gern gehört. Da gab es schon ganz andere Episoden, die ich im Nachgang für nicht so spannend gehalten habe. Bisher ist das Feedback zu der Folge auch gut, aber das Interesse ist deutlich geringer als bei anderen Folgen.

      Keine Angst, solche Interviews werde ich max. einmal im Jahr machen. Es ist aber wieder mal eine komplett andere Folge geworden. Für mich ist das das Wichtigste, denn die Standardthemen langweilen mich mittlerweile schon ziemlich. Schade, dass Dir die Folge nicht so gefallen hat, aber ich freue mich über Deinen ausführlichen Kommentar. Sonst kommt so gut wie gar kein Feedback und da weiß ich nur anhand der Durchhörquote und Downloadrate, ob die Folge ankam. Finde ich persönlich sehr schade.

      Viele Grüße
      Daniel

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