Mein skurrilstes Erlebnis beim Geld und was ich daraus gelernt habe

Christina Kanese hat zur Blogparade aufgerufen und mich gebeten, ebenfalls mitzumachen. Da sage ich natürlich nicht nein. Es ist ein sehr offenes Thema und ich musste einige Zeit darüber nachdenken, was ich unter skurrilen Erlebnissen zum Thema Geld verstehe. Und vor allem: Was ich noch nicht an dieser Stelle geschrieben oder an anderer gesagt habe. Dann ist mir etwas eingefallen.

Skurrile Gelderlebnisse
Wer kennt nicht diesen (umgetexteten) Musikklassiker:“I am the King of Kreditkarte… and i bring you: Money!“

Jetzt muss ich gleich dazu sagen, es ist nicht wirklich skurril. Es ist eine ganz normale Finanzrocker-Story. Aber es gab mir zu denken und veränderte meine Einstellung zum Wert des Geldes. Die Deutschen lieben ihr Geld. Das Haptische. Das Rascheln. Kredit- und EC-Karten sind hingegen nicht sonderlich angesagt. Erst im letzten Jahr drängten immer mehr Anbieter mit kostenlosen Karten auf den Markt. So langsam wirkt sich das erst aus. Trotzdem fremdelt der Deutsche an sich eher mit der Kartenzahlung.

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Kippen, Bier und Jelapenos

Als ich 2007 nach Neuseeland gegangen bin, war mein Verhältnis zu Geld genauso. Während meines Studiums musste ich ja auf jeden Cent achten, weil sonst mein finanzielles Kartenhaus im Nu zusammengebrochen wäre.

Eine Kreditkarte hätte ich mit meinen 521 € Einkommen eh nicht bekommen. Deshalb bin ich immer zur Bank gegangen und habe 20 € abgehoben. Wenn das Geld weg war, war es eben weg. Es reichte für Kippen, einen Strauß Brokkoli und frittierte Jelapenos sowie Getränke. Das musste jetzt einige Tage reichen.

Und nach drei Tagen bin ich wieder zur Bank gefahren, um erneut 20 € zu holen. Es war eine anstrengende Konditionierung, die aber überraschenderweise sehr gut funktioniert hat. Und sogar heute noch Einfluß auf mich hat. Das hast Du ja wahrscheinlich schon im meinem „Sparen“-Podcast gehört.

Geld: Prasserei und Spaß dabei

Im neuseeländischen Auckland hat es sich geändert. Ich hatte kurz vorher Geld geerbt, war finanziell nicht mehr auf jeden Dollar angewiesen und habe mir so das eine oder andere gegönnt. Dazu gehörten tägliche Cappuccino-Breaks, Shoppingtouren in Outlets (kostet die Hälfte im Vergleich zu Deutschland) und Kurztrips an jedem Wochenende. Ein Wochenende mit einem Minus von 200 Dollar, eins mit 125 Dollar und so fort.

Das hatte einen ganz speziellen Grund: Die „Kiwis“ stehen nicht sonderlich auf ihr Spielgeld. Fast alles wird Down under mit der EC- oder Kreditkarte bezahlt. Deshalb kam am ersten Tag in der Sprachschule ein Bankberater, der jedem eine kostenlose EC-Karte mit Konto andrehte. So war ich in der Lage alles komplett damit zu bezahlen.

Mit meinen zehn Auslandsabhebungen pro Jahr bei meiner deutschen Bank kam ich nicht so weit. Also habe ich das Geld abgehoben und bar eingezahlt. Ich kam mir immer vor wie Graf Koks beim exzessivem Shopping. Da wurde hier ein Schokoriegel für einen Dollar mit Karte bezahlt, dort ’ne Runde Bier ausgegeben und das Fitnessstudio buchte auch fleißig ab.

Heute nicht zuhause

Eine Nacht war sogar so exzessiv, dass ich nicht in der Lage war, mit dem Taxi zur Gastfamilie zu fahren. Kurzerhand ins nächste Hostel gewankt: “ Hey Mister, i neeeeed a beeeeddd“. Ich war nachts um 4 Uhr so betrunken, dass ich laut grölend ins 4-Bett Zimmer stolperte ohne zu merken, dass da noch einer liegt.

Und mein Saufkumpan, der ebenfalls kein Taxi mehr zu seiner Gastfamalie am anderen Ende der Stadt bestellen konnte, auch nicht. Morgens war ich dann etwas erstaunt, dass da noch Fremder im Zimmer. Und dann auch noch ein Deutscher. Davon gibt es in Neuseeland fast genau so viele wie Schafe. Naja, fast.

Kurzum: Die Nacht war legendär. Meine Gastfamilie hatte nicht mal gemerkt, dass ich gar nicht nach Hause gekommen bin. Dafür merkte ich wenig später, dass mich diese Nacht fast 200 Euro gekostet hatte. Komplett mit Karte bezahlt und nichts mitbekommen. Ich hatte die Kontrolle verloren und bin über die Monate zum Konsumjunkie geworden. Und woran lag es? An der ständigen Kartenzahlung!

Keine Kondition mehr

Da hatte ich mich über die Jahre so toll konditioniert und die ständige Kartenzahlerei hat in kurzer Zeit dazu geführt, dass ich kein Verhältnis zum Geld hatte. Komischerweise habe ich es bei meinen späteren Reisen über die zwei Inseln auf den Dollar genau errechnet und es hat sich dann wieder eingepegelt.

Als ich wieder in Deutschland war, hatte ich keinen Job und kein Einkommen. So fing ich wieder an, mir immer nur kleine Summen vom Konto abzuheben. Lieber einmal mehr gehen als hoffnungslos Geld zu verplempern. Bis heute halte ich es so. Und mein Verhältnis zum Geld ist wieder besser geworden.

Dispo-Strudel

Nachdem ich jetzt 12 Wochen lang keine EC-Karte mehr hatte wegen unkontrolliertem Automaten-Lochfraß ist es nur bei größeren Ausgaben wie meiner Monatskarte aufgefallen. So ein Umgang mit Karten ist schön bequem, aber Du verlierst mit der Zeit den Überblick. Das gleiche Phänomen lässt sich übrigens auch bei Krediten bewundern. Das nennt sich dann Dispo-Strudel.

Ich stehe lieber auf das Rascheln und das Haptische von Geldscheinen. Damit erkennst Du viel mehr den Wert Deines Geldes – und weißt es zu schätzen. Typisch deutsch eben, oder? Und ein bißchen skurril sind wir im Vergleich zu anderen Ländern auch. Trotzdem zahle ich mittlerweile einige Sachen kontaktlos und habe es auch im Griff.

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11 Antworten

  1. Haha 😀 Geile Geschichte und eine interessante Blogparade.

    Ich stehe auch eher auf Geld zum anfassen und habe Kistenweise sortierte Münzen in meinem Zimmer gebunkert. Das alles einfach nur, weil Ich zu faul bin mit Kleingeld zu bezahlen.

    Gruß,

    Claudius

  2. Ich gehöre ja eher zu den Anhängern des bargeldlosen Bezahlens. Ich finde es furchtbar lästig, ständig ein „Portmoney“ mit mir herumzuschleppen, das voll mit Kupfermünzen und 10 oder 20 Cent Münzen ist. Und die wird man nur wieder los, wenn man an jeder Kasse stundenlang anfängt, das Kleingeld zu sortieren und zu zählen. Mir würde EINE Karte reichen.

    Und weil ich ja so ein Verfechter der Kartenzahlung bin, habe ich vor der Umstellung von DM auch Euro (okay – die jüngeren Leser können sich da jetzt nicht mehr dran erinnern… Es gab früher mal eine andere Währung in Deutschland!) … äh ja, also vor der Umstellung habe ich 100 DM auf eine Geldkarte geladen. Zur Sicherheit. Damit ich bei noch nicht umgestellten Automaten auch noch bezahlen kann. Habe ich dann auch so ca. 2-3 mal genutzt. In Parkhäusern. Also für insgesamt vielleicht 10 DM.

    Und dann habe ich das so langsam vergessen. Bis ich dann irgendwann wg. Ablauf der Gültigkeit eine neue Karte bekommen habe. Versehen mit dem Hinweis, die alte zur Sicherheit am besten sofort zu vernichten. Was ich auch brav gemacht habe. In kleine Teile zerschnitten und entsorgt. Und die 90 DM, die noch auf dem Chip waren, gleich mit entsorgt…

    Tja – auch so ein skurriles Erlebnis, was mir aber erst jetzt gerade wieder eingefallen ist. Dabei habe ich doch auch an der Blogparade teilgenommen und selber einen Beitrag dazu geschrieben. Guckst Du hier: http://der-privatier.com/mein-skurrilstes-erlebnis-beim-geld

    Übrigens: Nicht nur die „Kiwis“ stehen auf Kreditkarten. In USA zahlt man auch gerne mal ein Bier (eins !) mit der Kreditkarte und der Tankwart guckt misstrauisch, wenn da einer kommt und mit Bargeld bezahlt: „Wo hat er DAS denn her?!“

    Gruß, Der Privatier

    1. Moin Privatier,

      vielen Dank für Deine Anekdote. Die hättest Du echt in Deinen Beitrag mit einflechten sollen 🙂 Den habe ich nämlich auch vorher gelesen. Du hast ja auch einen klasse Blog – mit einem Ansatz den sonst keiner hat. Mein „Portmoney“ wiegt zeitweise ein Pfund, weil ich eben die ganzen Cent-Stücke darin bunkere. Ganz schlimme Marotte. So habe ich schon drei Lederteile verschlissen. Und wenn ich sie dann mal rauspacke, enden sie wie bei Claudius. 🙂

      Und von den Amis habe ich das auch gehört. Aber dort hast Du ja jahrelang auch einen großen Hauskredit bekommen – ohne dass Du irgendetwas vorweisen musstest. Wie das 2008 endete, wissen wir alle. Mit den Kreditkarten ist es da nicht anders.

      Viele Grüße
      Daniel

      1. Moin zusammen,

        ich finde auch, dass man weniger ausgibt, wenn man nur Bargeld benutzt. Allerdings trage ich nur Scheine (ca €100) mit mir herum und kaum Münzen, da die immer die Hose bzw das Portmonee ausbeulen und das nervt ohne Ende.

        Mein skurriles Erlebnis bzw Eigenschaft: Wenn ich ein 1- oder 2-Cent Stück auf dem Boden liegen sehe, hebe ich es NICHT auf. Lohnt sich einfach nicht und da ich Bandscheibenprobleme habe, will ich da wegen so eines Minibetrags nichts riskieren. Früher habe ich immer ALLES aufgehoben, der Satz meiner Mutter schwebte mir noch im Kopf: „Junge, du musst den Pfennig ehren…“
        Aber wenn man sich mal überlegt: Wenn ich pro Sekunde 2-Cent aufhebe, entspricht das einem Stundenlohn von €72 – ist gar nicht so schlecht. Dafür muss man sich allerdings 3.600 mal bücken – viel Spaß!!!

  3. Ich habe auch zu viel Kleingeld in einer Schublade gebunkert. Als Kind habe ich Münzen gesammelt bzw. diese oft von meinen Eltern bekommen, wenn diese ihr Kleingeld los werden wollten. Ich war richtig fasziniert von der Münzenhorterei. 2002 kam dann der Trend, ausländische Euromünzen zu sammeln. Mit deutschen Kupfermünzen habe ich natürlich auch munter weiter gemacht. Resultat: Ich habe nun mehrere 100€ bei mir zuhause liegen, die ich nicht so recht loswerde. Die Banken in meiner Nähe haben keine Münzzählmaschinen und zum In-Papierrollen-wickeln bin ich zu faul. Vielleicht habe ich im Urlaub ja endlich mal genug Muße dazu. Jetzige Marotte: Alles bevorzugt mit Karte zahlen. Im Portemonai habe ich nur mehrere Scheine kleiner/gleich 20€, um ab und zu Zugtickets, Essen und Co. zu zahlen.

  4. Hallo Daniel,

    Plastik-Karten können echtes Teufelszeug sein 🙂 Kann deine Geschichte gut nachvollziehen. Aber Hand aufs Herz, durchzechte Nächte, wie du sie beschrieben hast, gehören zum Leben dazu. Was soll man sonst seinen Kindern erzählen oder von was auf seinem Blog berichten …

    Herzliche Grüße
    Christoph

    1. Moin Christoph,

      Du hast völlig Recht, aber das Thema durchzechte Nächte habe ich diese Woche ja im Podcast und im Blog angerissen 😉 Und versacken mit Hotel- bzw. Hostel-Zimmer habe ich davor oder danach nie wieder geschafft. Das war mir mit den Karten aber auch eine Lehre, weil Du einfach mehr Geld ausgibst als mit Bargeld.

      Viele Grüße
      Daniel

  5. Hallo Finanzrocker,

    ich habe das Gefühl, dass nur sehr wenige Menschen in Deutschland mit Ihrem Kapital richtig umgehen können. Es ist ein extremer Überkonsum zu sehen, Menschen kaufen sich Sachen die sie selten bis nie benutzen, mit denen sie gar nicht richtig umgehen können oder nur aus Zwang kaufen weil andere aus ihrer Umgebung sich dieses auch gekauft haben. Das ist natürlich super für die Wirtschaft, aber würde jeder mit seinem Kapital so haushalten wie wir hier, dann wären wir an anderer Stelle vielleicht schon viel weiter.

    Jetzt aber mal bitte die Fakten auf den Tisch legen Finanzrocker. Wie viel Geld hast Du damals geerbt? Das ist auch so ein deutsches Phänomen, dass die Detuschen nicht offen über ihre Finanzen reden. Dabei ist dies doch so ein unglaublich interessantes Thema, weswegen die ganzen Finanzblogs auch so gut laufen, so denke ich.

    Das Kartenproblem und die fehlende Kontrolle ist bei jedem anders ausgeprägt. Ich persönlich habe mit Kartenzahlung kein Problem und mich entsprechend gut unter Kontrolle. Was mir hilft: direkt am Anfang des Monats das Gehalt sofort vom Bankkonto auf ein Investitionskonto zu überweisen, dass man gar nicht erst in die Versuchung kommt sich irgendwas komisches zu kaufen. Eine Rücküberweisung ist zwar ohne Probleme möglich, wird aber nur in den seltensten Fällen in Anspruch genommen. Aber so oder so ähnlich macht es hier doch bestimmt sowieso jeder?

    Ich bevorzuge also absolut die Zahlung mit Girocard. Die ist schnell, einfach und genau. Leider kann man heutzutage immer noch nicht überall mit Girocard zahlen, sonst hätte ich schon längst kein Bargeld mehr am Mann.

    Viele Grüße
    FjodorForex

    1. Moin FjodorForex,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Da steckt viel Wahres drin.

      Zum Thema „Karten auf den Tisch legen“: Recht hast Du. Ich werde das auch in einem Artikel noch einmal vorstellen. Aber natürlich packe ich das nicht so nebenbei in einen Kommentar 😉 Wird aber noch ein wenig dauern. Nach und nach werde ich aber auch mein Depot weiter vorstellen – und auch die Gewinne 2015. Denn Du hast Recht, dass Zahlen zum Untermauern wichtig sind. Aber bisher war noch nicht der richtige Artikel dafür dabei.

      Viele Grüße
      Finanzrocker

  6. Hallo,

    ich zahle auch 80 % mit Kreditkarte, Bargeld ist mir zu unsicher, ich fühle mich schon ab 100 Euro im Geldbeutel unwohl. Ab 500 Euro bin ich verdammt froh das Zeug endlich bei meiner Bank eingezahlt zu haben 🙂 Bargeld nimmt mir beim spazieren die Ruhe, meist habe ich nicht mehr als 30 Euro in der „Tasche“

    LG
    Marco

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