Von Zeitlosigkeit und Finanzen: Same as ever – Morgan Housels Wegweiser für den Alltag

Wusstest du, dass es viele Dinge gibt, die sich über Jahrzehnte nicht geändert haben und genau das auch gut so ist? So sieht es zumindest Bestseller-Autor Morgan Housel in seinem neuen Buch „Same as ever“. Trotz meines dichten Zeitplans hat mich diese Lektüre so gepackt, dass ich meine Begeisterung einfach mit einer Rezension teilen muss. Lass dich von unterschiedlichen Geschichten inspirieren, die weit über Finanztipps hinausgehen und dir einen ganz neuen Blick auf die Dinge ermöglichen.

Morgan Housel Same as ever

Überblick

Im Jahr 2023 fand ich selten die Zeit, Wirtschaftsbücher zu lesen. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum einen ist Finanzrocker mittlerweile zu einem Hobby geworden, da mir neben meiner beruflichen Tätigkeit kaum noch Freiräume dafür bleiben. So schaffe ich es gerade mal, eine Podcastfolge pro Monat zu produzieren. Neue Artikel habe ich nur sehr ausgewählt schreiben können.

Zum anderen erfordert die Vorbereitung für diese Folgen ebenfalls viel Zeit, da ich mich einlesen und manchmal ganze Bücher durcharbeiten muss. Das kann entsprechend zeitintensiv sein, weshalb ich einen wochenlangen Vorlauf benötige. Diese knappen Zeitressourcen hatten zur Folge, dass ich dieses Jahr lediglich eine Buchrezension zur Piratenstrategie verfassen konnte.

Doch kurz vor dem Weihnachtsfest habe ich ein Buch entdeckt, das meine Begeisterung nachhaltig weckte und mich dazu inspirierte, eine Rezension darüber zu schreiben. Wenn du also gerade auf der Suche nach einer passenden Lektüre für den Weihnachtsurlaub oder einem Weihnachtsgeschenk bist, dann bist du hier richtig.

Informationen zum Autor: Wer ist Morgan Housel?

“Same as ever”* heißt das Buch, das ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Geschrieben hat es Morgan Housel. Er ist ein Partner bei The Collaborative Fund und ein ehemaliger Kolumnist bei The Motley Fool und The Wall Street Journal. Bekannt geworden ist er für seine Beiträge zum Thema persönliche Finanzen und Anlagestrategien. Darüber hinaus hat er den Bestseller „Psychologie des Geldes“* geschrieben, in dem er die Verhaltensaspekte des Geldmanagements und des Investierens untersucht. Für seine Arbeit hat Housel zahlreiche Preise gewonnen und ist mittlerweile ein gefragter Redner für seine Einsichten in die Psychologie des Geldes.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich seinen Bestseller bisher nicht gelesen habe. Das werde ich aber im kommenden Jahr nachholen, weil mich “Same as ever” wirklich begeistert hat. Vor allem sein lockerer Schreibstil und die auf den Punkt gebrachten Aussagen ohne langatmiges Geschwafel haben es mir angetan. Das ist wirklich eine Kunst!

Worum geht es bei “Same as ever” von Morgan Housel?

Das Buch behandelt 23 fesselnde Geschichten, die das Unwandelbare des Lebens beleuchten. Jedes der knackig kurzen Kapitel ist gespickt mit nachvollziehbaren Beispielen, die Housels Thesen eindrucksvoll zum Leben erwecken. Ich habe jeden Abend zwei Kapitel gelesen und das waren ca. 10-20 Seiten. Du musst sie auch nicht nacheinander lesen, denn sie sind alle unabhängig voneinander.

Damit du dir darunter etwas mehr vorstellen kannst, möchte ich hier mal vier Beispiele vorstellen:

Risiko: Wir sind sehr gut darin, die Zukunft vorherzusagen, mit Ausnahme der Überraschungen. Dabei sind gerade diese Überraschungen entscheidend. Beste Beispiele: die Finanzkrise von 2008 und auch die Corona-Pandemie. Deshalb ist es auch so wichtig, auf diese Risiken vorbereitet zu sein – selbst wenn sie nur alle 10-20 Jahre eintreten. (Kapitel 2)

Erwartungen und Realität: Die erste Regel des Glücks ist, die Erwartungen niedrig zu halten. Dann klappt es laut Housel auch mit dem glücklichen Leben. So einfach dieser Hinweis ist, so nachvollziehbar ist er. Denn häufig wollen wir einfach viel zu viel, erreichen das nicht und werden oft unglücklich.(Kapitel 3)

Marketing: Die beste Story gewinnt und nicht die beste, die richtige oder die vernünftigste Idee. Nur wer eine Geschichte erzählt, die Aufmerksamkeit erregt, wird belohnt. Für Housel sind Geschichten immer erfolgreicher als Zahlen. Genau deswegen überzeugt auch das auf den Punkt gebrachte Buch, weil er einfach spannende Geschichte erzählt. (Kapitel 6)

Fortschritt: Fortschritt braucht die Koexistenz von Optimismus und Pessimismus. In der Mitte steht der rationale Optimist. Wer nur das eine oder andere sieht, erlebt keinen Fortschritt. (Kapitel 13)

Nachhaltige Beispiele

Ein besonders eindringliches Kapitel ist das achte mit dem Titel „In der Ruhe keimt der Wahnsinn“. Dieses beschäftigt sich mit der trügerischen Sicherheit, die in Momenten der Ruhe lauert.

Ein markantes Beispiel hierfür ist der dramatische Rückgang der Sterberaten durch ansteckende Krankheiten: Während im Jahr 1900 noch 800 von 100.000 Amerikanern solchen Krankheiten erlagen, waren es 2014 nur noch 46 – ein Rückgang von 94%. Housel argumentiert, dass gerade diese Errungenschaft unsere psychologische Widerstandsfähigkeit untergraben hat.

“Was vor 100 Jahren ein tragischer, aber erwartbarer Teil des Lebens war, ist heute ein tragischer und unbegreiflicher Teil unseres Lebens. Genau das machte die Covid-19-Pandemie so schockierend und verheerend.” (Seite 97)

Er führt es noch weiter aus, aber das war ein nachdrückliches Beispiel, was gleich hängen geblieben ist. Ein weiteres Beispiel hat mit dem Erzählen von Geschichten zu tun. 

Es gibt Hunderte von Geschichtsbüchern auf der Welt, die alle immer wieder die gleichen Themen behandeln. Trotzdem ist “Eine kleine Geschichte der Menschheit” von Yuval Noah Harari* zum internationalen Bestseller geworden. Einfach, weil er Altbekanntes neu, einfach und spannend verpackt hat. So eine bildhafte und unterhaltsame Geschichtsstunde wird dann eher gelesen als ein dröges Geschichtsbuch.

“Wer falsche Lösungen anbietet, aber eine tolle Geschichte zu erzählen vermag, hat höchstwahrscheinlich – vorübergehend – Erfolg. Wer aber die richtige Lösung weiß und tolle Geschichten erzählt, kommt fast sicher zum Erfolg.” (Seite 70)

Anhand dieser Beispiele erkennst du auch nochmal, wie Housel seine Argumente aufbaut. Seine nachvollziehbaren Beispiele sind bei mir zumindest sofort hängen geblieben. Pro Kapitel gibt es immer mehrere Beispiele, mit denen man sich beim Lesen gleich gedanklich auseinandersetzt. In meinen Träumen tauchten diese Beispiele dann gleich wieder auf.

Was hat das mit Finanzen zu tun?

“Same as ever” ist kein Finanzbuch, sondern ein Buch über Geschichten. Viele Beispiele kommen jedoch aus der Welt der Börse und der Finanzen. Es ist aber eher ein Bereich unter vielen. Da Housel aus der Finanzwelt und das Buch aus dem Finanzbuchverlag kommt, ist es logisch, dass das Thema hier auftaucht. Ich bin aber froh, dass nicht nur Finanz- oder Börsenbeispiele genannt werden. Das wäre auf Dauer zu eintönig geworden.

Ein prägnantes Beispiel aus der Wirtschaft ist die Evolution – vor allem im Hinblick auf börsennotierte Unternehmen und Geschäftsmodelle. Wer spricht heute noch von Kodak, Nokia oder Blackberry?

“Die Evolution ist gnadenlos und duldet keine Fehler – sie lehrt uns nicht, indem sie zeigt, was funktioniert, sondern indem sie zerstört, was sich nicht bewährt. Was wir daraus lernen? Wir sollten nie überrascht sein, wenn etwas, das eine Ära beherrscht hat, in der nächsten ausstirbt. ” (Seite 170)

Es gibt zwar auch einige wenige Gegenbeispiele wie Levis, Beatles, New York oder Snickers (stammen alle aus dem Buch; mir fallen noch weitere wie Coca Cola oder Disney ein), aber wenn man sich Veränderung der größten Unternehmen der Welt in den letzten 50 Jahren anschaut, dann sind sehr viele Unternehmen aus den 80ern nicht mehr darunter. Da wird es 2050 auch eine ganz andere Top 10 der größten Unternehmen geben als heute. Wer weiß heute schon, wo dann Apple, Amazon oder Meta stehen.

Fazit

Morgan Housel Same as everDas Buch „Same as Ever“* beleuchtet zeitlose menschliche Schwächen und Muster in kurzen Kapiteln, die als Wegweiser dienen sollen.

Housel nutzt unterschiedliche Geschichten aus seinem Leben, aber auch von anderen Autoren wie beispielsweise Nassim Taleb, Harari, Tim Ferriss und Daniel Kahneman, um sie greifbarer zu machen. Dabei behandelt er unterschiedliche Themenbereiche wie Geschichte, Finanzen, Börse und Psychologie.

Das Buch vermittelt Erkenntnisse über Risiko und dessen Vorhersagbarkeit, Glück in Abhängigkeit von Erwartungen, menschliches Streben nach Gewissheit statt Genauigkeit, die Macht des Storytellings im Marketing sowie die Notwendigkeit von Optimismus und Pessimismus für Fortschritt. Mit diesen Themen ist “Same as ever” übrigens genau die Schnittstelle zwischen “Finanzrocker” und “Mehr Mut zum Glück”. So ist es auch kein Wunder, dass mir das Buch so gut gefallen hat.

Die für mich wertvollste Erkenntnis: Der Fokus liegt auf Beständigkeit im Leben statt auf Veränderung. Natürlich lässt sich das nun nicht auf alle Dinge beziehen. Aber bei bestimmten Themen stimmt es einfach.

Negativ ist nur der Punkt, dass es so viele interessante Beispiele gibt, die gar nicht alle hängen bleiben. Aber qualitativ sind die 240 Seiten mit das Beste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Jetzt muss ich ganz dringend auch noch Psychologie des Geldes lesen.

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2 Responses

  1. > Jetzt muss ich ganz dringend auch noch Psychologie des Geldes lesen.

    Unbedingt! Dieses Buch verschenke ich jeder verirrten Finanzseele in meinem Umfeld (40+).

  2. Ich lese gerade die „Psychologie des Geldes“ und ich bin begeistert – absolute Leseempfehlung! Zeitlose Lektüre, die ich nach einer Weile sicher erneut zur Hand nehmen werde.

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